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Japan:Höhenflug des Yen nach Politbeben

Zeitenwende in Japan: Die historische Wahlschlappe der bisherigen Regierungspartei LDP hat der Landeswährung Yen Flügel verliehen. Die Börse gab hingegen nach.

In Japan hat der historische Wahlsieg der Oppositionspartei DPJ für einen Kurssprung des Yen gesorgt. Am Montag kletterte der Yen im Vergleich zum Dollar auf ein Sieben-Wochen-Hoch. Der Dollar kostete am frühen Nachmittag 92,98 Yen. Vor den Wahlen hatte der Dollar zum Wochenausklang 93,50 Yen gekostet. Der Euro notierte zum Yen am Montagmorgen bei 132,87 Yen.

Yen rauf, Börse runter: die japanischen Finanzmärkte haben auf die Machtverschiebung in der nationalen Politik deutlich reagiert.

(Foto: Foto: Reuters)

Händler begründeten dies mit dem Ende der Ungewissheit über die künftige Regierung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde. Auch Äußerungen der künftigen Führung, die Unabhängigkeit der Notenbank nicht antasten zu wollen und nicht an den Devisenmärkten zugunsten einer Schwächung der Währung einzugreifen, seien positiv für den Yen-Kurs gewesen.

Massive Herausforderungen

"Die Kombination aus deutlichen Kursverlusten bei asiatischen Aktien, den nie dagewesenen Machtverschiebungen bei den japanischen Wahlen sowie feste Wirtschaftsdaten unterstützen den Yen", betonte Antje Praefcke von der Commerzbank.

Sie zeigte sich aber mit Blick auf die Dauerhaftigkeit der Gewinne skeptisch. Die neue DPJ-Regierung stehe vor massiven Herausforderungen wie der Rekordarbeitslosigkeit und der höchsten Staatsverschuldung der G7, während gleichzeitig die demographische Entwicklung die Sozialversicherungssysteme zunehmend belasteten. Damit könnte sich der Optimismus mit Blick auf strukturelle Reformen bald wieder verflüchtigen.

An der Börse in Tokio belastete der starke Yen vor allem Exporttitel. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor 0,4 Prozent auf 10.492 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index schloss ebenfalls 0,4 Prozent im Minus bei 965 Zählern.

Exporttitel unter Druck

Die Papiere des vom Export abhängigen Kameraherstellers Canon fielen um 3,3 Prozent. Auch Autowerte wie Toyota und Nissan notierten jeweils über ein Prozent tiefer. Wenig Auswirkungen auf den Markttrend hatten die Daten zur japanischen Industrieproduktion im Juli. Im Vergleich zum Vormonat stellten die Unternehmen 1,9 Prozent mehr Güter her.

Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong und Singapur notierten schwächer. Nur die Börse in Taiwan konnte leicht zulegen.

Obwohl der Markt in Shanghai als besonders volatil gilt und dort relativ wenige ausländische Investoren aktiv sind, haben die oft deutlichen Abschläge im August auch an anderen Handelsplätzen zeitweise für Nervosität gesorgt.

Eine schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft gilt als wichtiger Faktor für die Entwicklung der Konjunktur rund um den Globus. In der Volksrepublik sorgten sich die Anleger in den vergangenen Wochen, die Regierung könnte ihre lockere Geldpolitik zurückfahren. Auch zahlreiche Börsengänge belasteten die Kurse.

© sueddeutsche.de/dpa-AFX/Reuters/pak/tob

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