IWF: Warnung Arabien braucht 160 Milliarden Euro

Die blanke wirtschaftliche Not hat die Unruhen in der arabischen Welt mit ausgelöst. Um die dortige Wirtschaft in Gang zu bringen, müsse die internationale Gemeinschaft in den kommenden drei Jahren mit Finanzspritzen helfen, warnt der IWF.

Der Bedarf neuer Finanzhilfen zeichnet sich ab: Die von den Aufständen erfassten Staaten in Nahost und Nordafrika benötigen nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds in den kommenden drei Jahren Finanzhilfen von mehr als 160 Milliarden Dollar.

Kinder im Kairoer Elendsviertel Manschijet Nasser: Nicht nur der Wille nach demokratischen Reformen drängte die Menschen auf die Straße, sondern vor allem die wirtschaftliche Not.

(Foto: REUTERS)

"Die Region muss sich auf einen grundlegenden Wandel seines Wirtschaftsmodells vorbereiten", begründete der IWF am Donnerstag seine Aufforderung an G8-Staaten und reiche arabische Länder, einzuspringen.

Die führenden Industrienationen hatten den arabischen Ländern auf ihrem Treffen in Deauville in einem Erklärungsentwurf zuvor Finanzhilfen zugesichert. "In naher Zukunft muss das Vertrauen in die öleinführenden Länder wieder hergestellt werden", teilte der IWF mit.

Die Staaten litten unter anderem an den weltweit steigenden Rohstoffpreisen. Staaten wie Ägypten, Jordanien, Marokko, Tunesien, Syrien und der Libanon würden wegen der höheren Lebensmittel- und Energiepreise mit einem höheren Inflationsdruck zu kämpfen haben.

Weil an den Finanzmärkten Unsicherheiten über die politische und wirtschaftliche Entwicklung herrsche, müsse die internationale Gemeinschaft in den kommenden 18 Monaten den Großteil der Hilfen stemmen. Der Fonds selbst will etwa 35 Milliarden Dollar beisteuern.

Rare Arbeitsplätze

Hintergrund ist, dass in den arabischen Ländern wie Tunesien oder Ägypten nicht nur der Wille nach demokratischen Reformen die Menschen auf die Straße gedrängt hat, sondern vor allem die wirtschaftliche Not gepaart mit düsteren Aussichten etwa auf einen Arbeitsplatz.

Dem IWF-Regionalbeauftragten Masud Ahmed zufolge müssen die ölimportierenden Länder in den kommenden zehn Jahren 55 bis 70 Millionen Arbeitsplätze vor allem für junge Menschen schaffen. Zugleich müsse die zugunsten der Staatsbetriebe vernachlässigte Privatwirtschaft in Schwung gebracht werden.