Luxuslabel Loft:Wohnen im XXL-Format

Von der preiswerten Industriehalle zur neugebauten Großraumwohnung: Lofts bieten mittlerweile mehr teuren Luxus als improvosierte Industrieromantik.

Oliver Herwig

Lofts liegen im Trend. So sehr, dass sogar neue gebaut werden, zum Beispiel in München: Fünf Meter hoch sind die Steidle Lofts in den Lenbachgärten, bis zu 330 Quadratmeter groß die Arrangements in den geplanten Isarlofts samt eigenem Lichthof.

Luxuslabel Loft: Licht von allen Seiten: ein Entwurf für ein Haus in den Lenbachgärten.

Licht von allen Seiten: ein Entwurf für ein Haus in den Lenbachgärten.

(Foto: Abb.: Steidle Architekten)

Immer mehr Großraumwohnungen drängen auf den Markt. Andererseits springen immer mehr Anbieter auf den fahrenden Zug. Sie versprechen sich vom Label Loft Gewinn. Ist ihre Wohnung nicht 2,40 Meter hoch, sondern 2,50 Meter, gilt sie bereits als Loft. Jedes Dachgeschoss beherbergt plötzlich ein potenzielles Loft, jedes Penthouse sowieso.

Erst elende Künstlerschuppen, dann Statussymbol für Yuppies

Wie sich die Zeiten doch ändern. Lofts, das waren früher elende, kaum sanierte Schuppen, billige Behausungen für Künstler und soziale Randgruppen, in den achtziger Jahren Statussymbol der Yuppies, die einen Drink mit Blick auf Manhattan schlürften, heute verbirgt sich hinter dem Begriff die schwammige Bezeichnung für große Wohnungen.

Was ist überhaupt ein Loft? Ein ,,schönes, helles, modernes Dachgeschoss-Appartement im vierten Obergeschoss eines sanierten Altbaus'' mit 70 Quadratmetern, wie es eine Anzeige verspricht? Sven-Thorsten Stiller, Geschäftsführer des Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter e.V., erklärt, dass es keine rechtliche Definition gebe und ,,Lofts sehr wohl im Trend liegen.'' Muck Petzet, Münchner Architekt, weiß es genauer: ,,Ein großer, ungeteilter Raum mit eingestellten Körpern.''

Zwei Zimmer auf 250 Quadratmetern

Petzet hat zusammen mit seinem Kollegen Josef Peter Meier-Scupin solche ,,Räume mit Körpern'' geschaffen. Mitten in Sendling, in einer ehemaligen Schaltzentrale der Post. Wo einst die Fräulein vom Amt stöpselten, leben nun Mieter in fließenden Raumschöpfungen.

Der Aufwand dafür war enorm: Im Rückgebäude mussten die Architekten sogar die Richtung des Tragwerks drehen, um durchgesteckte Wohnungen von 250 Quadratmetern zu erhalten. Zwei Zimmer, mehr nicht. Spätere Unterteilung möglich. ,,Die Sehnsucht nach Lofts ist groß'', glaubt Petzet, und mit ihnen gehe ,,die Orientierung nach Amerika'' einher. Loft heißt Luxus. Und die Ansprüche steigen. Wenn es um ,,großzügige und ausgefallene Wohnlösungen'' geht, wie einige Anbieter werben, geht nichts über XXL.

Loft ist im Grunde keine Bezeichnung für Immobilien, sondern für einen Zustand, einen Geisteszustand: offen, abgehoben, über den Dingen stehend. Die Größe der Wohnung zeigt die Größe ihrer Besitzer. Sie leben das, was sich der Durchschnitt nicht mehr leisten kann: 300 Quadratmeter Raum mit Kücheninsel, Badbox und vielleicht einem abgetrennten Schlafzimmer.

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