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Köln:Alles auf Sonne

Stegerwaldsiedlung Köln

Die Stegerwaldsiedlung war ein typischer Nachkriegs-Komplex mit hohem Energiebedarf. Jetzt ist sie ein klimagerechtes Quartier.

(Foto: RheinEnergie AG)

Energetische Sanierung der Stegerwaldsiedlung in Mülheim

Die von etwa 1100 Menschen bewohnte Stegerwaldsiedlung im Kölner Stadtteil Mülheim wurde Mitte der Fünfzigerjahre errichtet, wie damals üblich ohne Wärmedämmung und mit Gas-Etagenheizungen und -Boilern. Mit einer umfassenden Modernisierung hat der Eigentümer, die Deutsche Wohnungsgesellschaft (Dewog), nun aus einer typischen Nachkriegssiedlung mit hohem Energiebedarf ein klimagerechtes, zeitgemäßes Quartier gemacht. Dabei stellt das vom Kölner Versorger Rheinenergie entwickelte Energiekonzept die Photovoltaik in den Mittelpunkt. So hat das Unternehmen auf den Dächern der 16 Wohnblöcke eine insgesamt 6100 Quadratmeter große Solaranlage mit einer Leistung von fast einem Megawatt installiert. Das Konzept sieht vor, möglichst viel des erzeugten Stroms vor Ort zu verbrauchen. Dazu hat Rheinenergie elektrische Wärmepumpen installiert, die wann immer möglich mit Solarstrom betrieben werden. Liefern die Module mehr Energie als die Wärmepumpen gerade benötigen, stehen Batteriespeicher bereit. Mit dem gespeicherten Strom können die Anlagen auch bei Wolken und Dunkelheit klimaneutral Wärme erzeugen. Zudem werden Mieter mit dem Solarstrom beliefert. Sollte dann noch Energie übrig bleiben, fließt sie ins öffentliche Netz. An sehr kalten Tagen bleiben die Wärmepumpen allerdings außer Betrieb, da sie bei niedrigen Temperaturen enorm viel Strom benötigen würden. In dieser Zeit werden die Häuser mit Fernwärme versorgt.

"Gesteuert wird das Energiesystem durch eine selbstlernende, cloudbasierte Software, die engmaschig Daten aller Anlagen erfasst und auch Wetter- und Verbrauchsprognosen berücksichtigt", erläutert Rheinenergie-Projektleiter Christian Remacly. "Auf dieser Basis erstellt das System alle fünfzehn Minuten für jede einzelne Anlage einen neuen Fahrplan."

Darüber hinaus hat die Dewog im Zuge der Modernisierung die bereits in früheren Jahren nachträglich angebrachte Fassadendämmung verstärkt, Dächer und Kellerdecken gedämmt und Fenster ausgetauscht. Die CO₂-Emissionen sind um insgesamt gut siebzig Prozent gesunken.

Allerdings lief nicht alles glatt in diesem Projekt. So konnte Rheinenergie bislang nur ein gutes Viertel der Haushalte überzeugen, Solarstrom vom Dach zu beziehen, obwohl der Versorger dafür einen attraktiven Tarif anbietet. Manche Mieter verbrauchen zudem mehr Energie als nötig, weil die neue Wärmeversorgung ein anderes Heizverhalten verlangt - die Anlage ist zwar effizienter, aber dafür auch träger. "Viele Menschen interessieren sich einfach nicht für ihre Strom- und Wärmeversorgung. Deshalb ist eine gute, intensive Kommunikation ein zentraler Erfolgsfaktor für Quartierskonzepte", sagt Remacly.

© SZ vom 10.10.2020
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