IWF: Lagarde kandidiert Ein Sieg, der keiner ist

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde kandidiert für den IWF-Sitz und dürfte den Posten auch bekommen. Europa triumphiert im Duell mit den Schwellenländern - sollte sich aber nicht zu sehr freuen. Denn der Preis für die Wahl von Lagarde ist hoch.

Ein Kommentar von Marc Beise

Der Satz klingt wie eine Drohung: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy stehe uneingeschränkt hinter ihrer Kandidatur für das Präsidentenamt beim Internationalen Währungsfonds, sagt die französische Finanzministerin Christine Lagarde.

Christine Lagarde bei der Pressekonferenz, auf der sie ihre Kandidatur erklärt.

(Foto: AP)

Sarkozy aber steht vor allem in Deutschland in dem Ruf, Wirtschaftspolitik nur im französischen Interesse zu betreiben: Schulden- statt Stabilitätspolitik, Dirigismus statt Marktwirtschaft. Die Gefahr jedoch, dass der IWF in Zukunft aus dem Élysée heraus gesteuert wird, ist gering. Der selbstbewussten und professionellen Politikerin Lagarde darf man zutrauen, sich von Sarkozy zu emanzipieren.

Unter Druck stehen wird Lagarde im Falle ihrer Wahl von anderer Seite. Immer lauter fordern die Schwellenländer mehr Macht im IWF. China, Indien, Brasilien und andere stellen, zu Recht, die Tradition in Frage, dass stets ein Europäer den Fonds führt.

Die selbstbewussten Newcomer mögen am Ende noch einmal nachgeben, aber sie werden einen Preis fordern. Der eine bekommt den Posten, der andere bestimmt die Inhalte - so läuft es oft in der Politik. Wer also erwartet, dass eine IWF-Chefin Lagarde die Interessen Europas über alles stellen kann, wird ebenfalls enttäuscht werden.

Bei Lichte besehen wäre diese Enttäuschung so schlimm nicht. Auf die europäische Schuldenkrise hat der IWF bisher vor allem mit viel staatlichem Geld reagiert. Auf die Dauer kann das keine Lösung sein, es braucht eine Umschuldung, eine Beteiligung der privaten Gläubiger und neue Strukturen in den Schuldnerländern. Darauf werden vor allem die Chinesen achten. Sie sind als milliardenschwere Investoren in Europa nicht die schlechtesten Ratgeber.

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