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Lone Star: IKB-Verkauf:"Die Bank ist gesäubert"

Der Finanzinvestor Lone Star hat die Mittelstandsbank IKB fast geschenkt bekommen. Jetzt will er das Institut loswerden - und lobt es in den höchsten Tönen. Dummerweise macht die IKB noch Verluste.

Als die Finanzkrise nach Deutschland kam, hieß sie zunächst IKB-Krise: Ausgerechnet dieser biedere Mittelstandsfinanzierer geriet schon im Juli 2007 in eine existenzbedrohende Schieflage. Eilends wurden 3,5 Milliarden Euro in das Institut gepumpt, von denen 70 Prozent die staatliche KfW trug und 30 Prozent die Bankbranche. Institutschef Ortseifen wurde gefeuert und später angeklagt.

Finanzinvestor Lone Star will IKB verkaufen

Lone-Star-Europa-Chef Scherrer sagt: "Jeder, der von der rasanten Erholung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands profitieren will, hat hier eine großartige Möglichkeit."

(Foto: dpa)

Seit 2001 war die KfW an dem Institut beteiligt, 2008 verkaufte sie ihre Anteile - sie hielt mittlerweile mehr als 90 Prozent an der Bank - an den US-Investor Lone Star, angeblich für nur 100 bis 150 Millionen Euro. Ursprünglich war ein Vielfaches erwartet worden.

Jetzt will Lone Star die IKB wieder loswerden, noch im November soll das Institut möglichen Interessenten präsentiert werden, sagte Bruno Scherrer, Europa-Chef von Lone Star, dem Handelsblatt. "Die Bank ist gesäubert und jetzt attraktiv für einen neuen, strategischen Partner", sagte Scherrer - und feiert sein Institut: Der Zeitpunkt für einen Verkauf sei gerade richtig. "Jeder, der von der rasanten Erholung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands profitieren will, hat hier eine großartige Möglichkeit."

135 Millionen Euro an Verlusten

Als möglichen Käufer macht er eine Bank aus, aber auch eine Transaktion mit der Beteiligung von Finanzinvestoren oder Staatsfonds sei möglich. Neue Hilfen vom Staat braucht die Düsseldorfer Bank nach Einschätzung des Managers nicht. "Die IKB wird in drei, womöglich auch schon in zwei Jahren substanzielle Gewinne erwirtschaften, wobei die Gewinnzone bereits früher erreicht wird", sagte Scherrer.

Er sei sicher, dass sich die Bank auch wieder refinanzieren könne. Für das Geschäftsjahr 2009/10 (per Ende März) hatte die IKB noch ein Minus von fast einer Milliarde Euro ausweisen müssen, im ersten Quartal war ein Fehlbetrag von 135 Millionen Euro angefallen.

Ob sich der Einstieg bei der IKB im Rückblick für Lone Star gelohnt haben wird, hängt vom Verkaufspreis ab. Da aber bei der Übernahme die KfW viele risikobehaftete Wertpapiere übernommen hatte und der Einsatz von Lone Star gering war, dürfte es den Amerikanern nicht schwer fallen, auch aus der IKB noch ein gutes Geschäft zu machen.

© sueddeutsche.de/Reuters/hgn/mel
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