bedeckt München 18°

Münchner Straßen:Buschingstraße

In München-Bogenhausen stehen die schönsten Villen. In der Buschingstraße dagegen dominiert Sachlichkeit.

B wie beige, B wie brav, B wie Buschingstraße: In gelblichgraue bis bräunliche Gewänder gehüllt, sind die meisten Häuser hier eher schlicht und praktikabel gehalten.

Das Gute: Die bezahlbaren Wohnungen vergeuden keinen Quadratmeter an Platz und vor der Haustür breitet sich Grün großzügig aus.

(Foto: Foto: sueddeutsche.de)

Im vorderen Teil prägen Hochhäuser das Gesicht der Straße, im hinteren Teil Häuschen mit weißen Fassaden und kleinen Vorgärten. Die Architekten der beigen Bauten haben nicht der Kreativität, sondern dem Pragmatismus den Vorrang gegeben - vorwiegend sind es kantige sechsstöckige Häuser mit quaderförmigen Balkons. Für Nachkriegsbauten war eben ausschlaggebend, möglichst viele Menschen möglichst rasch in billigen Quartieren unterzubringen.

Bogenhausen mal ohne Schickis

Viele Anwohner sind seit den fünfziger Jahren bis heute geblieben. Schließlich gibt es hier in der Parkstadt so viele Grünflächen wie sonst nur in wenigen Münchner Siedlungen. Außerdem ist man stolz, in Bogenhausen zu wohnen, einem Stadtteil mit sehr gutem Ruf, den auch die Bewohner selbst mit den Werten "anständig", "konservativ" und "bürgerlich" in Verbindung bringen.

Nachts ist zappenduster

Die Tage und Nächte vergehen in der Regel in beschaulicher Ruhe. Wenn in dieser Gegend gefeiert wird, dann nur zur Sommerszeit in den Schrebergärten und das lautstark. Oder aber eine Gruppe von Studenten versammelt sich zu einer kleinen Balkon-Fete. Sie trotzen der nächtlichen Kälte mit einer CD von den "Red Hot Chili Peppers", lehnen sich - in warme Pullover eingepackt - über das Geländer und trinken Bier. Was bleiben ihnen auch für Alternativen? Mit dem Nachtleben sieht es schlicht zappenduster aus.

Spielen erlaubt

Die Bewohner der Buschingstraße sind meist schon betagt: Alte Damen, die sich freuen, wenn sich eine Meise durch die Balkontür ins Wohnzimmer verirrt, und die andererseits zeternd die ungeliebten Tauben vertreiben, wenn sie wieder einmal laut gurrend ihren Frieden stören. Eine Großmutter auf der Straße fragt ihr Enkelkind: "Wollen wir Lego spielen?" Vielleicht gehen sie aber auch zu einem Sandkasten. Davon gibt es eine Riesenauswahl.

Der frisch-herbe Geruch von Laubbäumen - es sind stattlich gewachsene Stämme mit üppigen Kronen - und der von frisch gemähtem Rasen wirkt belebend. Unter den Baumkronen begegnet man Arbeitern im Blaumann, die hier per Pedes oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Sie arbeiten für die Bayerische Hausbau, der zahlreiche der beigen Uniform-Bauten in der Buschingstraße gehören, reparieren verstopfte Abflussrohre und klemmende Türen. Hektisch geht es dabei eher nicht zu; denn meistens führt in der Buschingstraße die Langsamkeit Regie.

Zur SZ-Startseite