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Island im Sog der Krise:Ex-Chef der Kaupthing-Bank festgenommen

Die Finanzkrise hat kaum einem Land so geschadet wie Island. Nun sitzt der frühere Chef der zusammengebrochenen Kaupthing-Bank in der Arrestzelle.

Der frühere Direktor sowie ein weiterer Manager der in der Finanzkrise zusammengebrochenen isländischen Kaupthing-Bank bekommen Medienberichten zufolge großen Ärger.

Kaupthing-Bank, Foto: dpa

Schriftzug der Kaupthing-Bank: Erst war das Institut explosionsartig gewachsen, dann brach es zusammen.

(Foto: Foto: dpa)

Ex-Kaupthing-Chef Hreidar Mar Sigurdsson sowie der frühere Chef der Luxemburger Kaupthing-Tochter, Magnus Gudmundsson, seien in Reykjavik festgenommen worden, berichteten isländische Medien. Der Bankensektor des Landes war 2008 zusammengebrochen.

Sigurdsson und Gudmundsson würden auf einer Polizeiwache in der Hauptstadt Reykjavik festgehalten, hieß es in den Medienberichten.

Den ganzen Vormittag befragt

Zuvor hatte Staatsanwalt Olafur Hauksson mitgeteilt, im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Zusammenbruch des isländischen Bankensystems im Herbst 2008 sei ein Verdächtiger festgenommen worden. Dieser sei zuvor den ganzen Vormittag befragt worden. Einen Namen nannte der Staatsanwalt nicht.

Er beantragte eigenen Angaben zufolge zwei Wochen Untersuchungshaft für den Verdächtigen. Bei den Ermittlungen gehe es unter anderem um Wirtschaftskriminalität und Verstoß gegen die Handelssicherheitsgesetze.

Bislang war noch kein Manager der drei zusammengebrochenen isländischen Banken Landes, Kaupthing, Landsbanki und Glitnir, festgenommen worden.

Sigurdsson hatte die Kaupthing-Bank seit 2003 bis zu ihrer Verstaatlichung 2008 geleitet. Ihm wird vorgeworfen, den Hauptaktionären der Bank und ihren führenden Managern zu viel Geld geliehen zu haben.

Die beiden Banker arbeiten derzeit in Luxemburg als Berater. Dazu hatten sie mit anderen früheren Kaupthing-Kollegen die Firma Consolium gegründet.

Viele Isländer verloren Ersparnisse

Der isländische Finanzsektor war im Herbst 2008 mit der Pleite gleich mehrerer Großbanken im Sog der weltweiten Finanzkrise zusammengebrochen. In der Folge büßte die isländische Krone massiv an Wert ein, wodurch zahlreiche der 320.000 Einwohner des Landes ihre Ersparnisse verloren. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit drastisch an, und die Regierung musste angesichts massiver Proteste der Bevölkerung zurücktreten.

Ein Untersuchungsbericht warf der damaligen Regierung und den Aufsichtsbehörden Versagen in der Bankenkrise vor. Zudem machte der Bericht das rasche Anwachsen der isländischen Banken in den Jahren zuvor für das Platzen der Finanzblase verantwortlich.

Auch die Führung der drei größten Banken des Landes, Kaupthing, Landsbanki und Glitnir, die in sieben Jahren vor ihrem Zusammenbruch um das Zwanzigfache gewachsen seien, habe ihre Macht missbraucht. Die drei Bankhäuser wurden im Zuge der Krise verstaatlicht.