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Lebensmittel-Lügen:Tricks und Finten im Supermarkt

Deutscher Käse unter griechischer Flagge, Kalbsleberwurst vom Schwein oder Sylter Spezialitäten aus Hamburg: Lebensmittelhersteller greifen tief in die Trickkiste, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Wo Kunden an der Nase herumgeführt werden und wie sie sich wehren können.

Von Larissa Holzki

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Lebensmittel-Lügen:Namen führen in die Irre

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Quelle: Verbraucherzentrale

Hersteller können sich die Namen ihrer Produkte aussuchen. Hinter Namen wie Twix oder Bounty steckt kein implizites Produktversprechen. Anders ist es beispielsweise bei dem Langnese-Eis "Cremissimo". Schon der Name legt dem Kunden den Geschmack von sahniger Eiscreme auf die Zunge. Dabei wird das Eis aus entrahmter Milch und Pflanzenfett hergestellt.

Tipp: Die Verkehrsbezeichnung informiert, welche Lebensmittel sich hinter dem Produktnamen verbergen. Sie steht meistens direkt über der Zutatenliste. "Cremissimo" heißt dort einfach "Eis mit Schokoladenstückchen (6,5 Prozent) und Schokoladensauce (elf Prozent)".

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Lebensmittel-Lügen:Klingt nach Griechenland, ist aber Käse

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Quelle: Verbraucherzentrale

"Mitakos" - der Name, die griechischen Farben und der Schriftzug "traditionell gereifter Käse" erinnern an den berühmten Schafskäse aus Griechenland. Doch der kommt hier gar nicht in die Tüte. Stattdessen findet der Käufer Käse aus deutscher Kuhmilch in der Verpackung.

Tipp: Wenn keine Tierart in der Zutatenliste angegeben ist, wurde der Käse aus Kuhmilch gewonnen. In der Verkehrsbezeichnung ist jedes Wort wichtig: Frischkäse "mit" Ziegenmilch ist nicht das gleiche wie Frischkäse "aus" Ziegenmilch. Der erste kann erheblich mehr Kuh- als Ziegenmilch enthalten. Wer wissen will, wo seine Lebensmittel herkommen, sollte sich nicht auf die Firmenadresse verlassen. Eventuell wurde das Produkt dort nur verpackt. Gleiches gilt für das ovale Identitätskennzeichen mit Länderkürzel und Betriebsnummer.

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Lebensmittel-Lügen:Kalb mit Ringelschwänzchen

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Quelle: Verbraucherzentrale

Leberwurst, Salami und Pastete: bei diesen Produkten werden die Tiere bis zur Unkenntlichkeit verwurstet. Meistens ist drin, was draufsteht - aber nicht ausschließlich. Die Kalbsleberwurst von Lutz besteht fast zur Hälfte aus Schweinefleisch und zu fast einem Fünftel aus Schweineleber. 20 Prozent der Leberwurst sind tatsächlich vom Kalb, aber nur 5 Prozent sind wirklich Leber.

Tipp: Wildpastete, Geflügelwiener und Lammsalami können mehr Schwein oder Rind als die angegebene Tierart enthalten. Die Anteile stehen in der Verkehrsbezeichnung oder Zutatenliste. Fehlt die Tierart wie bei Bierschinken und Wiener Würstchen, handelt es sich um Schwein oder Rind. Speck ist immer vom Schwein.

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Lebensmittel-Lügen:Regional ist erste Wahl

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Quelle: Verbraucherzentrale

Immer mehr Menschen greifen im Supermarkt nach Lebensmitteln aus der Heimat. Das wissen auch die Unternehmer. Deshalb vertreibt die Firma Coop eine ganze Reihe Produkte unter der Marke "Unser Norden". Bei Produkten wie Orangensaft, Kaffeebohnen und Langkorn-Spitzenreis sollten Kunden aber besser selbst nochmal auf die Landkarte gucken. Nichts Böses ahnen hingegen Nordsee-Fans...

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Lebensmittel-Lügen:Spiel mit Emotionen

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Quelle: Herstellerfoto

... die zum Salat gerne Dressing mit Flusskrebsschwänzen essen. "Sylter Salatfrische" von "Zum Dorfkrug" - das weckt Erinnerungen an die steife Meeresbrise. Tatsächlich ist an der Soße jedoch nicht mal ein Hauch von Nordseeluft vorbeigeweht. Weder die Rezeptur noch die Zutaten kommen von Sylt. Hergestellt wird die Soße in der Nähe von Hamburg.

Tipp: Wenn Ihnen "Region" oder "Heimat" versprochen wird, suchen Sie nach weiteren Informationen. Finden Sie keine Angaben darüber, was unter Region verstanden wird, woher Rohwaren stammen und wo die Produktion erfolgt, sind das vermutlich leere Worte.

