Mieter-Mobbing in München Tödliche Entmietung?

Eine Mieterin musste sterben, offenbar, weil der Eigentümer das Anwesen entmieten will. Nach dem Tod der 46-jährigen Frau ermittelt die Kripo wegen fahrlässiger Tötung: Bauarbeiter sollen einen Kamin abgerissen haben, so dass das Gas eines Durchlauferhitzers nicht abziehen konnte.

Von Von Bernd Kastner

Eine Mieterin in der Geyerstraße 22 musste sterben, offenbar, weil der Eigentümer das Anwesen entmieten will. Nach dem Tod der 46-jährigen Frau (SZ berichtete) ermittelt die Kripo wegen fahrlässiger Tötung: Bauarbeiter sollen einen Kamin abgerissen haben, so dass das Gas eines Durchlauferhitzers nicht abziehen konnte. Stimmt dies, ist es der erste bekannt gewordene Entmietungsfall in München mit tödlichem Ausgang.

Drei Muster von Mieter-Mobbing

Die bisherigen Fälle von Mieter-Mobbing lassen drei immer wiederkehrende Muster erkennen.

Selbstzjustiz: Der Vermieter dringt in eine Wohnung ein und räumt sie - ohne Gerichtstitel. Wie im vergangenen Jahr, als einem alten Ehepaar in Abwesenheit nicht nur alles Hab und Gut entsorgt, sondern die Wohnungstür zumauert wurde.

Juristische Zermürbungstaktik: Mancher Vermieter bombardiert unliebsame Bewohner mit grotesken Abmahnungen, fristlosen Kündigungen und Räumungsklagen. Solche Prozesse dauern Jahre, die meisten Mieter ziehen irgendwann entnervt aus.

Vertreibung durch Sanierung - die häufigste Methode: Auf jeder Baustelle gibt es Lärm und Dreck. Doch wenn sich die "Pannen" häufen, immer wieder Wasser in die Wohnungen läuft, Strom führende Elektrokabel ungeschützt herumhängen, Löcher in die Wände gebrochen werden oder Einsturzgefahr besteht - dann dürfte Entmietung das Ziel sein. Meist, weil die alten Bewohner eine geringe Miete zahlen und Neuvermietung oder Verkauf viel Geld bringen würde. Häufig geht es auch um neu auszubauende Dachwohnungen, die zu Spitzenpreisen verkauft werden sollen. Dabei sind oft Kamine im Weg - wie in der Geyerstraße.

Wenig Hilfe von Justiz und Polizei

Mietervertreter kritisieren auch Justiz und Polizei: Die täten zu wenig gegen die Machenschaften der schwarzen Schafe unter den Vermietern. Die Vertreter der Staatsmacht weisen den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Ohne konkreten Anfangsverdacht könne man keine Ermittlungen gegen einen Vermieter einleiten, sagen die Staatsanwälte.

Auch am Mietgericht hebt man abwehrend die Hände: Man müsse jede Räumungsklage eines Vermieters verhandeln, auch wenn er den Ruf eines Entmieters habe. Insofern könne man die juristische Zermürbungstaktik eines Vermieters nicht unterbinden. Und aus dem Innenministerium heißt es: Die Polizei könne vor Ort nicht entscheiden, ob Mieter oder Vermieter im Recht ist. Ein Polizist dürfe nicht Richter spielen.

Und die Stadt, kontrolliert die Baustellen wie in der Geyerstraße nicht? Verantwortlich seien die ausführenden Firmen und der Eigentümer; die Lokalbaukommission prüfe Baustellen nicht routinemäßig, nur bei konkreten Beschwerden. Jetzt werde man selbstverständlich dort nachschauen, ob weitere Gefahren lauern. So wie nun auch Justiz und Polizei prüfen, ob sich ein Vermieter der tödlichen Entmietung schuldig gemacht hat.