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Europrofiteur Deutschland:Schön gerechnet

Viel Geld soll Deutschland zur Rettung des Euro investieren - die Bürger sind entsetzt. Doch zahlt die Republik nur, oder hat sie auch etwas davon? Die staatseigene KfW-Bank hat eilends nachgerechnet und präsentiert nun passende Zahlen.

Hans von der Hagen und Frederik Obermaier

Es gibt eine originelle Seite im Internet: "Mythen über die Europäische Union" heißt es dort - zusammengestellt von der EU höchstselbst: Da geht es um krumme Gurken, überzogene Gehälter der Brüsseler Beamten, absurde Privilegien und natürlich um "das beliebte Vorurteil", Deutschland sei "Zahlmeister der EU", die Republik würde "nur draufzahlen".

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Rückendeckung für den Euro: Die Staatsbank KfW hat errechnet, dass die Gemeinschaftswährung Deutschland jährlich bis zu 30 Milliarden Euro Wohlstandsgewinn bringt.

(Foto: dpa)

Das stimme so nicht, rechnet die Behörde mit einem einfachen Saldo vor: Im Jahr 2008 habe Deutschland netto lediglich 6,5 Milliarden Euro nach Brüssel überwiesen. Diese Zahl verrate aber nicht, dass keine andere europäische Volkswirtschaft so sehr vom EU-Binnenmarkt profitieren würde wie die deutsche. Immerhin, heißt es dann weiter, gingen ja fast zwei Drittel der deutschen Ausfuhren in EU-Länder.

Inwieweit Deutschland dabei aber vom Euro profitierte, vermag auch Brüssel nicht in Zahlen auszudrücken, sondern argumentiert lediglich deskriptiv. Tapfer wird behauptet: "Die Bundesrepublik als bloßer 'Zahlmeister der EU?' Von wegen!"

Besser als die Mark

Nun hat sich die staatseigene KfW-Bank an diesem Problem abgearbeitet. Jetzt, wo die Diskussionen über die Rettung des Euro in konkrete Hilfszusagen umgemünzt werden müssen, will sie den Deutschen auch mal sagen, wie toll der Euro ist. Speziell für ihr Land.

Und die KfW, die nach einer verhängnisvollen Millionenüberweisung an die bereits insolvente Investmentbank Lehman im Jahr 2008 noch immer schwer an dem Beinamen "Deutschlands dümmste Bank" trägt, hat eine Zahl parat: Der Euro verschaffe der Republik jährlich einen Wohlstandsgewinn von bis zu 30 Milliarden Euro. In den vergangenen zwei Jahren habe die Mitgliedschaft in der Währungsunion der deutschen Volkswirtschaft somit 50 bis 60 Milliarden Euro beschert, sagte der Chefvolkswirt der Bank, Norbert Irsch, der Frankfurter Rundschau. "Um diesen Betrag wäre die wirtschaftliche Leistung weniger gestiegen, wenn wir die D-Mark gehabt hätten."

Warum ist das so? Die KfW hat die wirtschaftliche Entwicklung mit und ohne den Euro durchgerechnet. Die Exportwirtschaft profitiere von dem Umstand, dass der Euro weniger stark aufwerte als es die Mark tun würde - mithin deutsche Produkte im Ausland billiger seien. Zudem wären die Zinsen in den vergangenen beiden Jahren höher gewesen, hätte sie noch die Bundesbank allein mit Blick auf die deutsche Situation festgelegt.

Selbst unter Berücksichtigung der Kosten für die Rettungsmaßnahmen für die überschuldeten Euro-Mitgliedsstaaten sei die Währungsunion von Vorteil, sagte der KfW-Chefvolkswirt - und betonte: "Die Euro-Rettung lohnt sich, nicht nur für Deutschland, sondern für jedes einzelne Mitgliedsland der Euro-Zone."

Der Bundestag debattiert an diesem Donnerstag erstmals über die geplante Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF. Die deutschen Bürgschaften sollen von bislang 123 Milliarden Euro auf 211 Milliarden Euro erhöht werden. Die Abstimmung ist für den 29. September geplant. SPD und Grüne haben bereits ihre Zustimmung angekündigt. Unklar ist bislang, ob die Koalition auf die Mehrheit ihrer Sitze im Bundestag - die sogenannte Kanzlermehrheit - bauen kann. Die würde signalisieren, dass Kanzlerin Merkel auch in den eigenen Reihen ausreichend Unterstützung hat. Die süffigen Berechnungen der KfW könnten den Abgeordenten da den rechten Weg weisen.

© sueddeutsche.de/jab/luk
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