Kaupthing Bank Weißer Rauch aus den Geysiren

Die isländische Kaupthing Bank sagt, sie habe genug Geld zusammen, um die deutschen Sparer zu entschädigen. Doch der Teufel sitzt im Detail.

Von Hannah Wilhelm

Neuer Hoffnungsschimmer für die 50.000 deutschen Kunden der isländischen Kaupthing Bank: Die Bank teilte nun auf der Internetseite ihrer deutsche Niederlassung mit, dass sie die 308 Millionen Euro zusammen habe, um allen deutschen Kunden ihre Einlagen in vollem Umfang zurückzuerstatten. Außerdem können die Sparer auf Zinsen hoffen, diese Frage ist aber noch nicht abschließend geklärt. Die Konten sind seit dem 9. Oktober 2008 gesperrt. Damals hatte die deutsche Bankenaufsicht Bafin die Konten eingefroren, weil Kaupthing wegen der Finanzkrise ins Trudeln geraten und unter Aufsicht des isländischen Staates gestellt worden war. Seitdem können die Kunden nicht an ihr Geld.

Protestplakat eines Kaupthing-Sparers: Die isländische Bank sagt, sie habe genug Geld zusammen, um die deutschen Kunden zu entschädigen.

(Foto: Foto: ddp)

Auch Islands Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir bestätigte nun in einer Rede, Kaupthing habe genug Mittel, um die Spareinlagen der deutschen Kunden zurückzuzahlen. Aus regierungsnahen Kreisen in Deutschland hieß es am Montag, die Auszahlung sei nur noch eine Frage weniger Wochen. "Die Signale aus Island sind sehr ermutigend", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Zwiespältige Gefühle

Trotz dieser guten Anzeichen sind die Gefühle der Anleger zwiespältig: Bereits mehrfach hatten die Bank und das deutsche Bundesfinanzministerium erklärt, eine Rückerstattung des Geldes stehe kurz bevor. Trotzdem aber warten die Sparer bis heute. Zwischenzeitlich hatte es so ausgesehen, als ob der isländische Einlagensicherungsfonds die Anleger entschädigen würde - mit von der deutschen Regierung geliehenem Geld. Doch die Gespräche zwischen dem Einlagensicherungsfonds, dem deutschen Finanzministerium und den Bankverantwortlichen zogen sich in die Länge.

Währenddessen sind einige Anleger in die Bredouille geraten, weil sie das Geld dringend brauchen. Kaupthing hatte in Deutschland mit überdurchschnittlich hohen Zinsen für Tages- und Festgeld geworben, und viele hatten dieses Angebot genutzt, um Geld beispielsweise für Steuernachzahlungen, einen Urlaub oder einen anstehenden Autokauf zwischenzuparken. Nun fehlen ihnen diese Summen.

Streit mit der DZ Bank

Kaupthing hatte bereits mehrfach seinen Willen bekräftigt, Geld aus eigener Kraft zurückzahlen zu wollen und nicht auf den Einlagensicherungsfonds Islands zurückgreifen zu müssen. Bereits auf einer Gläubigerversammlung Anfang Februar verkündigte der staatlich eingesetzte Zwangsverwalter Olafur Gardarsson, die Bank hätte 80 Prozent des Geldes zusammen, nur 55 Millionen Euro fehlten noch. Diese lägen bei der DZ Bank, die das Geld der Anleger blockiere, nur daran scheitere die Auszahlung. Die DZ Bank sagte wiederum, es handle sich nicht um Anlegergeld, sondern um Vermögen der Kaupthing Bank, gegen die man selbst Ansprüche habe. Nur deshalb habe man das Konto gesperrt. Nun hat die Kaupthing Bank wohl andere Quellen für die fehlenden Millionen aufgetan: Sie hat dazu angeblich Vermögenswerte liquidiert. Mit der DZ Bank wird man sich vor Gericht um die 55 Millionen Euro streiten müssen.

Frank-Christian Pauli von der Verbraucherzentrale Bundesverband sagt: "Es wäre gut, wenn Kaupthing das Geld in voller Höhe an die Anleger auszahlt." Das sei einer Entschädigung durch den Einlagensicherung vorzuziehen, denn die garantiere nur einen Betrag von 20.887 Euro pro Person. Höhere Einlagen werden nicht oder nur anteilig entschädigt. Pauli weiter: "Die Anleger müssen nun wirklich ihr Geld bekommen. Es darf nicht riskiert werden, dass das Vertrauen in die Sicherungssysteme der Banken weiter beeinträchtigt wird."

Der Teufel wird aber wohl im Detail stecken. Denn bisher ist noch nicht klar, wie die Rückerstattung des Geldes ablaufen soll. Auch der Zeitpunkt ist noch völlig offen. Um eine sichere Rückzahlung der Einlagen zu gewährleisten, arbeite die Kaupthing Bank noch an der Klärung einiger technischer Fragen, heißt es in der Erklärung auf der Internetseite der Bank. Die Kunden sollen bald einen Brief mit weiteren Details erhalten, außerdem werden dann die aktuellen Daten der 50.000 Kunden abgefragt. Das kann dauern. Bis dahin heißt es wohl: weiter hoffen.