Lehman Brothers Donnerstag, 4. September 2008

Donnerstag, 4. September 2008

JP Morgan ist der größte Geldgeber Lehmans. Vertreter beider Banken treffen sich an diesem Donnerstag, um die erwarteten Ergebnisse Lehmans für das dritte Quartal zu diskutieren. Die offiziellen Zahlen sollen erst zwei Wochen später präsentiert werden. Was die Beteiligten noch nicht wissen: Lehman wird nie wieder regulär die Ergebnisse präsentieren.

Vor allem aber geht es an diesem Tag um "SpinCo". Das Wort ist die Chiffre für alles, was schiefgelaufen ist bei Lehman. SpinCo soll die Bad Bank von Lehman werden. Könnte das die Rettung sein? Lehman will Anlagen im Volumen von 32 Milliarden Dollar auslagern. Nur - wer soll das dafür notwendige Geld geben?

Am gleichen Tag ein kurios anmutender Termin: Lehman stellt auch dem Chef der MidAmerican Energy Holdings, David L. Sokol, die SpinCo-Pläne vor. Mit Hintergedanken: MidAmerican gehört mehrheitlich Berkshire Hathaway, der Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett. Dummerweise hatte Lehman es schon einmal vermasselt, Buffett mit ins Boot zu holen, im März 2008. Vielleicht ließe es sich über Sokol noch mal an Buffett herankommen?

Lieber Bären jagen

Ein Engagement von Buffett bedeutet vielen Investoren mehr als jedes Gütesiegel einer Ratingagentur. Bei den Gesprächen im Frühjahr war Buffett war plötzlich misstrauisch geworden. Er wollte sich nur dann bei Lehman engagieren, wenn die Führungsspitze der Bank auch Geld in die Hand nahm und eigene Aktien kaufte. Doch das wollten die Lehman-Manager nicht. Als Fuld dann auch noch über die Leerverkäufer an der Börse herzog - die mit ihren Geschäften hässliche Kursstürze verursachen können - erkannte Buffet darin nur die Unfähigkeit von Fuld, sich die Probleme einzugestehen. Pikanterweise war es im Frühjahr allerdings noch Lehman, die den Deal zuerst absagten. Ihnen war Buffetts ursprüngliches Angebot zu teuer.

Jetzt im September ging es nur noch ums nackte Überleben. Buffett soll von Sokol sogar noch in groben Zügen informiert worden sein. Die Strategie der Lehmänner schien aufzugehen. Doch Buffett wusste: SpinCo würde die Probleme nicht lösen.

Später in der Woche wurde Sokol nochmals angerufen und gefragt: "Fällt dir noch irgendetwas ein, wie wir uns retten könnten?" Doch Sokol hatte keine Idee mehr. Er war sowieso gerade auf Bärenjagd in Alaska.

Die Lehman-Aktie verliert gut zehn Prozent auf 15,17 Dollar.