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Luxuswohnungen:Achtung, Überangebot!

Mit besseren finanziellen Möglichkeiten wächst bei vielen Menschen die Bereitschaft, mehr Geld fürs Wohnen auszugeben. Möglichkeiten dazu bieten vor allem der Luxusbereich, aber auch Wohnungen der gehobenen Mittelklasse.

Altbau-Lofts, moderne Penthouse-Wohnungen, gründerzeitliche Stadtvillen - die Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen wird künftig deutlich steigen. Ein Hauptgrund ist die zunehmende Einkommensspreizung der Haushalte in Deutschland. Auch die Vermögensverhältnisse gehen immer weiter auseinander: Bereits heute halten die oberen zehn Prozent der deutschen Bevölkerung deutlich mehr als 50 Prozent des bundesweiten Gesamtvermögens, die unteren 50 Prozent der Bevölkerung dagegen nur zwei Prozent. Mit den finanziellen Möglichkeiten wächst bei vielen auch die Bereitschaft, die Wohnsituation zu verbessern. Möglichkeiten dazu bieten vor allem der Luxusbereich, aber auch Wohnungen der gehobenen Mittelklasse.

Luxuswohnung

Wohnen im Loft ist in erster Linie eine Frage des Geldes.

(Foto: Foto: istock)

Keine Garantie

Im Spitzensegment sind neben einer attraktiven Lage vor allem auch die Architektur, die Raumaufteilung und die Ausstattung für den Erfolg bei der in der Regel anspruchsvollen Klientel entscheidend. Ein Beispiel ist das Projekt "Am Klostergarten St. Anna" im Münchner Stadtteil Lehel. Für Klaus Kirchberger von der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe spielt die zentrale Lage und die Nähe zur Altstadt eine wichtige Rolle für das Projekt. Vor allem aber biete ein Klosterkomplex die Voraussetzungen für eine ruhige Wohnsituation inmitten der Stadt.

Konzepte und Ideen für Top-Objekte, die in München aufgehen, müssen an anderen Standorten jedoch nicht zwangsläufig ebenso gut funktionieren. In Berlin beispielsweise beobachtet Roman Döbele, Vorstandsvorsitzender der Grüezi Real Estate AG, ein Überangebot an Luxuswohnungen. Deshalb seien sogar bereits verschiedene Luxusprojekte auf Eis gelegt worden. Wer in Berlin jedoch nicht im Top-Segment, sondern in der gehobenen Mittelklasse eine gut sanierte Altbauwohnung in zentraler Lage im oberen Preissegment suche, treffe auf ein sehr beschränktes Angebot. Gegenwärtig seien beispielsweise in guten Berliner Lagen hochwertige Wohnungen mit Quadratmeterpreisen bis etwa 3000 Euro relativ leicht zu vermarkten. "Eine Folge der hohen Nachfrage und des geringen Angebots", sagt Döbele.

Ähnliche Quadratmeterpreise erzielen auch die Wohnungen im Mainzer Pont du Clair. Die umgebaute ehemalige Kaserne ist ebenfalls im gehobenen Segment, aber noch unterhalb des Luxusbereichs einzuordnen. "Die Nachfrage nach Wohnungen im gehobenen Preissegment zieht stetig an", beobachtet Florian Lanz, Geschäftsführer der Berner Group, die das Projekt entwickelt hat. Wichtig seien für Interessenten vor allem eine zentrale und zugleich ruhige Lage, aber auch die Architektur. "Die Fassade ist durchgehend über alle Stockwerke geöffnet, die Eingangsbereiche haben vorgesetzte gläserne Atrien und einen Panoramaaufzug", beschreibt Lanz das Pont du Clair-Projekt. Auf dem ehemaligen Kasernengelände entstehen insgesamt 220 Wohnungen. Die denkmalgeschützten Wohnungen bieten zudem den Vorteil einer erhöhten Abschreibung für Kapitalanleger. "Auch Selbstnutzer können einen hohen Teil der Sanierungskosten absetzen", sagt Lanz.

Investoren nutzen Chancen

Ursachen für das große Wohnungsangebot im gehobenen und im Luxussegment sind nach Einschätzung von Udo Scheffel, Vorstandsvorsitzender der GBW Gruppe in München, die größeren wirtschaftlichen Chancen für die Investoren. "Für Projektentwickler ist der Bau von Luxusimmobilien deutlich lukrativer als der von Wohnungen, die für viele bezahlbar sind", so Scheffel. Er befürchtet daher, dass der Mietwohnungsbau für die breite Mittelschicht vernachlässigt wird: "Besonders Familien, die Wohnungen mit mindestens vier Zimmern suchen, werden in Ballungsräumen zunehmend Schwierigkeiten haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden."

Dieses Phänomen könnte sich künftig in vielen Regionen noch verstärken. Denn einer Studie der HSH Real Estate zufolge wird aufgrund der Binnenwanderung die Nachfrage nach Wohnungen vor allem in den süddeutschen Ländern und in den Stadtstaaten deutlich steigen.