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Leitwährung:Der große Geld-Krieg

Und doch ist der Dollar als Weltwährung angezählt. Barry Eichengreen, Professor an der University of California in Berkeley, beschreibt dies im Buch "Aufstieg und Fall des Dollar". 100 Jahre lang war die US-Währung das beherrschende Zahlungsmittel der Welt. Nun gehe diese Stellung dem Ende entgegen. Die USA seien angezählt, glaubt Eichengreen, durch den erstaunlichen Aufschwung großer Schwellenländer wie China, Brasilien oder Indien. Diese nehmen den USA zunehmend Anteile am Welthandel ab, damit könnte auch die Bedeutung des Dollar sinken.

PROTESTER BURNS MONEY AT SEATTLE JAILHOUSE

Die Macht des Greenback als Weltwährung ist in Gefahr. Kein Wunder, leben die Vereinigten Staaten doch notorisch über ihre Verhältnisse.

(Foto: REUTERS)

Mit dem Niedergang der großen Wirtschaftsmacht, dürfte auch der Abstieg seiner Währung verbunden sein, fürchten Skeptiker wie Eichengreen. Währenddessen wetzt die aufstrebende Konkurrenz die Messer. Unvergessen dürfte in Washington ein Interview des Wall Street Journal mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jinato sein, der US-Präsident Barack Obama eine Umverteilung der globalen Macht prophezeite. Das Weltwährungssystem mit dem Dollar im Zentrum sei ein "Produkt der Vergangenheit", befand der Chinese.

Die Volksrepublik will langfristig selbst zum Land mit einer globalen Leitwährung aufsteigen. Dann müssten andere Staaten den Yuan als Devise vorrätig halten - statt Dollar oder Euro. Doch die Chinesen werden noch viele Jahre brauchen, um ihre Währung so weit zu internationalisieren, dass sie für Anleger und Notenbanken interessant wird.

Derzeit kann das Volksgeld mit dem Mao-Porträt noch nicht einmal frei in eine andere Währung umgetauscht werden. Um seine Exporte künstlich günstig zu halten, koppelt China den Wechselkurs seiner Währung an den Dollar. Ein Netz von Kapitalverkehrskontrollen schottet das Land weitgehend von den globalen Geldströmen ab. China müsste seine Währung aus diesem Korsett befreien. Und tatsächlich lösen die Politiker die ersten Auflagen. Private Unternehmer dürfen ihr Geld legal im Ausland anlegen, in begrenztem Maße. Hier und da werden im Ausland Geschäfte mit Yuan bezahlt. Hongkong wird zum internationalen Börsenplatz ausgebaut. Es ist ein mühsamer Prozess, der erst am Anfang steht.

Kaum jemand rechnet damit, dass der Yuan den Dollar als Weltwährung bald ersetzen wird. Doch auch der Euro ist keine überzeugende Alternative, wohl aber das Mittel der Wahl für all jene Staaten der Welt, die ihre Abhängigkeit von der US-Währung verringern wollen. Bevor der Euro aber zu einem ebenbürtigen Rivalen des Greenback wird, steht Europa noch vor großen Aufgaben: Es muss seine Schulden in den Griff bekommen und die Wirtschafts- und Haushaltspolitik seiner Mitglieder enger koordinieren.

Wenn also der Dollar seine Aufgabe als stabiles Weltgeld nicht mehr erfüllt, der Euro nur in Maßen gefragt ist wegen seines chronischen Defizits an institutioneller Glaubwürdigkeit und die große Vision einer chinesischen Leitwährung erst in ferner Zukunft zu erreichen ist, dann liegt eine pragmatische Lösung nahe: Die Zentralbanken lösen ihre allzu enge Bindung an den Dollar und schichten um - in Euro (heute), Yuan (morgen) und auch ein wenig in Gold. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits, dass Schwellenländer ihre Edelmetallreserven aufstocken. Auch US-Ökonom Eichengreen sieht für die Zukunft eine Welt, in der es mehrere parallele Währungen geben wird.