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Krankenkassen:Merkmale der privaten Krankenversicherung

  • Die PKV berechnen die Beiträge ihrer Kunden unabhängig vom Einkommen und nach dem so genannten Äquivalenzprinzip ("jeder für sich"): Der erhobene Durchschnittsbeitrag hängt, abgesehen von der gewünschten Leistung, im Wesentlichen vom inviduellen Risiko, persönlichen Gesundheitszustand und vom Eintrittsalter ab - je jünger und gesünder, desto niedriger der Betrag. Der Privatpatient ist Vertragspartner des Arztes und bekommt von diesem eine Rechnung gestellt, die er bei seiner Privaten Krankenversicherung zur Erstattung einreicht.
  • Voraussetzung ist für Arbeitnehmer ein Jahreseinkommen von mehr als 54 900 Euro, der derzeit gültigen Jahresarbeitsentgeltgrenze (Stand 1.1.2015). Bei Selbständigen und Beamten spielt das Einkommen dagegen keine Rolle. Unterliegt ein Antragsteller einem erhöhten Gesundheitsrisiko (etwa aufgrund von Vorerkrankungen oder wegen seines Alters), darf das Unternehmen ihn zwar nicht mehr komplett abweisen, ist aber lediglich dazu verpflichtet, ihm den abgespeckten Basistarif anzubieten.
  • Diesen einheitlichen Tarif mussten 2009 mit der Einführung des Versicherungszwangs alle privaten Kassen einführen. Er soll Personen ohne Krankenversicherungsschutz mit Wohnsitz in Deutschland, die nicht der Versicherungspflicht in der GKV unterliegen beziehungsweise die ehemals privat krankenversichert waren oder der privaten Krankenversicherung (PKV) systematisch zuzuordnen sind, den Weg in die Versicherung ebnen. Die Prämienhöhe richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Alter. Die Leistungen im Basistarif entsprechen weitgehend denen der gesetzlichen Versicherung, in den meisten Fällen kosten sie aber wesentlich mehr: Basistarif-Kunden müssen derzeit maximal 639,38 Euro im Monat bezahlen (Stand 1.1.2015) - so viel wie der Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung, den dort nur die einkommensstärksten Mitglieder entrichten. Sind Versicherte hilfebedürftig gemäß SGB II oder SGB XII oder würde durch die Bezahlung einer solchen Prämie Hilfebedürftigkeit ausgelöst, reduziert sich die Prämie im Basistarif.
  • Die Leistungen in der PKV variieren stark nach Tarif. Während bei vielen die Behandlung durch Heilpraktiker und Chefärzte erstattet wird und höhere Leistungen für Zahnbehandlungen erbracht werden, sind im Gegensatz zur GKV psychotherapeutische Behandlungen sowie Kuraufenthalte gar nicht oder in geringerem Umfang enthalten. Billigtarife setzen zudem oft eine hohe Selbstbeteiligung voraus. Im Gegensatz zu Kassenpatienten haben privat Versicherte die freie Wahl unter allen Ärzten - mit Einschränkung der Basistarif-Kunden.
  • Je älter die Versicherten, desto höher sind in der Regel ihre Kosten für Behandlungen und Medikamente. Um diese Kosten zu glätten und über den gesamten Zyklus der Mitgliedschaft zu verteilen, bauen die Versicherten sogenannte Altersrückstellungen auf - ein Teil ihrer monatlichen Beiträge wird von den Versicherungen abgezogen und langfristig auf dem Kapitalmarkt angelegt. Bei einem Wechsel der Versicherung können Mitglieder unter bestimmten Voraussetzungen ihre erworbenen Altersrückstellungen mitnehmen. In ihrer Haushaltsrechnung gehen die Unternehmen davon aus, dass diese Kapitalmarktanlagen Zinsen in Höhe von 3,5 Prozent abwerfen, dem gesetzlich festgelegten Rechnungszins für die privaten Versicherer. Das klappt nicht immer: Im Falle von Schwankungen auf dem Kapitalmarkt müssen Etatlöcher notfalls mit steigenden Beiträgen der Kunden gestopft werden. Denn im Gegensatz zu den gesetzlichen Versicherern bekommen die privaten keine Hilfe vom Staat.