Landesbank Baden-Württemberg Der Weg in die Champions League

Die SachsenLB fällt der Landesbank Baden-Württemberg zwar in den Schoß, aber die Stuttgarter streben seit langem nach Höherem.

Von Dagmar Deckstein

Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach. Mit solchen Volksweisheiten mag sich Siegfried Jaschinski darüber hinwegtrösten, dass es sich mit dem ganz großen Deal, der einer Neuordnung des öffentlichen Bankensektors erst den richtigen Schub verliehe, reichlich zäh gestaltet.

"Die Zeit ist reif": Siegfried Jaschinski, Chef der Landesbank Baden-Württemberg, will beim Konzentrationsprozess im öffentlichen Bankenlager die erste Geige spielen.

(Foto: Foto: AP)

So aber fällt dem Chef der Landesbank Baden-Württemberg mit dem Notverkauf über Nacht die SachsenLB sozusagen als reife Frucht in den Schoß. Wenigstens ein kleiner Fortschritt, mag sich der 54-jährige Althistoriker und zugleich Betriebswirt denken.

Jaschinski als Vorstandsvorsitzender der größten unter den acht Landesbanken steht unter Erfolgsdruck, seit er 2005 als Wunschkandidat des heutigen Sparkassen-Präsidenten Heinrich Haasis das Ruder bei der Stuttgarter Landesbank übernahm. Hat er doch keine Gelegenheit ausgelassen, offensiv um die Gunst anderer öffentlicher Institute zu werben.

Und unverhohlen hat Jaschinski stets zum Ausdruck gebracht, dass die LBBW beim Konzentrationsprozess im öffentlichen Bankenlager die erste Geige spielen will: ,,Es ist hierfür nicht nur höchste Zeit, die Zeit ist auch reif'', sagte er auf der Bilanzpressekonferenz im Frühjahr, um hinzuzufügen, dass ,,wir als größte deutsche Landesbank die künftige Entwicklung aktiv mitgestalten wollen.''

Aber seine Versuche, die ohnehin schon mächtige LBBW noch mächtiger zu machen, sind schon zweimal gescheitert. Die NordLB wollte nicht unter das Dach der Stuttgarter schlüpfen, und im Bieter-Wettrennen um die Landesbank Berlin schnappte Jaschinski ausgerechnet Freund Haasis, also der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, das Objekt der Begierde vor der Nase weg. Und ob die LBBW beim derzeitigen Geschacher um die WestLB zum Zuge kommen wird, steht längst noch nicht fest.

Die letzten Einlassungen der Eigentümer in Düsseldorf unter Führung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) - ,,es gibt keine Einbahnstraße nach Stuttgart'' - klangen alles andere als ermutigend und offenbarten nur, dass die WestLB-Eigner auf Zeit spielen.

Statt großem Wurf gibt es also zunächst nur kleine Beute. Die SachsenLB bekommt die LBBW geradezu zum Schnäppchenpreis von wenigen hundert Millionen Euro. Die Herausforderung wird sein, für die sächsische Tochter ein überzeugendes Geschäftsmodell zu finden.

Zum einen ergibt es durchaus Sinn, im wirtschaftskräftigen Sachsen eine starke Sparkassen-Zentralbankfunktion anzubieten. Zum anderen bietet sich Leipzig als Brückenkopf für die Erschließung des osteuropäischen Marktes an. Schon heute ist die LBBW ein wichtiger Partner der sächsischen Sparkassen. Und die Baden-Württembergische Bank - in der die LBBW ihr eigenes Filialgeschäft bündelt - hat einige Niederlassungen in Sachsen.

Grenzen der Finanzmacht

Die LBBW selbst ist dank seltener Weitsicht von Politik und Sparkassenverbänden 1999 aus der Fusion zwischen der SüdwestLB, der Landesgirokasse und Teilen der staatlichen Landeskreditbank hervorgegangen. Wenige Jahre später übernahm sie als erste öffentliche Bank ein privates Institut, die BW-Bank. Schließlich ist inzwischen auch die Landesbank Rheinland-Pfalz eine hundertprozentige Tochter der LBBW. Wie gut und geräuschlos deren Integration gelungen sei, wird von der LBBW immer wieder gerne als Referenz vorgezeigt.

Aber der Weg in die Champions League der deutschen Banken scheint länger und beschwerlicher als gedacht. Mit einer Bilanzsumme von 428 Milliarden Euro - mit der SachsenLB wären es knapp 500 Milliarden - ist die LBBW Nummer fünf in Deutschland. Sie kümmert sich um nationale und internationale Unternehmenskunden und begleitet vor allem Mittelständler hinaus in die Welt.

Aber, und das betonen LBBW-Banker bei jeder sich bietenden Gelegenheit, eben dabei stoße man an die Grenzen der eigenen Finanzmacht. So könnten die Stuttgarter zum Beispiel nicht mit Krediten zu Diensten sein, wenn sich der badische Baustoffriese HeidelbergCement anschickt, den britischen Konkurrenten Hanson für elf Milliarden Euro zu übernehmen. Zusammen mit der WestLB und ihrer Bilanzsumme von 270 Milliarden Euro wäre das schon eher möglich.