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Leasing in Deutschland:Fast Weltmeister im Leasen

Schon jetzt besetzt Leasing in Deutschland eine Spielklasse für sich und die Weichen sind auf Wachstum gestellt. Die zweistellige Zuwachsrate in der Branche könnte noch weiter steigen - trotz neuer Herausforderungen.

Friederike Nagel

Sportlich gesehen liegt das deutsche Leasing-Geschäft genau zwischen der Frauennationalmannschaft und der Klinsmann-Elf - wenngleich auch nur in Europa.

Kurz vor dem Pokal: Die deutschen Leasingfirmen landen auf Rang zwei in Europa.

(Foto: Foto: dpa)

Wurden die Damen erst vor wenigen Wochen in China Weltmeister und landeten die Herren im Sommer 2006 auf dem dritten Platz, so rangieren die deutschen Leasingfirmen auf dem Kontinent derzeit auf Rang zwei. Branchenexperten gehen jedoch davon aus, dass Deutschland schon bald neuer Leasing-Europameister werden könnte.

Noch steht Großbritannien mit einem Investitionsvolumen von 55 Milliarden Euro aus neuen Leasing-Verträgen im Jahr 2006 an der Spitze. Nur noch knapp dahinter liegen die Deutschen: Im vergangenen Jahr nutzten Unternehmer sowie Privatleute Leasing-Güter hierzulande im Wert von 54 Milliarden Euro. Das sind vier Milliarden mehr als noch im Jahr zuvor, teilte der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmer mit.

Von der Turnhalle bis zum Diamantcollier geht alles

Es gibt wenig, was nicht geleast werden kann. Diese Branchendiversifizierung hat inzwischen sogar entlegene Teile der Gesamtwirtschaft erreicht. "Sie können heute alles von der Laboreinrichtung, über eine Turnhalle bis hin zum Diamanten-Collier leasen", sagt ein Branchen-Insider.

"Wir sind sehr optimistisch, zehn Prozent Wachstum im Neugeschäft dieses Jahr zu erreichen", sagt Friedhelm Westebbe, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasingunternehmen (BDL) in Berlin. Mit einem Neugeschäft von 298 Milliarden Euro 2006 ist Europa der größte Leasing-Markt der Welt.

Das Neugeschäft auf dem europäischen Markt wuchs nach Schätzungen des europäischen Verbandes Leaseurope um 15 Prozent in Vergleich zum Vorjahr. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr acht Prozent Steigerung verzeichnet.

Insgesamt stieg der europäische Immobilien-Leasing-Markt im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 47 Milliarden Euro. Um 17 Prozent wuchs durchschnittlich der Mobilien-Markt. Herausragend ist dabei das Leasing von Autos mit einem Anteil von 38 Prozent am Mobilien-Markt und einem Wachstum von 36 Prozent. Mit 23 Prozent folgen Produktionsmaschinen (plus 20 Prozent) und mit 20 Prozent Nutzfahrzeuge (plus 23 Prozent).

Großes Potential für Leasing bieten die Länder Mittel- und Osteuropas. Diese Märkte wuchsen um etwa 66 Prozent.

Im Inland ist der Markt vor allem durch ausländische Konkurrenz stark in Bewegung. "Die großen ausländischen Mitbewerber wie Uni Credit, GE oder Société Générale verschärfen ganz klar den Preisdruck auf dem Markt", sagt Westebbe und spricht damit die Herausforderungen der Branche an.

Jeder vierte Euro wandert in eine Leasing-Investition

Wer mit dem jeweiligen Branchenwachstum nicht Schritt halten kann, sieht alt aus. "Die gute Entwicklung in den Leasing-Bereichen Maschinen, IT oder Nutzfahrzeuge korrespondiert einzig und allein mit den positiven Entwicklungen in diesen Teilbereichen", sagt Westebbe. Eher verhalten ist das Wachstum im Pkw-Geschäft; auch im Flottenleasing wird das Geschäft zunehmend schwierig. Das liegt vor allem daran, dass die Restwerte schwer einzuschätzen sind. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Spezialisierung weiter voranschreiten wird.

So kann ein Unternehmen beispielsweise neben dem kompletten Netzwerk auch seine Endgeräte, die Finanzierung und die Wartung aus einer Hand beziehen. Gerade solche Dienstleistungen bieten eine starke Entlastung in Bereichen, die nicht Kerngeschäft sind. "Der Trend geht klar zur Paketlösung", sagt Friedhelm Westebbe mit Blick auf die Zukunft.

Im laufenden Jahr wanderte immerhin jeder vierte Euro in eine Leasing-Investition, rechnet Marcus Albrecht vom Kölner Forschungsinstitut für Leasing vor. Dass diese Ausgaben rückläufig sein sollten, trotz Verunsicherungen durch die Steuerreform und Druck auf die Margen, daran glaubt niemand. Noch laufen die Nachbesserungen der geplanten Reform. Egal wie es ausgeht, ein Abstieg in eine andere Spielklasse ist unwahrscheinlich, zu stark stehen die Weichen auf Wachstum.

© SZ vom 25.10.2007/jkr
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