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Lebensmittel-Lügen:Natur, natürlich, natural

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Quelle: Verbraucherzentrale

All diese Begriffe haben im Supermarkt wenig mit Blumenwiesen und Buchenwäldern zu tun. Es sind Werbebotschaften, die bei vielen Verbrauchern gut ankommen. Sie klingen nach unbehandeltem Obst und Fruchtmus ohne Geliermittel. Geschwefelte Aprikosen würde der Verbraucher eher nicht damit in Verbindung bringen.

Tipp: Lassen Sie sich durch Werbeaussagen wie "traditionell", "altes Hausrezept", "ohne Zusatzstoffe" und "Natur" nicht einlullen. Rechtlich geregelt ist nur die Öko-Kennzeichnung. Europaweit müssen als "öko" und "bio" gekennzeichnete Lebensmittel einheitliche Bedingungen erfüllen. Die Hersteller verzichten auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz, halten ihre Tiere artgerecht, nutzen keine Gentechnik und verwenden nur wenige Zusatzstoffe.

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Lebensmittel-Lügen:Durch den Kakao gezogen

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Quelle: Verbraucherzentrale

Kinder sollen nicht immer nur süßes Zeug trinken. Gut also, dass es Nesquik von Nestlé auch in "weniger süß - zuckerreduziert" gibt. Doch wer das Kleingedruckte hinter dem Sternchen liest, der fühlt sich schnell durch den Kakao gezogen. Dort steht: "bei nahezu gleichem Kaloriengehalt".

Tipp: Schauen Sie genau auf die Kalorien- und Nährwertangaben. Begriffe wie "leicht" oder "light" können bedeuten, dass ein Produkt 30 Prozent weniger Fett oder 30 Prozent weniger Kalorien oder aber auch 25 Prozent weniger Salz als vergleichbare Produkte enthält.

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Lebensmittel-Lügen:Mogelpackung

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Quelle: Verbraucherzentrale

Böse Überraschung im Osternest: Diese Goldhasen von Lindt stehen auf einem Podest und sind kleiner als erwartet. Bei vielen Produkten ist die Verpackung wesentlich größer als der Inhalt. Das Gesetz gibt keine konkreten Vorschriften. Von einer Täuschung spricht man etwa bei 30 Prozent Differenz. Bei Luxusartikeln wie Pralinen darf die Packung sogar sechsmal so groß sein.

Tipp: Finden Sie hinter der schicken Pralinenfolie eine einfache Pappschachtel, hat Sie der Hersteller unter dem Deckmantel der Ausnahmeregel betrogen. Machen Sie Ihrem Ärger Luft. Besonders dreiste Fälle können Sie der Verbraucherzentrale auf der Plattform Lebensmittelklarheit.de melden.

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Lebensmittel-Lügen:Beschwipst von Schrimps

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Quelle: Verbraucherzentrale

Viele Menschen müssen oder wollen auf Alkohol verzichten. Ehemalige Alkoholkranke können allein vom Geruch eines Rumaromas einen Rückfall erleiden. Aus dem Pralinenregal wählen sie mit Bedacht - aber in der Fischabteilung? Im März 2012 meldete ein verärgerter Kunde der Verbraucherzentrale einen Shrimpssalat. Zwar stand unter der Zutatenliste der Hinweis "enthält Alkohol", aber der Verbraucher fühlte sich dennoch überrumpelt.

Tipp: Alkohol taucht in vielen Produkten unvermutet auf. Zum Beispiel in Konfitüre, Früchtekuchen, Geflügel- und Pfifferlingscremesuppe, Salatdressings, Lachsfilet in Soße, Sauerkraut und Putengeschnetzeltem. Wenn nur sehr geringe Alkoholmengen enthalten sind, tauchen sie in der Zutatenliste nur als Aroma auf. "Alkoholfreies" Bier darf in Deutschland bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten.

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Lebensmittel-Lügen:Fehlanzeige

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Quelle: Verbraucherzentrale

Abbildungen vermitteln häufig ein völlig falsches Bild über das Verhältnis der enthaltenen Zutaten. Die Packung der Spaghetteria Pasta Panna von Knorr ziert ein Teller mit Nudeln und zahlreichen Speckstückchen. Dahinter liegt ein großes Stück durchwachsener Speck. Eine nennenswerte Anzahl von Speckstückchen finden aber nur aufmerksame Vegetarier im Nudelgericht.

Tipp: Fehlt in der Zutatenliste eine Mengenangabe, ist das Produkt in der Regel zu weniger als zwei Prozent enthalten.

© Süddeutsche.de/mahu/sks
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