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Leben ohne Bankkonto:Hoffen auf das P-Konto

Eigentlich sollte es Fälle wie Michael Hihn gar nicht geben. 1995 haben sich alle Banken und Sparkassen verpflichtet, jedermann ein Konto auf Guthabenbasis anzubieten, also ein Konto, das der Inhaber nicht überziehen kann. Ausnahmen sind allerdings möglich, etwa wenn ein Kunde in der Bank randaliert oder pöbelt. Michaela Roth, Sprecherin des Zentralen Kreditausschusses (ZKA), der Interessenvertretung der Banken, sagt, dass es vielfältige Gründe gebe, warum ein Konto nicht gewährt wird. Bei einer Ablehnung erhalte der Bürger eine schriftliche Begründung und werde gleichzeitig auf die Schlichtungsstellen hingewiesen. Dort vermitteln Ombudsleute zwischen Bank und Kunde. Auch beim ZKA selbst können Verbraucher sich beschweren, wenn sie von der Bank abgewiesen werden, sagt Roth.

Schuldnerberater kritisieren hingegen, dass die Schlichtersprüche der Ombudsleute nicht verbindlich für Banken sind. Für sie ist die Selbstverpflichtung gescheitert, Abhilfe schaffen könne nur ein gesetzlich verankertes Recht auf ein Guthabenkonto. "Anders funktioniert es nicht", sagt Stark.

Aus dem Bundesfinanzministerium heißt es dazu, ein solches Gesetz sei zwar nicht geplant, aber das Problem sei bekannt. Man hoffe, dass sich die Situation durch das P-Konto entschärft. Gemeint ist das Pfändungsschutzkonto, das es ab Juli dieses Jahres geben wird. Bei dem P-Konto bleiben dem Inhaber monatlich knapp 1000 Euro, die nicht gepfändet werden dürfen. Das soll sicherstellen, dass Ausgaben wie Miete, Essen und Strom weiter bezahlt werden können.

Erfolg bei der Dresdner Bank

Der Antrag, ein normales Konto in ein P-Konto umzuwandeln, kann noch während der Pfändung gestellt werden. Die Bank darf das P-Konto nicht kündigen, solange es genutzt wird und der Inhaber die Gebühren dafür zahlt. "Die Bundesregierung versucht das Problem durch die Hintertür zu lösen, ob das funktioniert, muss sich aber erst noch zeigen", sagt Hofmeister.

Auf Michael Hihn wurde der Druck in den vergangenen Monaten immer größer. Er ist mit mehreren Mieten im Rückstand, zwei Mal ist die Räumung der Wohnung schon aufgeschoben worden. Für 40 günstigere Wohnungen habe er sich in den vergangenen Monaten beworben, bei keiner hat es geklappt. "Kein Vermieter will die Miete bar in die Hand gedrückt bekommen", sagt Hihn. Weil er nicht mehr weiter wusste, hat er sich Hilfe bei Beratungsstellen geholt. Das Sozialamt unterstützt ihn jetzt bei der Wohnungssuche. Die Schuldnerberatung München hat ihn ermutigt, sich weiter um ein Konto zu bemühen. Er solle auf die Selbstverpflichtung pochen.

Hihn ist also wieder bei Banken vorstellig geworden, nach einigen Absagen hieß es bei der Dresdner Bank, man wolle ihm ein Guthabenkonto einrichten, trotz Schulden und Schufa-Eintrag. Hihn konnte das zuerst nicht glauben. "Ich dachte, wenn die meine Finanzen prüfen, sagen die noch ab." Doch vor ein paar Tagen kam dann ein Brief mit der EC-Karte für sein neues Konto. Gefreut wie ein kleines Kind habe er sich, sagt Hihn. Vielleicht ist damit die Abwärtsspirale gestoppt.

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