Kreditinstitute in Bedrängnis Furcht um die Commerzbank

Die Kursverluste an der Börse sind ein Albtraum für die Commerzbank. Sie dokumentieren den Vertrauensverlust in das Institut und kosten den deutschen Steuerzahler mittlerweile weit mehr als eine Milliarde Euro. Instituts-Chef Martin Blessing beteuert nun, dass die Bank kein neues Geld vom Staat braucht.

Es ist ein Schock: Die Commerzbank ist an der Börse gerade nur noch sieben Milliarden Euro wert. Und jetzt braucht sie angeblich satte fünf Milliarden Euro an neuem Kapital, um die möglichen künftigen Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht einzuhalten?

Gerade noch sieben Milliarden Euro ist die Commerzbank an der Börse wert. Die Aktie schrammt knapp am Pennystock-Status vorbei.

(Foto: dapd)

Commerzbank-Chef Martin Blessing wiegelt ab: "Wir haben doch gesagt, wir werden das aus eigener Kraft schaffen. Im Moment gibt es keinen Grund, an irgendeiner meiner Äußerungen etwas zu ändern". Man müsse abwarten, welche Kapitalanforderungen die EBA am Ende tatsächlich stellen werde. "Ich bin nicht bereit, mich auf Vorrat zu rasieren", sagte Blessing. Die Chance für Vertrauen am Markt zu sorgen, habe die EBA hinter sich gelassen.

Um die Auflagen zu erfüllen, will Blessing früheren Angaben zufolge die Bilanzrisiken im kommenden halben Jahr drastisch herunterfahren - möglicherweise um bis zu 20 Prozent, wie Insider betonten. Ob das gelingt, bezweifeln Experten.

Gerüchte mit brutaler Wirkung

Zum Börsenschluss am Dienstag waren die Papiere von Deutschlands zweitgrößter Bank nur noch etwas mehr als einen Euro wert. Binnen weniger Stunden waren sie um 15 Prozent eingebrochen. Am Mittwoch legten die Aktien wieder auf Kurse von rund 1,20 Euro zu, konnten aber die Vortagesverluste nicht annähernd wieder wettmachen.

Zu den großen Verlieren des Kurskollaps der Commerzbank-Titel zählt mittlerweile der deutsche Staat, der über den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) 25 Prozent und eine Aktie an der Commerzbank hält. Die Buchverluste für das Aktienpaket dürften sich mittlerweile auf mehr als 1,4 Milliarden Euro belaufen.

"Es sind natürlich Gerüchte, die jetzt aufgekommen sind", sagte Independent-Research-Analyst Stefan Bongart in Frankfurt zu dem möglichen Kapitalbedarf. Die große Wirkung hätten sie nur entfaltet, weil schon vorher klar war, dass "die Commerzbank es schwer haben wird, aus eigener Kraft bis Mitte nächsten Jahres eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen".

Ein weiterer Frankfurter Analyst sagte: "Wenn sich das als richtig herausstellt, wird die Commerzbank weiter am Tropf des Soffin hängen." Er sieht vor allem die Tochter Eurohypo als Problem, die sich besonders stark in hoch verschuldeten Ländern wie Griechenland engagiert hatte. Vor einigen Wochen hatte die Commerzbank deshalb das Neugeschäft der Eurohypo eingefroren und prüft angeblich eine Auslagerung der kritischen Anlagen.

Im dritten Quartal hatte die Commerzbank einen Betriebsverlust von 855 Millionen Euro eingefahren. Schuld daran waren vor allem Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen in Höhe von rund 800 Millionen Euro. Die Konzernleitung hatte daraufhin eine Verschlankung der Bank angekündigt.

Rabatt für Staaten

Sollte die Commerzbank dann aber doch noch zusätzlich eine Kapitalerhöhung benötigen, könnten es die bisherigen Aktionäre noch übler treffen als bisher - vor allem, wenn der deutsche Staat erneut einspringen müsste.

Die EU-Kommission will einem Zeitungsbericht zufolge Staaten, die mit Steuergeld ihre Banken stützen müssen, einen materiellen Ausgleich bieten - auf Kosten der anderen Aktionäre. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia plane, dass EU-Staaten bei Kapitalerhöhungen neue Aktien mit einem Rabatt auf den Kurs erhalten sollen, berichtet die Financial Times Deutschland.

So sollten Regierungen von Rettungseinsätzen auch dann profitieren, wenn nicht, wie bei Beihilfen in der Vergangenheit, eine Kompensation vorab festgelegt werden kann, zum Beispiel in Form von Gebühren.

Bei börsennotierten Banken würde eine staatliche Kapitalspritze also zu einer zusätzlichen Verwässerung der Ansprüche anderer Aktionäre führen. Der Vorschlag sei Teil einer Neufassung der Beihilferegeln für Banken, die Almunia am 30. November präsentieren will.

Die Sonderregelungen für Banken sollten eigentlich am Jahresende auslaufen, werden aber wegen der anhaltenden Finanzkrise und der von den EU-Staaten beschlossenen Rekapitalisierung auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent verlängert.