Montenegro:100 000 illegale Bauten

Das kleine Land ist ein Urlaubsparadies. Aber seit der Unabhängigkeit des Staates im Jahr 2006 wird die Küste von reichen Ausländern nach und nach aufgekauft und zugebaut, oft ohne entsprechende Genehmigung.

Den Slogan "Wild Beauty" haben sich Werber vor Jahren für Montenegro ausgedacht. Auf knapp 300 Kilometern Küste des kleinen Lands an der Adria finden sich pittoreske Buchten, traumhafte Strände, tiefe Fjorde sowie malerische venezianische Städte, Piratennester und ein großartiges kulturelles Erbe. Doch seit der Unabhängigkeit des Landes vor zehn Jahren ist dieses Naturparadies in weiten Teilen ruiniert worden. Heimische und russische Oligarchen haben zu horrenden Preisen die Küste aufgekauft und so exzessiv gebaut, dass das Panorama nicht mehr wiederzuerkennen ist. 100 000 Gebäude wurden illegal und überdimensioniert errichtet, schätzt das staatliche Fernsehen. Nur die wenigsten Häuser und Hotels sind an Kläranlagen angeschlossen, und wenn, dann weiß man wie in Budva nicht, wohin mit dem stinkenden Klärschlamm. Neuerdings wird er ins benachbarte Albanien gekarrt. Kostbares Wasser versickert durch undichte Leitungen, wilde Müllkippen sind allgegenwärtig. In der bevorstehenden Hochsaison erstickt die Küste am Verkehr. Doch es soll weitergebaut werden. Der noch unberührte Strand in Buljarica ist ins Visier von Bauherren geraten. Auf der Halbinsel Lustica bei Tivat läuft ein neues Superprojekt. Ein jetzt diskutierter neuer Raumordnungsplan unterstütze weiter das skandalöse Bauen, statt die alten Sünden zu heilen, kritisiert der Verband der Bürgerinitiativen (MANS). Der Plan müsse zurückgezogen werden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: