Münchner Straßen Romanstraße

Die Romanstraße hat nix mit Büchern zu tun, aber viel mit Geld. Sie ist eines der teuersten Pflaster in München.

Von Wolfgang Görl

Auswärtige Gäste, die in Nymphenburg oder Neuhausen nach dem Weg zur Romanstraße fragen, erhalten neben der erbetenen Auskunft nicht selten eine Belehrung in puncto Aussprache. Die Betonung, so erfahren sie, liegt auf der ersten Silbe, und der Besucher möge sich schnellstens von der Vorstellung lösen, die Münchner hätten mit dem Straßennamen einer literarischen Gattung ein Denkmal gesetzt. Schließlich gebe es ja auch keine Gedichtstraße oder die Essaygasse.

Auch über der Romanstraße braut sich manchmal einiges zusammen. Aber das schadet der Straße gar nicht.

(Foto: Foto: sueddeutsche.de)

Der Pate

Und überhaupt: Die Romanstraße ist nach Rudolf Ernst Philipp August Freiherr von Roman (1836 bis 1917) benannt, der einem alten provençalischen Adelsgeschlecht entstammte und einen mächtigen Schnauzbart trug, wie man ihn sonst vor allem bei Walrössern sieht. Als Vorstand des Münchner Bezirksamts links der Isar hatte er um das Jahr 1879 mit dem Neuhausener Ökonomen Johann Eisenböck zu tun, der auf eigene Kosten eine Straße bauen wollte. Weil man nie recht weiß, woran man bei Behörden ist, benannte Eisenböck die Straße bereits im Bauantrag nach dem Chef der Genehmigungsbehörde, was die Sache enorm erleichterte.

So erinnert eine immerhin 1,6 Kilometer lange Verkehrsader an den nicht gar so bedeutenden Freiherrn von Roman, wohingegen Thomas Mann oder Beethoven wesentlich kürzere Straßen gewidmet sind.

Wer die Romanstraße aufsucht, um sich ins Nachtleben zu stürzen, tut gut daran, umgehend in die hier seit 120 Jahren verkehrende Straßenbahn zu steigen und sich davon zu machen, so weit wie möglich. Wirtschaften sind hier eine Rarität, Läden ebenso. In der Romanstraße wohnt man.

Wer mit Erbschaften, hohem Einkommen oder dem richtigen Ehepartner gesegnet ist, residiert in einer der wunderbaren Villen aus dem späten 19. Jahrhundert, die sich besonders um das Rondell Neuwittelsbach konzentrieren.

Willkür der Wildheit

Eine gewisse großbürgerliche Behäbigkeit zeichnet sie aus, nicht ohne Geschmack und mit einem Stich ins Aristokratische. Dazu die Gärten, deren Fauna und Flora große Anstrengungen unternimmt, die Straße in eine Parklandschaft zu verwandeln.

Hier kann es einem passieren, dass man auf dem Balkon mit vagabundierenden Eichhörnchen konfrontiert wird, welche die Örtlichkeit nach Nützlichem inspizieren. Fahrzeuge, die im Freien parken, sind der Willkür von Mardern ausgesetzt, weshalb hier lebende Automobilbesitzer zu den besten Kunden von Kfz-Reparaturwerkstätten gehören.

Explosion im Frühling

Doch sind das Kosten, für die man im Frühjahr reichlich entschädigt wird. Im Mai schießt die Natur der Romanstraße ohne falsche Zurückhaltung ins Kraut: Es erblühen Magnolien, Obstbäume, Blumen und allerlei Ziersträucher, was zu einer farblichen Prachtentfaltung führt, die einem über die Trostlosigkeit einiger Bausünden und die Asphaltwüste des Romanplatzes spielend hinweghilft.

Selbst das Weißblau der Straßenbahn fügt sich da ein, und die Romanstraße mutiert für wenige Wochen zu einer Art Gesamtkunstwerk aus Farben, Formen, Düften und den Gesang der Vögel. Wer noch eine Steigerung wünscht, der gehe in den nahe gelegenen Nymphenburger Park, wo einst Bayerns Herzöge und Könige lustwandelten. Hier hat der Gartenbaumeister Friedrich Ludwig von Sckell entlang des großen Kanals eine Landschaft komponiert, deren weitläufige Wiesentäler, idyllische Weiher und bunte Wäldchen an ein Gemälde erinnern.

Zwei Krankenhäuser auf dem Weg

Wer überwältigt von diesen Sinneseindrücken in Atemnot gerät, hat in der Rosenstraße gute Überlebenschancen. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder steht in unmittelbarer Nähe des Schlossparks, gegründet im Kriegsjahr 1917 "für pflegebedürftige Krieger, deren schwere Verwundung im Feld Siechtum nach sich zog". Weiter östlich bietet das Krankenhaus Neuheitenschau seine Dienste an, dessen Anfänge auf eine Kaltwasserheilanstalt zurückgehen.

Und spätestens wenn man erfährt, dass in der Rosenstraße eine Folge der Nymphchensexserie "Schulmädchenreport" gedreht wurde, ist einem klar, dass Johann Eisenblick Straßenbau bis in die heutige Zeit segensreich auf die Münchner Kultur wirkt.