Krankenversicherung Und wieso waren sie zuletzt beim Arzt?

Ob Adresse oder Allergien, ob Blutgruppe oder bisherige Behandlungen: Die neue Gesundheitskarte speichert künftig alle Daten. Von Oktober an erhalten 70 Millionen Deutsche neue Versicherungskarten - von der die Patienten auch im Ausland etwas haben sollen.

Von Guido Bohsem

Nach jahrelangem Streit und Verzögerungen erhalten 70 Millionen Versicherte von Oktober an die elektronische Gesundheitskarte. Die vollständigen Nutzung der neuen Karte wird nach Einschätzung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen das Gesundheitswesen verändern.

Name, Adresse, Alter - das war nur der Anfang. Künftig sollen auch Daten wie die Blutgruppe oder Allergien auf der Versicherungskarte gespeichert werden.

(Foto: dpa)

Am Ende stünden Möglichkeiten, "die für alle Beteiligten eine Optimierung der medizinischen Versorgung darstellen werden", sagte die GKV-Vorsitzende Doris Pfeiffer.

Die Krankenkassen beginnen in diesen Tagen damit, die neuen Karten an ihre Versicherten zu verschicken. Bis Jahresende werden 6,5 Millionen Menschen das Dokument erhalten. Mitte 2013 sollen es dann alle haben. Die etwa zehn Millionen privat Versicherten erhalten keine elektronische Gesundheitskarte.

Derzeit werden die 137 000 Arztpraxen, 54 000 Zahnärzte, 16 000 Psychotherapeuten und 2100 Krankenhäuser in Deutschland mit neuen Lesegeräten ausgestattet. Sollte ein Arzt noch keines haben, muss er Patienten mit neuer Karte trotzdem behandeln und die Daten notfalls auf Papier aufnehmen. Wer noch keine neue Karte hat, kann weiterhin mit seiner alten zum Arzt gehen.

An der linken Seite der Karte sitzt ein Chip, der die Potentiale der elektronischen Gesundheitskarte birgt. Obwohl er aussieht wie der alte, handelt es sich nach Worten des GKV-Experten Rainer Höfer um einen kleinen Computer, der mindestens 58 Kilobyte an Informationen speichern kann. In der ersten Variante werden dort nur die sogenannten Stammdaten festgehalten, also zum Beispiel die Anschrift des Versicherten, sein Geschlecht und sein Alter.

Tritt das Projekt in die nächste Phase der Entwicklung, soll durch eine flächendeckende Anbindung an Rechenzentren weitaus mehr möglich sein. Vorgesehen ist eine Patientenakte, die - das Einverständnis des Versicherten vorausgesetzt - von jedem behandelnden Arzt eingesehen werden kann.