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Kabel:Besser vernetzt

Breitband-Internetausbau im ländlichen Raum

144 Fasern: Glasfaserkabel für den Breitband-Internetausbau.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Ob schnelles Internet in jedem Zimmer oder intelligente Haushaltsgeräte - die Verkabelung in Haus und Wohnung wird immer wichtiger. Was Verbraucher dabei beachten sollten.

Von Jochen Bettzieche

Alle paar Jahre das Gleiche: Der Computer oder Laptop muss ausgetauscht werden. Veraltete Technik bringt ihn an seine Grenzen. Doch die IT-Technik endet nicht an den Ausgängen des Geräts, sie geht weiter und zieht sich durchs ganze Haus bis hinaus zu den Kabeln des Netzbetreibers unter der Straße. Immobilienbesitzer sollten daher darauf achten, dass ihre Verkabelung mit den technischen Ansprüchen der Digitalisierung mithält. Glücklicherweise sind die Lebenszyklen hier deutlich länger als bei den Endgeräten.

Ethernet-Kabel, so der Fachbegriff für die Datenkabel, sind in Kategorien unterteilt. Elektriker verbauen laut Karsten Joost, Vorsitzender des Lenkungsausschusses Technik beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), derzeit Kabel der Kategorie sieben. Er empfiehlt als Zuleitung zur Wohnung Kombikabel mit einem dünnen Röhrchen: "Dann kann man Glasfaser nachverlegen, wenn es in der Straße liegt." Davor ist das nicht nötig. Denn wenn die Daten im Haus schneller fließen können als in der Straße, dann bringt das nichts, wenn man nicht auf schnellen Datenverkehr zwischen den eigenen Geräten angewiesen ist.

Drei Ebenen des Leitungsnetzes sind für Immobilienbesitzer wichtig. Ebene drei führt von draußen ins Haus. "Das liegt noch in der Verantwortung des Netzbetreibers", sagt Joost. In Mehrparteienhäusern steht Ebene vier für die Verbindungen vom Hausanschluss hin zu den einzelnen Wohnungen. Ebene fünf ist dann das Leitungsnetz in der jeweiligen Wohneinheit. Darüber erfolgt nicht nur der Zugang zum Internet, auch Smart-Technology-Geräte kommunizieren auf diesem Weg. Und das werden immer mehr.

Auch schreitet die technische Entwicklung im IT-Bereich rasant voran. "Man braucht aber nicht alle paar Jahre neue Kabel", beruhigt Sebastian Klöß, Referent für Consumer Technology beim Branchenverband Bitkom in Berlin. Zwar sollten es schon Kabel der Kategorie fünf sein, aber die müssten nicht zwingend durch Kategorie sechs oder sieben ersetzt werden. "Das Schnellste, was derzeit ins Haus kommt, ist eine Glasfaserleitung mit einer Übertragungsrate von einem Gigabit pro Sekunde", erklärt Klöß und gibt zu bedenken: Selbst Kategorie-fünf-Kabel schafften bis zu einem Gigabit pro Sekunde, Kategorie-sieben-Kabel kommen auf die zehnfache Geschwindigkeit, das reicht noch lange. "Und die höchste Kategorie acht wird derzeit in Rechenzentren verbaut, in Privatwohnungen wäre das mit Kanonen auf Spatzen schießen", sagt Klöß. Hinzu komme, dass es noch keine Anschlussdosen der Kategorie sieben gebe, sondern nur sechs, ergänzt Joost: "Das reicht aber auch schon für eine Übertragung von zehn Gigabit pro Sekunde."

Heikel wird es höchstens im Altbestand. Nach wie vor existieren Gebäude, in denen zweidrahtige Kupferleitungen liegen. In solchen Fällen rät Joost, zusätzlich Ethernet-Kabel zu verlegen. Auch er empfiehlt, Maß zu halten und nicht zu übertreiben. Schon eine Übertragungsrate von 100 Megabit pro Sekunde reiche für einen Vier-Personen-Haushalt aus: "Dann kann jeder für sich fernsehen, und es sind immer noch 20 Megabit fürs Arbeiten und Surfen im Internet frei." In den nächsten fünf bis zehn Jahren bekomme man so eine Über-tragungsrate nicht ausgelastet.

Selbst wenn die Kabel erneuert werden sollen, ist das in der Regel kein Problem. Bereits seit 1955 schreibt eine Norm vor, Leerrohrnetze zu nutzen. Da können einfach neue Kabel nachgezogen werden, erklärt Joost: "In einigen öffentlichen Gebäuden und im sozialen Wohnungsbau wurde das manchmal reduziert aufgebaut, dort, wo keine Leerrohre vorhanden sind, muss man dann Schlitze in die Wand machen." Gleiches gelte, wenn noch alte Telefonkabel aus den 70er-Jahren in der Wand lägen. Einfacher wird das bei einem Anbau. Hier können gleich neue Standardkabel hinein. Aber nur, wenn im Altbestand bereits Kategorie-sieben-Kabel liegen oder das Netz im Anbau vom Netz im Bestand getrennt wird. "Wenn man nur das bestehende Kabel verlängert, gibt dieses die Übertragungsrate vor", erläutert Klöß. Dann sind schnelle Kabel nur sinnvoll, wenn die vorhandenen Kabel auch erneuert werden.

Wichtiger als die Geschwindigkeit sei jedoch ein anderer Faktor, sagt der Bitkom-Experte: die Abschirmung. Sie schützt vor Störungen durch elektromagnetische Wellen. Er rät zu Kabeln mit einem Geflecht und einer Folie, zu erkennen an der Buchstabenkombination SF. "Liegt aber vor dem Haus ein Kupferkabel und wird dort das Signal gestört, kann man im Haus noch so gut abgeschirmt sein, man bekommt die Störung dennoch", erklärt Klöß.

Vermietet der Eigentümer die Wohnung, muss er die erforderliche Technik - zumindest einen Hausübergabepunkt - zur Verfügung stellen. "Zum Wohnen gehört die Möglichkeit, in der Wohnung zu telefonieren und das Internet zu nutzen", stellt Lukas Siebenkotten, Präsident beim Deutschen Mieterbund in Berlin, klar. Im Gegenzug dürfe der Vermieter die Kosten einer Modernisierung des Kabelnetzes auf seinen Mieter umlegen.

In der Praxis verzichten viele Menschen auf die Verkabelung und nutzen Funkstrecken, das Wlan. Das ist chic und trendy, für Klöß allerdings nur zweite Wahl: "Kabel sind zwar aufwendiger, aber damit sind Verbindungen stabiler, schneller und weniger anfällig für Störungen."

© SZ vom 28.11.2020
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