bedeckt München 21°
vgwortpixel

Lesestoff:Lichtblicke im Schwarzwald

Cover Bauart

Bauart: Leben und Architektur im Schwarzwald 2017/2018, Herausgeberinnen Claudia Karrer und Ulrike Amann, Laible Verlagsprojekte, Allensbach, 192 Seiten, 8,40 Euro plus Versand, ISBN 978-3-944549-14-9

Architektur ist ein Faktor des Standortmarketings geworden, und das ist auch zwischen Pforzheim und der Schweizer Grenze so. Das neue Magazin Bauart widmet sich der Schnittstelle von Leben und Architektur in dieser Region.

Lichtblicke im Schwarzwald. Tourismusexperten schwärmen vom Bilbao-Effekt: Ein unbekanntes Stück Erde wird schlagartig zum Reiseziel - durch einen spektakulären Bau. Daneben gibt es aber auch den Vorarlberg-Effekt: Gut ausgebildetes Bauhandwerk, lokale Traditionen und ambitionierte Planer auf der Baustelle treffen auf ebenso ambitionierte Architekten in den Genehmigungsbehörden. Stück für Stück entsteht so modernes Bauen, kein Haus für sich wirklich sensationell, aber jedes überdurchschnittlich gut, so dass in der Summe eine neue Baukultur entsteht. Dieser Effekt wurde bald von anderen Bundesländern Österreichs für sich reklamiert und schließlich auch von deutschen Regionen - etwa der Oberpfalz.

Architektur ist ein Faktor des Standortmarketings geworden, und so wundert es nicht, dass der Vorarlberg-Effekt nun auch im Schwarzwald angekommen ist. Das Magazin "Bauart" widmet sich der Schnittstelle von "Leben und Architektur" und zeigt auf 191 Seiten, was in den vergangenen Jahren entstanden ist zwischen Pforzheim und der Schweizer Grenze: intelligente Um- und Ausbauten traditioneller Häuser, minimalistische Kisten in Schwarz vor gar nicht so dunklem Tann, Genossenschaftsbauten in Freiburg mit großzügigen Balkonen und ein terrassenförmig angelegtes Spitzen-Weingut, das Teil der badischen Landschaft wird.

Rund zwei Dutzend Projekte stellt "Bauart" vor. Dazu kommt eine unvermeidliche Auseinandersetzung mit Schwarzwaldtraditionen (Uhren und Bollenhüte): Klischees, die hier gegen den Strich gebürstet wurden sowie eine eingestreute Kunst-Strecke. Unnötig.

Nicht alle Häuser und Fotos überzeugen bis ins letzte Detail - aber geht es darum wirklich? Die ambitionierte Dokumentation zeigt, dass die Revolution im Bauen nicht allein von Mega-Leuchtturmprojekten ausgehen muss, sondern getragen wird von vielen privaten Bauherren, die bereit sind, sich auf ein Stück moderne Architektur einzulassen. Insofern macht das nun jährlich erscheinende Magazin "Bauart" Mut.