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IWF: Nachfolge von Strauss-Kahn:Kandidatin Lagarde erklärt sich

Ranghohe EU-Politiker rühren kräftig die Werbetrommel für Christine Lagarde. Nun scheint die offizielle Bewerbung der französischen Finanzministerin für den IWF-Chefposten kurz bevorzustehen - Lagarde hat eine Erklärung angekündigt. Doch es formiert sich Widerstand.

In der Diskussion um die Neubesetzung des IWF-Chefpostens steigt die Spannung. Denn die mögliche Nachfolgerin des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique-Strauss-Kahn, Christine Lagarde, hat für diesen Mittwoch eine Pressekonferenz in Paris einberufen. Zuletzt hatten sich die Spekulationen verdichtet, die französische Wirtschafts- und Finanzministerin könnte offiziell ihre Bewerbung um das höchste Amt beim Internationalen Währungsfonds bekanntgeben.

Lagarde hatte am Dienstag weitere Unterstützung für ihre mögliche Kandidatur erhalten. "Die Europäer haben mit ihr eindeutig ihre Beste und Klügste ausgewählt", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria in Paris. Auch Irland sprach sich für die Französin als neue Chefin beim IWF aus.

Lagarde sei "eine exzellente Kandidatin, sie ist in besonderer Weise qualifiziert, und sollte sie nominiert werden, dann werden wir sie voraussichtlich unterstützen", sagte die irische Ministerin für Europäische Angelegenheiten, Lucinda Creighton.

Strauss-Kahn war in der vergangenen Woche von seinem Amt als Direktor des IWF zurückgetreten, nachdem er in New York wegen des Verdachts auf versuchte Vergewaltigung festgenommen worden war.

Am Montag hatte der Fonds das Bewerbungsverfahren dann offiziell eröffnet. Bislang hat noch kein Kandidat seine Bewerbung bekanntgegeben - Lagarde werden derzeit aber die besten Chancen als zukünftige Chef-Fondsmanagerin eingeräumt.

Schwellenländer wehren sich gegen Europas Führungsanspruch

Scharfe Kritik am Führungsanspruch Europas bei der Besetzung des Postens kommt allerdings aus den größten Schwellenländern der Welt. "Wir sind über jüngsten öffentlichten Äußerungen von ranghohen europäischen Vertretern besorgt, dass der Posten des geschäftsführenden Direktors mit einem Europäer besetzt werden sollte", schrieben die IWF-Vertreter aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika in einer gemeinsamen Erklärung, die in Washington veröffentlicht wurde.

Der europäische Führungsanspruch sei "veraltet". Die Finanzkrise in den USA und in Europa habe gezeigt, dass Institutionen wie der IWF reformiert werden müssen, um der "wachsenden Rolle der Entwicklungsländer in der Weltwirtschaft" Rechnung zu tragen.

"Dazu ist es erforderlich, die veraltete ungeschriebene Konvention abzuschaffen, dass der IWF-Chef unbedingt aus Europa kommen muss", erklärten die Vertreter der sogenannten Brics-Gruppe, deren Name sich aus den Anfangsbuchstaben der Schwellenländer zusammensetzt. Sie wollen einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken.

Das IWF-Direktorium will bis Ende Juni eine Entscheidung über die Besetzung des Chefpostens treffen.

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