Messestadt Riem:An der Realität vorbeigeplant

Zahnlose Mähroboter

Die Stadt wollte sich das schöne Dauergrün auf dem geneigten Dach des Park-and-Ride-Hauses, obzwar richtig leuchtend nur im Luftbild zu bewundern, etwas kosten lassen: 6325 Euro Unterhaltsaufwand hätte sie pro Jahr in Kauf genommen. Herausgestellt hat sich jedoch, dass die Pflege dieses schrägen Rasens den Haushalt mit 40000 bis 50000 Euro belastet.

Kleine, sich selbst aufladende Mäh-Roboter sollten die Halme mustergültig auf einer Höhe von zwei Zentimetern halten. Die Praxis zeigte: Bei Regen kommt eine solche Maschine aus dem Takt. Aber genau dann wächst das Gras schneller. Ab vier Zentimetern Höhe greifen die kleinen Mäher gar nicht mehr. Die automatische Bewässerung aber läuft weiter, die Halme werden robuster, die Mäher beißen sich endgültig die Zähne aus: Bis zu einem Meter hoch stand im Herbst das Unkraut.

Zu allem Unglück war eine der kleinen Maschinen gestohlen worden. Man musste Stacheldraht anbringen. Der schützte immerhin die Männer, die mit Sensen aufs früher aus ästhetischen Gründen geländerlose Dach mussten.

Auch die Bewässerung hatte Tücken: Man brauchte eine Brunnenanlage und zwei Hochleistungspumpen mit sehr viel Druck. Zu viel bei Wind: Dann wurden schon mal die Kunden nass. Außerdem schwemmte das Gießwasser einen Teil der Düngung weg. Nichts als Ärger also. Und richtig peinlich das Ganze. Der Stadtrat forderte Schadensbegrenzung.

Der neue Plan: Das Gras einfach verdorren lassen

Wolfgang Großmann von der P&R-Gesellschaft schrieb den Umbau des Daches zu "extensivem" Grün aus. So lautet der Fachausdruck dafür, wenn man die Natur ohne große Eingriffe einfach machen lässt. Von 30 Firmen haben zehn gleich abgewunken. Der Rest wird ausgewertet. Am besten gefällt Großmann das Konzept, das Gras verdorren zu lassen und darauf robusteres zu säen.

Die simple Idee werde nun geprüft. Zuerst aber muss die Rechtsabteilung des Kreisverwaltungsreferats noch klären, wie das ist mit dem Urheberrecht des Landschaftsarchitekten. In diesem Sommer jedenfalls hat man den Pflegeaufwand schon mal runtergefahren. Allerdings nicht zu sehr: "Wir durften ja keine vollendeten Tatsachen schaffen..."

© SZ vom 14.09.2006
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