IWF: Strauss-Kahn-Nachfolge Nur noch ein Konkurrent für Lagarde

67 Jahre - zu alt für den Internationalen Währungsfonds: Die Kandidatur des israelischen Notenbankchefs Stanley Fischer für den Chefposten des IWF ist geplatzt. Nun muss sich die französische Finanzministerin Christine Lagarde nur noch gegen einen Rivalen durchsetzen. Ihre Chancen stehen gut.

Im Rennen um die Spitze des Internationalen Währungsfonds sind nur noch der mexikanische Notenbankchef Agustín Carstens und die französische Finanzministerin Christine Lagarde vertreten. Die Kandidatur des israelischen Notenbankchefs Stanley Fischer lehnte der IWF aus Altersgründen ab.

Klare Favoritin für den IWF-Chefposten: Die französische Finanzministerin Christine Lagarde.

(Foto: AFP)

Zwei Vertreter des IWF-Direktoriums sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es habe keine ausreichende Mehrheit für eine Änderung der Statuten gegeben, was Voraussetzung für eine Kandidatur des 67-Jährigen gewesen wäre. Nach den bisherigen IWF-Regeln dürfen Kandidaten nicht älter als 65 Jahre sein. In einer offiziellen Mitteilung sprach der IWF von zwei Kandidaten, ohne Fischers Namen zu erwähnen.

Fischer hatte kurz zuvor noch die Hoffnung geäußert, dass sein Alter keine Rolle bei der Entscheidung des IWF-Direktoriums spielen werde. "Mein Gefühl ist, dass die Altersfrage an dieser Stelle irrelevant ist", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Altersregelung sei schließlich in den siebziger Jahren eingeführt worden, als die Lebenserwartung noch niedriger gewesen sei als heute. Die Regel erscheine ihm daher "etwas merkwürdig".

Wie der IFW in Washington mitteilte, werde der Währungsfonds die Kandidaturen von Lagarde und Carstens prüfen. Der Verwaltungsrat der Organisation werde sich mit beiden treffen, die Stärken der Kandidaten diskutieren und eine Entscheidung treffen. Ziel sei es, zum 30. Juni einen neuen IWF Chef zu haben, hieß es in der Erklärung.

Die Neubesetzung des Postens war nach dem Rücktritt von Dominique Strauss-Kahn nötig geworden. Der Franzose Strauss-Kahn steht im Verdacht, ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel sexuell attackiert zu haben. Auf ihn kommt ein Gerichtsverfahren wegen versuchter Vergewaltigung zu.

Als klare Favoritin auf den IWF-Chefposten gilt die Französin Lagarde. Sie hat ihren Vorsprung am Wochenende noch einmal ausgebaut: Mit Indonesien stellte sich erstmals ein großes Schwellenland hinter die 55-jährige Juristin, die als erste Frau an die Spitze des IWF vorstoßen könnte.

Die Unterstützung der Europäer für Lagardes Bewerbung gilt als sicher, auch die Länder Afrikas stehen offenbar mittlerweile geschlossen hinter der Französin. Dagegen hielten sich bislang vor allem Indien und China zurück. Die USA als größter Anteilseigner hatten sich bis zuletzt nicht dazu geäußert, wen sie bevorzugen.

Nach bisheriger Tradition wird der IWF von einem Europäer geführt, die Weltbank als Schwesterorganisation dagegen von einem US-Amerikaner. Gegen diese Regelung gibt es aber zunehmend Kritik aus den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Südamerika.

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der Währungsfonds eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der IWF Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. Außerdem entsendet er Teams in Schuldnerländer, die deren Fortschritte überprüfen.

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