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IWF: Dominique Strauss-Kahn:Der Weltfinanzminister

Dominique Strauss-Kahn, der Chef des Internationalen Währungsfonds, ist in der Krise ein unumgänglicher Entscheider geworden. Sein neues Ziel ist nun der Elysée-Palast.

Dominique Strauss-Kahn ist überall, in Japan, in Nigeria, in Brasilien, in den USA und China. Unzählige Fotos künden davon. Händeschütteln hier mit dem Finanzminister, Händeschütteln dort mit dem Präsidenten. In den vergangenen Tagen hielt sich der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor allem in Europa auf, und das aus gutem Grund. Mit 250 Milliarden Euro beteiligt sich der Währungsfonds an dem Rettungsschirm, den die Länder der Euro-Zone in nächtlicher Sitzung spannten, um den Euro vor Angriffen der Spekulanten zu schützen.

Dominique Strauss-Kahn, Foto: apn

Der IWF, das heimliche Weltfinanzministerium, verleiht Dominique Strauss-Kahn jede Menge Einfluss. Bewirbt er sich nun um das französische Präsidentenamt?

(Foto: Foto: apn)

Der IWF stemmt damit ein Drittel der Gesamtsumme. Strauss-Kahn sagte, der Fonds gehe damit an die Grenzen des finanziell Machbaren. Die wichtigere Botschaft verschwieg der Franzose. Der IWF erwirbt damit das Recht, den Haushältern einzelner Euro-Staaten auf die Finger zu schauen und sie zurechtzuweisen - und erhält damit sozusagen einen Sitz im Finanzministerium eines jeden überschuldeten Landes. Denn Geld gibt's nur im Ausgleich für Sparen, Haushaltsdisziplin und niedrige Inflation.

Strauss-Kahn hat dem Währungsfonds damit große Macht verliehen. Manche nennen den IWF das heimliche Weltfinanzministerium. Doch kaum einem ist die Machtfülle unheimlich. Auch das ist Strauss-Kahns Verdienst. Er hat den Fonds nach innen und außen reformiert und sein Image aufpoliert. Er hat damit auch seine eigene Rolle aufgewertet. Time Magazine zählt ihn zu den mächtigsten Menschen der Erde.

Zweikampf DSK-Sarko

Daheim in Frankreich handeln Freunde und Feinde den Sozialdemokraten als den aussichtsreichsten Herausforderer von Nicolas Sarkozy bei der Präsidentschaftswahl 2012. Das entbehrt nicht der Ironie. Der rechtsbürgerliche Sarkozy hatte Strauss-Kahn auf Vorschlag des Luxemburgers Jean-Claude Juncker 2007 selber für das Amt des IWF-Chefs vorgeschlagen. Inzwischen ist DSK, wie er in Frankreich genannt wird, in den französischen Medien so präsent wie der Präsident selber. Unter den potentiellen Kandidaten der Linken liegt DSK in Umfragen weit vorn. Alles sieht nach einem Zweikampf DSK-Sarko aus, zumindest von außen betrachtet.

Doch wer so denkt, hat die Rechnung ohne die streitsüchtige französische Linke gemacht. Noch hat sich DSK nicht zum Kandidaten erklärt, da reden sich in Radio und Fernsehen schon etliche Parteistrategen die Köpfe heiß. Vielen steht der IWF-Mann zu weit rechts. Als jüngsten Beweis dafür führen die Kritiker den harten Sparkurs an, den die Europäer und eben auch der IWF Griechenland aufzwang. Das sei keine linke Politik, sagen die, die sich links von der Parti Socialiste (PS) positionieren, und davon gibt es immerhin mindestens vier Formationen, ohne die französischen Grünen mitzuzählen.

Doch auch innerhalb der PS ist DSK alles andere als unumstritten. Er stellt eher eine Minderheitenströmung dar und hätte es mit mindestens vier parteiinternen Gegenkandidaten zu tun. Beim letzten Vorentscheid 2007 ging er sang- und klanglos gegen Ségolène Royal unter. Strauss-Kahn muss daher mit ungeheurer Geschicklichkeit vorgehen, wenn er tatsächlich gegen Sarkozy antreten will. Die Rettung des Euro ist im Vergleich zum Befrieden der Grabenkämpfe auf Seiten der Linken geradezu ein Kinderspiel.

Persönliche Ambitionen

Tut sich der Mann das an? Es wäre überraschend, würde er es nicht versuchen. Es ist seine wahrscheinlich letzte Chance. Er ist 61 und derzeit auf dem Höhepunkt seiner Popularität. Alles spricht dafür, es zu probieren. Die Frage ist nur, wie und wann er seine Kandidatur offiziell macht. Tut er es zu früh, könnte er sich dem Vorwurf aussetzen, er stelle seine persönlichen Ambitionen vor die Pflichten, die sein Amt ihm auferlegt. Schließlich läuft sein IWF-Mandant erst im Oktober 2012, gewählt wird aber schon im Frühjahr desselben Jahres.

Kandidiert er zu spät, könnte der Zug abgefahren sein und ein parteiinterner Widersacher den Lokführer spielen. In keinem Land tastet sich DSK deswegen so vorsichtig vor wie in seiner Heimat. Jeden seiner Schritte verfolgen Freund und Feind mit Argusaugen. Am vergangenen Samstag zum Beispiel machte er sich auf den Weg nach Sarcelles, im Norden von Paris, wo er Bürgermeister war - um eine Schule einzuweihen. Den Termin musste er schließlich abblasen, weil die Rettung des Euro anstand. Aber natürlich stand die Frage im Raum: Was will der in einer Schule? Gut möglich also, dass Strauss-Kahn in einen der enggeknüpften Fallstricke seines Landes tappt, mit oder ohne eigenes Zutun.

Andererseits könnte er das verkraften. IWF-Chef zu bleiben, ist auch keine schlechte Perspektive.