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KfW Bankengruppe:"Hauptsache, die IKB kommt weg"

Die Mitarbeiter der Staatsbank KfW müssen die Probleme der maroden Tochter IKB ausbaden - die Stimmung ist gereizt.

Die KfW Bankengruppe besitzt eine feine Adresse. Ihre Mitarbeiter blicken vom Arbeitsplatz direkt in den Frankfurter Palmengarten, eine grüne Oase zwischen Universität und Bankenviertel. Doch das Idyll täuscht.

KfW, ap

Schild vor der Zentrale der KfW in Frankfurt: Die Mitarbeiter der Staatsbank sind selbstbewusst, das Institut ist über Jahre gewachsen. Nun muss gespart werden.

(Foto: Foto: AP)

Der Lärm von Presslufthämmern und Schwertransportern nervt bei der Arbeit an den Schreibtischen: Die Staatsbank lässt ihre Zentrale von innen neu gestalten und zieht daneben ein Hochhaus für die Tochter Ipex hoch. Die etwa 4000 KfW-Mitarbeiter brauchen mehr Platz. Die meisten sitzen in Frankfurt, noch auf mehrere Gebäude verstreut, aber auch in Bonn und Berlin.

Der Baulärm mag nerven. Weit schwerer zu ertragen sind die Folgen der Finanzkrise. Die KfWler können das Wort IKB schon nicht mehr hören. IKB steht für die Düsseldorfer Industriekreditbank. Sie soll verkauft werden; am Donnerstag läuft die Frist für die Gebote aus. Drei Ausländer sind interessiert, das war im Jahr 2000 schon einmal so.

Damals fürchtete die Regierung den ausländischen Einfluss, die Staatsbank KfW sprang als Käufer ein. Dann haben sich die Düsseldorfer auf dem amerikanischen Markt verzockt, zum Nachteil ihres Großaktionärs: Die KfW musste sieben Milliarden Euro aus ihren Reserven nehmen.

Manchmal mitleidig, manchmal hämisch

Die Bemühungen um den Verkauf der schlingernden IKB ziehen sich bereits seit Monaten hin. "Hauptsache, die IKB kommt weg", stöhnt ein Mitarbeiter. Er mag nicht mehr nach der IKB gefragt werden, manchmal mitleidig, manchmal hämisch. So als ob die eigene Leistung keine Rolle spielt und das KfW-Universum auf den Fall IKB zusammenschrumpft.

Wegen der Probleme der Tochter soll jetzt auch noch bei den KfW-Mitarbeitern gespart werden. Neue Einstellungen gibt es nicht, Gerüchte über Stellenabbau machen die Runde. Die Kosten sollen um 75Millionen Euro im Jahr sinken, hat Interimschef Wolfgang Kroh angekündigt.

Sein Sparplan trägt den umständlichen Namen Effizienzsteigerungsprogramm. Die Mitarbeiter sollen "Kenntnisse, Einfallsreichtum und Kraft" in das neue Konzept einbringen.

Der künftige Chef, Ulrich Schröder, ist noch nicht im Haus, er fängt im September an. Ob er so stark sparen wird, wie von Kroh angekündigt, weiß noch keiner. Aber er bekommt das doppelte Gehalt der früheren Chefin Ingrid Matthäus-Maier, die wegen der IKB hingeworfen hat. "Und wir sollen kürzertreten", bemerkt ein Mitarbeiter. Das klingt bitter.

Geholt haben den künftigen KfW-Chef die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen in Berlin, denn die haben bei der Staatsbank die Macht. Von einem Versagen wollen sie nichts wissen. Schuldgefühle offenbaren weder Politiker noch Banker. Erklärt wird das Desaster der IKB mit der Finanzkrise, einer Art Naturgewalt; die Aufräumarbeiten werden Anwälten und Gerichten überlassen.

Wachstumskurs in die Wiege gelegt

Dabei erregte die makellose Bilanz der KfW in der Vergangenheit den Neid ihrer Wettbewerber. Als Bank des Staats ist sie in vielen Geschäften mit im Spiel. In zu vielen, kritisieren manche Politiker.

Ihre Lust an der Übernahme vieler Bankgeschäfte sei ordnungspolitisch bedenklich. Gerade die Verbindung zwischen der börsennotierten IKB und der nicht der Finanzaufsicht Bafin unterstellten KfW war ein häufig beklagtes Ärgernis.

Der KfW wurde der Wachstumskurs in die Wiege gelegt. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, wie sie damals hieß, sorgte nach dem Zweiten Weltkrieg für die Finanzierung des Aufbaus der Bundesrepublik mithilfe der Gelder des Marshall-Plans. Nach dem Mauerfall begann die zweite Phase ihrer Expansion.

Seither begleitet die KfW den Aufbau Ost, integrierte die dortige Staatsbank, sanierte Platte auf Platte, fördert Existenzgründungen, schiebt Straßenbau und Energiesparen an. Sie übernimmt Risiken für Unternehmenskredite, berät Mittelständler, coacht Gründer kleiner Firmen, hilft bei neuen Technologien und bietet Plattformen für Verbriefungen, also den Weiterverkauf von Risiken. Über die KfW gibt es auch Kredite für das Studium.

Warum die KfW trotz aller Schwierigkeiten vom Bund gestützt wird, lesen Sie auf Seite zwei.