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Münzen und Scheine:Das Geschäft mit dem Geld

Geldkreislauf

Kreislauf des Geldes

(Foto: SZ)

Bargeld macht heute nur noch einen kleinen Teil des Zahlungsverkehrs aus, doch hinter den Münzen und Banknoten steht ein komplexes und nicht zuletzt auch teures System. Es berichten: ein Pfandleiher, eine Bankangestellte, ein Münzhändler und ein Geldbegutachter.

Dem früheren amerikanischen Notenbankchef Paul Volcker wird eine gewisse Gehässigkeit gegenüber Banken nachgesagt. Angesprochen auf die Innovationskraft der Branche, soll der resolute Ökonom geantwortet haben, die "einzig nützliche Erfindung" der Kreditwirtschaft sei der Bankautomat gewesen.

Man kann über das harsche Urteil Volckers streiten, doch selten hat sich in der Finanzbranche eine Innovation so viele Jahrzehnte halten können. Bis heute bekommen Verbraucher aus den Automaten ihre Scheine für den kleinen Einkauf um die Ecke oder den Espresso im Straßencafé, aber auch für die große Reise ins Nachbarland.

Dieser Umstand täuscht darüber hinweg, dass Bargeld nur noch einen kleinen Teil der Geldwirtschaft ausmacht. Das meiste Geld wandert per Überweisung von einem Konto aufs andere: Sei es, wenn der Arbeitgeber das Gehalt auf das Konto des Angestellten überweist. Sei es, wenn man im Internet etwas kauft und online bezahlt. Man spricht hier im Gegensatz zum Bargeld vom Giralgeld oder Buchgeld. Das entsteht, sobald die Bank dem Kunden eine bestimmte Kreditsumme gutschreibt und das wieder verschwindet, wenn der Kunde das Darlehen zurückbezahlt.

Ein funktionierender Geldkreislauf ist essenziell für die Wirtschaft

Geld gilt als Schmierstoff der Wirtschaft. Je schneller es zirkuliert, je häufiger es also den Besitzer wechselt, desto mehr wird in einer Volkswirtschaft gehandelt, investiert oder eine Dienstleistung erbracht. So entsteht in aller Regel ökonomisches Wachstum. Ein funktionierender Geldkreislauf ist daher wichtig. In der Euro-Zone stockt dieser Kreislauf seit Jahren: Banken vergeben nur wenige Darlehen, obwohl der Leitzins mit 0,05 Prozent so niedrig wie nie ist und die Europäische Zentralbank (EZB) seit Jahren billiges Geld in die Banken pumpt. Doch die Banken horten das Investitionskapital. Fachleute sagen: Der "geldpolitische Transmissionsmechanismus" funktioniere nicht. Das billige Geld der EZB kommt nicht in der Wirtschaft an.

Zentralbanken sind für die Stabilität der Währung und die Geldversorgung verantwortlich. Doch woher kommt das Geld?

Es sind die Geschäftsbanken, die Geld "schaffen", und zwar immer dann, wenn sie einen Kredit vergeben. Dafür braucht die Bank gar nicht auf die Spareinlagen anderer Kunden zurückgreifen - das Institut bucht den Betrag einfach ein: Wird einem Kunden ein Kredit über eintausend Euro gewährt, erhöht sich die Einlage des Kunden auf seinem Girokonto um eintausend Euro. So ist Buchgeld entstanden. Ein Mausklick reicht dafür. Die Bank schafft Geld aus nichts.

Allerdings muss das Institut für den Kredit bei der Zentralbank einen Sicherheitspuffer hinterlegen. Man spricht von der Mindestreserve, deren Satz in der Euro-Zone bei ein Prozent liegt. Das bedeutet: Wenn die Bank an den Kunden eintausend Euro verleiht, muss sie bei der EZB zehn Euro deponieren. Ein solcher Kredit wird beispielsweise verwendet, um einen Kühlschrank zu kaufen. Meist geschieht das durch Überweisung. Vielleicht möchte der Kreditnehmer aber auch in bar bezahlen.

Das funktioniert so: In Deutschland liefern Druckereien und Münzprägeanstalten Banknoten und Münzen an die Deutsche Bundesbank aus. Benötigt ein Bankkunde viel Bargeld, dann lässt die Hausbank den Betrag von einem Werttransportunternehmen bei einer Filiale der Bundesbank abholen, um es dem Kunden zu geben. So gelangt Bargeld in den Wirtschaftskreislauf.

Wenn der Verbraucher beispielsweise einen Kühlschrank im Geschäft bar bezahlt, wird der Inhaber abends einen Großteil des Betrags wieder bei seiner Bank einbezahlen. Allein schon aus Sicherheitsgründen. Das Bargeld verschwindet wieder aus dem Kreislauf - es wird zurück in Giralgeld gewandelt. Überschüssiges Bargeld, das die Kreditinstitute nicht benötigen, bringen sie zur Bundesbank zurück. Der Betrag wird dem Konto des Instituts, das es bei der Zentralbank unterhält, gutgeschrieben.

Über die Zeit nutzen sich Geldscheine ab, weil sie durch viele Hände gehen. Die Bundesbank sortiert die schlechten - und gefälschten - Scheine regelmäßig aus und ersetzt sie durch druckfrische Banknoten. Je besser die Qualität der umlaufenden Banknoten ist, desto schwerer haben es Geldfälscher, falsche Banknoten in den Bargeldkreislauf zu schleusen. Die aussortierten Geldscheine werden geschreddert, zu Briketts gepresst und entsorgt. Münzen, die nicht mehr umlauffähig sind, werden entwertet und über das Verwertungsunternehmen des Bundes an Metallproduktionsstätten verkauft. So wird das Metall wiederverwertet. Das erlöste Geld geht an das Bundesfinanzministerium und damit an den Steuerzahler. "Die Lebensdauer der Banknoten hängt vom Nennwert ab. Banknoten kleiner Stückelungen (5, 10, 20, 50 Euro) werden nach ein bis vier Jahren vernichtet und ersetzt. Banknoten großer Stückelungen (100, 200, 500 Euro) haben zum Teil eine Lebensdauer von weit über zehn Jahren", so die Bundesbank. Münzen unterlägen einer geringeren Abnutzung.

Weil der Bargeldkreislauf Aufwand verursacht, aber auch Kriminalität ermöglicht - Stichwort Schwarzarbeit - gibt es immer wieder Menschen, die seine Abschaffung fordern. Doch während in den USA selbst der Espresso mit Kreditkarte bezahlt wird, stieße das in Deutschland freilich auf Protest: Die Verbraucher hier bezahlen nach wie vor überwiegend mit Bargeld. Gemessen am Umsatz, so eine aktuelle Studie der Bundesbank, werden 53 Prozent der Waren und Dienstleistungen mit Münzen und Geldscheinen bezahlt.