Italien in der Krise Ist Italien das neue Griechenland?

Jetzt ist viel von Ansteckung die Rede, dabei macht jedes Land seine Schulden selbst. Was Italiens Probleme mit der Griechenland-Krise verbindet, ist vor allem die Nervosität der Märkte. Bei aller Kritik an Berlusconi: Sein Italien ist nicht mehr das seiner Vorgänger Bettino Craxi und Giulio Andreotti.

Korruption existiert, dafür unterhält der Staat keine ins Absurde aufgeblähte Bürokratie wie in Griechenland, die Kosten für den italienischen Sozialstaat sind mit den deutschen vergleichbar: Sozialquote und Staatsausgaben fürs Soziale pro Kopf liegen in Italien etwas unter dem deutschen Niveau.

Von einem unmittelbar drohenden Zahlungsausfall für Italien sprechen nicht einmal die strikten Ratingagenturen. Auch die Struktur der Verschuldung Italiens unterscheidet sich von der Griechenlands. Italienische Schulden werden zu 55 Prozent auch von italienischen Gläubigern gehalten. Eine plötzliche Kapitalflucht ist deshalb unwahrscheinlich.

Italien kann im Gegensatz zu Griechenland auf eine Industrie von Weltformat setzen: Das Land ist die siebtgrößte Exportnation der Welt, weil es über eine Automobil- und eine prosperierende Textilindustrie verfügt.

Thomas Herrrmann, Ökonom bei der Bank Credit Suisse sieht einen großen Unterschied zwischen Italien und Griechenland: "Italien hat kein Problem mit der Haushaltsdiziplin mehr, sondern einfach in der Höhe der Schulden." Die Anleger würden schon bei einem kleinen Anstieg des Zinssatzes auf Staatspapiere nervös.

Italien wird niemals Pleite gehen, sagt auch EZB-Ratsmitglied Bini Smaghi. Es sei "ein reiches Land". Allerdings weist Smaghi auf die Gefahren der Schuldenkrise hin: "In Italien gibt es eine starke Korrelation zwischen Staatsrisiko und Bankenrisiko wegen der Höhe der Staatsschulden und weil die Banken eine bedeutende Menge an Staatsanleihen besitzen", sagte Smaghi.

Hat Europa den Italienern zu viel durchgehen lassen?

Italien ist Kerneuropa, nach dem Krieg war das Land eines der sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Union. Das Land, das nach dem Krieg ein ähnliches Wirtschaftswunder wie Deutschland erlebte, ruft vor allem in den Köpfen der Nordeuropäer besondere Assoziationen hervor: Italien war das lockere, leichte Europa, wo die Menschen weniger protestantisch, weniger verbissen lebten.

Grund für die plötzliche Flucht der Anleger ist Italiens enormer Schuldenberg, unmittelbarer Auslöser aber war der Vertrauensverlust durch die politischen Streit in Rom. Europa muss sich die Frage stellen, ob es nicht früher Schritte gegen die Ego-Politik Silvio Berlusconis oder zumindest gegen sein Auftreten hätte unternehmen sollen.

Italien hat in erster Linie kein ökonomisches, sondern ein politisches Glaubwürdigkeitsproblem. Und damit hat Europa auch eins.