Investor Windhorst Wunderkind ist abgebrannt - schon wieder

Der einstige Jungstar Lars Windhorst hat erneut Insolvenz angemeldet. Inzwischen ermittelt auch die Staatsanwaltschaft - eine Anklage wird nicht ausgeschlossen.

Von Uwe Ritzer

Die Dame, die sich am Handy von Lars Windhorst meldet, macht wenig Hoffnung. Nein, Herr Windhorst sei nicht zu sprechen. Auch später nicht. Sie könne sich auch nicht vorstellen, dass Herr Windhorst zurückrufen oder überhaupt Fragen beantworten werde.

Das Wunderkind schweigt: Über seine Geschäfte will Lars Windhorst nicht mit der Öffentlichkeit reden.

(Foto: Foto: ddp)

Lars Windhorst, einst von Kanzler Helmut Kohl als neues deutsches Wirtschaftswunderkind gepriesen, redet prinzipiell nicht gerne öffentlich über seine Geschäfte. Vor allem dann nicht, wenn er mit diesen wieder einmal eine Millionenpleite hingelegt hat. Am Dienstag stellten Windhorst und sein Geschäftsführerkollege Peter Ogrisek beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenzantrag für die Vatas Holding GmbH. Der Finanzinvestor, der zeitweise an der Fluggesellschaft Air Berlin und am Mobilfunk- und Internetdienstleister Freenet beteiligt war, scheint schon länger ins Trudeln geraten zu sein. Den Ausschlag gab wohl eine 150-Millionen-Euro-Klage der Norddeutschen Landesbank (NordLB).

Dabei geht es um eines der merkwürdigsten Aktiengeschäfte im vergangenen Jahr. Zwischen Herbst 2007 und Anfang 2008 kaufte die NordLB für 234 Millionen Euro Aktien an unterschiedlichen Firmen wie dem Kabelausrüster Euromicron, dem Handyzulieferer Balda und dem Altenheimbetreiber Curanum. Doch der Auftraggeber für die Käufe, die Vatas GmbH mit ihrem Geschäftsführer Windhorst, holte die Anteilscheine nie ab. Die NordLB blieb darauf sitzen und musste eine millionenschwere Risikovorsorge in ihre Bilanz einstellen.

Große Steherqualitäten

Der Fall sorgte für Aufsehen und löste erneut Interesse an Lars Windhorst und seinen Geschäften aus. Öffentliche Aufmerksamkeit ist der Handwerkersohn aus Westfalen ja gewohnt, seit Helmut Kohl den damals 18-Jährigen auf eine Vietnamreise mitnahm und ausgiebig mit ihm für Fotos posierte. Der "Junge, der an die Zukunft glaubt" (Kohl) wurde fortan von höchsten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kreisen hofiert.

Damals firmierte Windhorst als Chef einer Firmengruppe. Die gibt es schon lange nicht mehr, und hinter Windhorst, heute 32, liegt eine beispiellose Kette bestehend aus Insolvenzen, Offenbarungseid, Schulden und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren. Dabei bewies der Mann mit dem Milchgesicht, dem selbst Feinde Charisma nachsagen, große Steherqualitäten.

Die Umstände seiner Abstürze waren immer schillernd und dubios. Das gilt auch für den mysteriösen Crash jenes Privatflugzeuges, das am zweiten Weihnachtsfeiertag 2007 mit Windhorst als Passagier bei bestem Wetter am Flughafen im kasachischen Almaty zerschellte. Der Pilot starb, Windhorst überlebte schwerverletzt. Auch geschäftlich havarierte Windhorst mehrfach.

2005 meldete er Privatinsolvenz an. 60 Gläubiger, darunter namhafte Banken und Konzerne, sowie US-Filmstar Michael Douglas, machten 72 Millionen Euro an Forderungen geltend, um sich anschließend erstaunlicherweise mit 1,6 Millionen Euro zufriedenzugeben.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Einer der damaligen Gläubiger war Robert Hersov, Spross einer südafrikanischen Industriellenfamilie. Angeblich schuldete Windhorst Hersov 4,28 Millionen Euro. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Windhorst arbeite zumindest einen Teil dieser Schulden bei Hersov ab, zu dessen Firmengeflecht auch die Vatas-Gesellschafterin Sapinda International Limited mit Sitz in London gehört. Wie hoch die Vatas-Verbindlichkeiten sind, konnte der vorläufige Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg nicht beziffern. Ein Sanierungsfall sei die Windhorst-Firma schon länger. Ein Sanierungsplan sei nun an der NordLB-Klage gescheitert, sagte Wienberg.

Die Umstände der Pleite beschäftigen inzwischen auch die Berliner Staatsanwaltschaft. Sie hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem der britische Finanzinvestor Audley Capital im Mai 2008 Strafanzeige gegen Windhorst und dessen Kompagnon Ogrisek wegen Insolvenzverschleppung gestellt hat. Audley hatte für 29,4 Millionen Euro Anteile am Altenheimbetreiber Curanum gekauft, und Vatas soll zugesichert haben, diese zum selben Preis im Frühjahr 2008 zurückzukaufen. Audley vermutet, dass Vatas damals schon pleite war.

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt jedoch auch in anderem Zusammenhang gegen Windhorst. Seit mittlerweile sechs Jahren geht es unter dem Aktenzeichen 5 Wi Js 1160/03 um einen möglichen Betrug am Hamburger Geschäftsmann Ulrich Marseille, einem der größten privaten Betreiber von Kliniken, Pflege- und Senioren-Einrichtungen in Deutschland. Dieser hatte Windhorst zehn Millionen Euro geliehen; er hat sie größtenteils bis heute nicht zurückerhalten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte nun, die Ermittlungen in diesem Fall seien abgeschlossen. Momentan werde behördenintern entschieden, ob das Verfahren eingestellt oder aber Anklage gegen Lars Windhorst erhoben wird. Es könnte eng werden für das einstige Wunderkind.