Klaus Zumwinkel im Porträt Ein Gentleman mit Dreckspritzer

Er hasst Handys, liebt Charts und Netzwerke: Postchef Klaus Zumwinkel. Nun hat der langjährige McKinsey-Mann, der mit staatlichem Segen Konzerne sanierte, zum Karriereende eine Menge Probleme.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Seine Sprache: stets gewählt. Sein Anzug: aus besserem Stoff. Sein Stil: irgendwie elegant. So elegant, dass er gut in die Szenerie des Prominentenpreises "Bambi" passt, den er im Jahr 2000 bekommen hat. Selbstverständlich war Klaus Zumwinkel als einer der wenigen deutschen Wirtschaftsführer auch bei der diesjährigen Verleihung der goldenen Rehkitze präsent. Ein bisschen Spaß muss sein bei all der Pflichterfüllung.

Klaus Zumwinkel.

(Foto: Foto: ddp)

Seiner Eitelkeit wird die Anwesenheit inmitten so vieler Stars genauso gefallen haben wie 2003 die Berufung zum "Manager des Jahres". Da fühlte er sich richtig eingeordnet. Wenn das eigene Weltbild gestört wurde, zum Beispiel durch die hämische Wahl zum "Sprachpanscher des Jahres", dann nahm es der gerne mit Anglizismen aufwartende Zumwinkel sportlich. Er hatte ja einen Ruf als Gentleman des Gewerbes zu verlieren. Natürlich heißt die einst dröge Bundespost heute ganz schick Deutsche Post World Net, und der Vorstandschef trompetet: "Wir sind die beste Post der Welt!"

In Fürth war sein Globalisten-Stil, sein etwas gestelztes internationales Flair, nicht so gut angekommen. Die berufliche Dekade als Unternehmensberater von McKinsey wirkte nach und verhinderte einen nachhaltigen Erfolg in seiner Chefrolle beim Versender Quelle (1985 bis 1989). Er sorgte für Profit, ging aber Knall auf Fall, weil er mit der damals noch fröhlich nach deutschen Mittelstandsgebräuchen herrschenden Eigentümerin Grete Schickedanz nicht richtig klarkam. Zumwinkel verhedderte sich im Gestrüpp rund um den fränkischen Clan, was für ihn eine schlimme Erfahrung gewesen sein musste, schließlich gilt er selbst als Meister im Schaffen und Erhalten eigener Networks.

Wer einmal dabei war, bleibt verbunden

"Es gibt nichts Besseres als ein funktionierendes Netzwerk guter Freunde auch mit internationalem Background, die mit Rat und Tat zur Seite stehen", erklärte der Unternehmersohn Zumwinkel einmal, der in der Handelskette seines Vaters das kaufmännische Einmaleins mitbekommen hatte.

Das ist das McKinsey-Prinzip: Wer einmal dabei war, bleibt verbunden. So sitzt Zumwinkel in vielen Aufsichtsräten, zum Beispiel bei Postbank, Lufthansa und Telekom. Da, wo der Staat einst mitmischte oder noch dabei ist, stieg er zur gewandten Galionsfigur eines kooperativen Kapitalismus auf. Zumwinkel pflegte seine Seilschaften, zum Beispiel das jährliche Bergsteigen am Similaun, angeleitet vom bekannten Bergfex Reinhold Messner und begleitet von Wirtschaftsleuten wie dem Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp oder dem Münchner Verleger Hubert Burda.

Nach seinem Weggang aus Fürth erkannte Zumwinkel Anfang der neunziger Jahre schnell, dass der öffentliche Raum Manager braucht, dass all die Beamtenläden aus langen Monopolzeiten unternehmerisch aufgefrischt und wettbewerbstauglich gemacht werden mussten. Keiner konnte so schön erzählen von den großen Aufgaben und der großen Challenge wie Zumwinkel, der alte "Mekkie" von McKinsey, und die Politiker hingen an seinen Lippen. Hier war einer, der sie ernst nahm und ihnen ein Problem vom Halse schuf.

So geschickt sich Zumwinkel in bester Lobbyisten-Manier den Rücken bei den Bundesregierungen und den Parteien - zuerst in Bonn, dann in Berlin - frei hielt, so konsequent machte er sich dran, mit dem vorhandenen und durch einen Börsengang gemehrten Kapital Firmen in aller Welt zusammenzukaufen. Seine Vision war die von der Post als Logistikriese, und wenn man in der McKinsey-Welt erst einmal eine solche Vision gefunden hat, dann macht man es unterhalb der Weltmarktführerschaft nicht.

Also ging Zumwinkel in die USA und wollte es dort mit seiner Logistiktochter DHL den Großen zeigen, was bisher allerdings nicht mit Marktanteilen, geschweige denn Gewinnen belohnt wurde. Das war das erste große Scheitern des Klaus Zumwinkel. Dann kam die Aktienaffäre, der unsensible Großverkauf eigener Post-Aktien, und schließlich die aktuelle Steueraffäre.

Ein Mann wie er, der seinen MBA an der Wharton School der University of Pennsylvania gemacht hat, hat sich einen solchen Karriereabgang wohl nicht vorstellen können. Diese Zeit in den USA sei für seine persönliche Entwicklung "weit wichtiger" gewesen als die Promotion an der Universität in Münster, sagte er einmal. Amerika, das ist Dynamik und System, Deutschland aber muss ihm jetzt wie ein undankbares, neidisches Land vorkommen.

Alles, nur keine Hektik

Zumwinkel hielt es mit der Ruhe im Job. Hektisches Handy-Telefonieren oder die Fingertipperei in den Blackberry, das ist nichts für ihn. Er liebt, wie alle bei McKinsey, die vielen Charts, mit denen er die Welt erklärbar macht und in "bullet points" packt. Und der Postchef prägt Sätze, die gewaltig klingen, aber wenig aussagen. Sätze wie: "Ich bin Libero und spiele da, wo der Ball gerade ist."

Nun sind sie erst einmal vergessen, die schönen Jahre als Libero, als man ihn "Häuptling Silberlocke" nannte oder, noch besser, "die gelbe Eminenz". Als er dank seiner politischen Strippenzieherei eine Macht im Exzess genießen konnte und mit den Gewerkschaften einen hohen Mindestlohn vereinbarte, der potentielle Briefrivalen schreckt. Nun muss er, kurz vor dem offiziellen Ausscheiden aus seinen Ämtern, schauen, dass er nicht unfreiwillig früher geht - und dass er weiter als Aufsichtsratschef über seine große Deutsche Post World Net schauen darf.

Zum "Bambi" will Zumwinkel auch weiter als Star der Wirtschaft gehen können. Das ist er sich und seinem Ruf schuldig. Wie lautet noch einer seiner Aphorismen: "Die Gipfel, die wir nicht packen, merken wir uns am besten."