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Mietersuche:Immer erst mal kennenlernen

Trotz Wohnungsnot: Jeden Tag ziehen Tausende Menschen um.

(Foto: imago stock&people)

Der Wohnungsbaukonzern Vonovia hat Mieter aus 170 Nationen - ausgesucht nach einem eigenen Verfahren.

In Zeiten der Wohnungsnot werden viele Vermieter mit Anfragen überschwemmt. So auch Vonovia, mit knapp 357 700 Wohnungen das größte Wohnungsunternehmen in Deutschland. Pro Woche melden sich hier um die 12 000 Mietinteressenten, im vergangenen Jahr hat Vonovia etwa 32 000 Mietverträge abgeschlossen. Dabei wurden auch jede Mange Daten erhoben, zum Beispiel zu Alter, Familienstand, Beruf, Einkommen und Nationalität. Deshalb weiß der Großvermieter viel über seine Vertragspartner, zum Beispiel, dass etwa 16 Prozent seiner neuen Bewohner Transfereinkommen vom Staat beziehen, fünf Prozent Rente oder Pension bekommen, 44 Prozent ein verfügbares Einkommen zwischen 1251 und 2500 Euro haben und 66 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft.

Wer bei Vonovia einen Mietvertrag bekommt, entscheidet sich trotz der hohen Anzahl an Interessenten nach einem persönlichen Treffen. "Die Besichtigungen vor Ort finden mit nur wenigen Menschen gleichzeitig statt. "Uns geht es darum, die Interessenten kennenzulernen, das geht nicht, wenn gleichzeitig 30 Leute vor der Tür stehen", sagt Nina Henckel, Leiterin Unternehmenskommunikation des Konzerns.

Vonovia verlangt von Wohnungsinteressenten keine Vorlage einer Schufa-Auskunft, sondern holt vor Vertragsunterschrift selbst eine Bonitätsauskunft ein - vorausgesetzt, der Interessent unterschreibt bei der Besichtigung eine entsprechende Einverständniserklärung. "Die Bonitätsauskunft gibt uns die Gewissheit, dass unsere Mieter ihre Miete langfristig zahlen können", sagt Henckel.

Das Vorgehen hat für potenzielle Mieter auch einen Vorteil - während die private Wirtschaftsauskunftei Schufa für eine schriftliche Bonitätsauskunft 29,95 Euro verlangt, kostet sie bei Vonovia nichts. Ebenso wenig bekommt das Unternehmen eine Vermittlungsprovision, denn als Immobilieneigentümer und -verwalter darf das Unternehmen keine verlangen. Darüber klärt Vonovia potenzielle Mieter in unterschiedlichen Sprachen auf.

Von der finanziellen Situation abgesehen, spielt für den Wohnungskonzern auch eine Rolle, ob die Interessenten zur Nachbarschaft passen. Man sucht also Mieter, die gut in die vorhandene Struktur passen. Die Quartiere beherbergten Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, erläutert die Sprecherin. "170 Nationen sind bei uns zu Hause. Diese Mischung wollen wir gerne fördern, egal, ob in kultureller oder sozialer Hinsicht oder vom Alter her. Die Entscheidung, welche Mieter gut in den jeweiligen Bestand passen, liegt bei unseren Kollegen vor Ort. Sie kennen die Bestände am besten."

Für das vergangene Jahr hat Vonovia eine "branchenübliche" Fluktuationsquote von 9,7 Prozent ermittelt. Die auch Umzugsquote genannte Zahl gibt das Verhältnis der Kündigungen zur Gesamtzahl der Wohnungen an. Weil es für Mieter hierzulande immer schwieriger wird, eine günstige Wohnung zu finden, sinkt die Zahl der Umzüge. Bundesweit zogen 2017 im Durchschnitt 8,8 Prozent der Bewohner um, nach Angaben der Deutschen Post wechseln pro Tag mehr als 22 000 Menschen die Wohnung. Wer das bei Vonovia vorhat, aber im angestammten Quartier bleiben will, kann versuchen, seine Wohnung zu tauschen. Das Konzept wird schon seit einiger Zeit angeboten und komme bei Mietern gut an, sagt Henckel. Gerade kleinere Wohnungen würden von älteren, alleinstehenden Menschen nachgefragt. Das hat für alle Vorteile: Senioren kommen in diesen Wohnungen besser zurecht, junge Familien haben mehr Platz. Der Vermieter spart Zeit und Geld, denn er braucht nicht nach Interessenten zu suchen. Und die Daten hat er schon.

© SZ vom 30.11.2019

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