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Klimaziele:Fördern und fordern

Gebäude stoßen zu viel CO₂ aus. Experten haben eine Reihe von Maßnahmen zusammengestellt, wie sich die Klimaziele doch noch erreichen lassen.

Um jährlich fünf Millionen Tonnen müssen die deutschen Kohlendioxid-Emissionen im Gebäudesektor sinken, damit das nationale Klimaziel für 2030 noch erreicht wird. Davon ist die Bundesrepublik allerdings weit entfernt: In den vergangenen vier Jahren blieben die durch das Heizen und Kühlen von Immobilien verursachten CO₂-Emissionen nahezu konstant. Was tun, um dem Klimaschutz Schwung zu geben? Die Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (Geea) - ein von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) koordinierter Zusammenschluss von Verbänden, Unternehmen und Forschungsinstituten aus den Bereichen Energietechnik und -effizienz - hat nun ein detailliertes Maßnahmenpaket vorgelegt.

Den wichtigsten Hebel sieht die Geea darin, energetische Sanierungen stärker zu fördern. So verlangt das Bündnis, die schon seit Langem diskutierte steuerliche Förderung der Gebäudesanierung einzuführen. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD hat die Steuerförderung auch Eingang gefunden. In den letzten beiden Bundeshaushalten wurde das Instrument aber nicht berücksichtigt, da die schwarz-rote Koalition mit den vorgesehenen Mitteln lieber das Baukindergeld finanziert. Die Steuerförderung ist vor allem für die Eigentümer von Einfamilienhäusern interessant - hier ist der Sanierungsbedarf besonders hoch. "Ohne eine ambitionierte Steuerförderung ist völlig ausgeschlossen, dass wir im Gebäudesektor auch nur in die Nähe der Klimaschutzziele kommen", sagt Dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann.

Des Weiteren schlägt die Allianz vor, Einzelmaßnahmen wie den Austausch von Fenstern oder die Dach- und Fassadendämmung doppelt so stark wie bisher zu fördern, die Abschreibung von Sanierungen von Mehrparteienhäusern lukrativer zu gestalten und mehr Geld für die Sanierung von Wohngebäuden auf einen überdurchschnittlich hohen Effizienzstandard bereitzustellen. Zudem sollten die Beratungsangebote ausgeweitet werden. Die Kosten für diese Instrumente beziffert die Geea auf insgesamt 2,1 Milliarden Euro im Jahr.

Die Behörden sollen besser kontrollieren, ob Eigentümer die Vorschriften einhalten

Beim Ordnungsrecht setzt die Gebäudeallianz vor allem darauf, bestehende Vorgaben besser durchzusetzen. So sollen die bisher pauschal gewährten Befreiungen von Pflichtmaßnahmen wie der Dämmung der obersten Geschossdecke nur noch dann eingeräumt werden, wenn die Eigentümer der Immobilien eine mangelnde Wirtschaftlichkeit der Maßnahme oder aber soziale Härten nachweisen können. Zudem sollen Eigentümer von Wohngebäuden mit einfach verglasten Fenstern verpflichtet werden, diese durch solche mit geringeren Wärmeverlusten zu ersetzen. Darüber hinaus verlangt die Allianz von den Bundesländern, stärker zu prüfen, ob die ordnungsrechtlichen Vorgaben auch tatsächlich eingehalten werden. Beim Neubau hält die Geea die Anforderungen an die energetische Qualität der Immobilien für ausreichend - anders als etwa von Klimaschützern gefordert sei zumindest derzeit keine Verschärfung nötig.

Die Gebäudeallianz hat ausgerechnet, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen über die kommenden zehn Jahren hinweg zusätzlich fast 13 Millionen Tonnen CO₂ einsparen würden. "Das schließt die Lücke noch nicht ganz, aber es bringt uns immerhin in Reichweite zu den Klimazielen und sollte rasch umgesetzt werden", erklärt Kuhlmann. Damit die Emissionsziele für 2030 tatsächlich eingehalten werden, seien weitere Maßnahmen nötig.