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Mieter-Apps:Der bessere Draht zum Vermieter

Mietverträge, Dokumente, Kostenabrechnung, alles geht heute auch digital. Das kann für beide Seiten nützlich sein.

Mietverträge, Betriebskostenabrechnung, Dokumente, alles geht heute auch digital. Mieter-Apps verbessern die Kommunikation und machen Arbeitsabläufe effizienter, lauten die Werbeversprechen, aber stimmt das? Das Beratungsunternehmen Deloitte wollte es wissen und hat die Effizienzpotenziale von Mieter-Apps für die Wohnungswirtschaft mithilfe von Allthings, einem Spin-off der ETH Zürich, analysiert. Das Ergebnis vorweg: Das Einsparpotenzial ist demnach groß.

Ausgewertet wurden die in der Mieter-App-Funktion "Service Center" kommunizierten Themen. Die Mieter nutzten ihr digitales Service-Center vor allem für Schadensmeldungen. Ein Unternehmen mit 30 000 Wohnungen hat laut Deloitte etwa 25 000 Schadensfälle im Jahr. Die Anzahl der Schadensmeldungen sei aber erfahrungsgemäß eineinhalb mal so groß: "Das heißt, ein Mitarbeiter des Unternehmens (oder ein von ihm Beauftragter) müsste 37 500-mal einen Schaden begutachten beziehungsweise die Sachlage beurteilen sowie im berechtigten Fall beheben. Fast jeder Mieter und jeder Vermieter kennt die Fülle von Ärgernissen, die allein in diesem simplen Vorgang stecken können."

Termine abstimmen, die Abnahme nach der Reparatur - alles könnte digital laufen, und viel schneller

Die Bearbeitung des Schadenfalls ohne Handwerkerkopplung, also ohne Online-Abwicklung von Reparaturaufträgen, dauere etwa 150 Minuten, mit Handwerkerkopplung 90 Minuten. Melde der Mieter den Schaden per Mieter-App und übermittle zwei aussagekräftige Fotos, werde dies in einem automatisierten Prozess an einen Mitarbeiter(-pool) zur Schadenseinstufung weitergeleitet. Je nach Ergebnis müsse der Schaden dann in der Wohnung vom Hausmeister besichtigt oder ein Handwerker direkt mit der Schadensbehebung beauftragt werden. Terminabstimmung mit dem Mieter und Abnahme nach der Reparatur könnten digital laufen - insgesamt verkürze sich der Prozess so auf durchschnittlich 30 Minuten. Gehe man von der durchschnittlichen Smartphone-Nutzung in Deutschland aus, könnten etwa 80 Prozent der Schadenfälle - sei es die Störung eines Aufzugs, der Heizung, Vandalismus oder die Überschwemmung im Keller - per Mieter-App gemeldet werden.

Die Auswertung von Allthings zeige, dass über die Mieter-App eine Vielzahl weiterer Anliegen kommuniziert werde. Mieter-Vermieter-Themen wie Betriebskostenabrechnung, Kündigung oder Neuvermietung bei Bestandsmietern würden in der Praxis erprobt.

Fakt sei: Die Veränderungen im Kommunikationsverhalten der Gesellschaft und insbesondere der Mieter erforderten von den Wohnungsunternehmen eine in sich schlüssige Reaktion. Die Einführung einer Mieter-App könne der Startpunkt einer digitalen Transformation im Wohnungsunternehmen sein und die Akzeptanz für weitere digitale Projekte erhöhen.

© SZ vom 17.11.2017
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