Michael Schindhelm "Dubai ist wie ein riesiges Transithotel"

SZ: Wie armselig.

Schindhelm: Ja. Dabei ist die beduinische Kultur sehr offen und gastfreundlich, gerade die Alltagskultur. Wenn ein Fremder vor dem Haus steht, lässt man ihn einfach drei Tage lang bei sich wohnen, ohne zu fragen, woher er kommt.

SZ: Wie kamen Sie als moderner Nomade in Dubai zurecht?

Schindhelm: Es war gewöhnungsbedürftig. Das Konzept Dubai ist ja darauf aufgebaut, dass die Stadt den modernen Nomaden für drei Jahre einlädt, hier zu sein, um sein Glück zu versuchen. Nach drei Jahren erlischt sein Aufenthaltsrecht, oder er muss es erneuern. Das ist der Deal. So kann keine Bindung an die Stadt entstehen. Dubai ist wie ein riesiges Transithotel.

SZ: Wie haben Sie gelebt?

Schindhelm: Ach, sehr schön. Mein Apartment lag 280 Meter hoch. Wenn ich durch die Fensterfront schaute, sah ich die Türme von Dubai, direkt vor mir den Emirates Tower, dann die Sheik Zayed Road, an deren Ende das höchste Gebäude der Welt entstanden ist, dann das Burj al-Arab, das wahrscheinlich teuerste Hotel der Welt. Im Hintergrund sah ich den Golf und die Wüste.

SZ: War es ein wirklich schönes Leben?

Schindhelm: Schön ist zu viel gesagt. Da draußen ist Globalisierung eine heftige Sache, irgendwie auf Gedeih und Verderb. Es war aufregend, eine entgrenzte Baustelle.

SZ: Warum haben Sie Dubai letztlich den Rücken gekehrt?

Schindhelm: Irgendwann wusste ich als Vertreter der Regierung Dubais nicht mehr, wer mein Ansprechpartner ist. Ich bin verloren gewesen im Labyrinth der Entscheidungsträger. Und dann gab es natürlich noch die Gefahr, dass ich etwas vertreten muss, das ich nicht verantworten kann.

SZ: Was denn?

Schindhelm: Ich habe mich zunehmend unwohl gefühlt. Ich sollte dabei helfen, ein Opernhaus und mehrere Museen aufzubauen, eine öffentliche Kulturbehörde. Alles war so weit klar, wir hatten sogar das Dekret des Scheichs. Als es dann konkret wurde, hatte plötzlich keiner mehr die Verantwortung.

SZ: Wie reagierte der Scheich?

Schindhelm: Den habe ich irgendwann nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Das Buch: Michael Schindhelm, "Dubai Speed - Eine Erfahrung", Deutscher Taschenbuch Verlag, 256 Seiten, 16,90 Euro.