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Investor Buffett findet Nachfolger:"Ich lese Geschäftsberichte wie andere den Playboy"

Bewerbungsgespräch für zwei Millionen Dollar: Auf der Suche nach einem kühlen Rechner ist Investment-Legende Warren Buffett fündig geworden. Ted Weschler wird ein Milliarden-Portfolio managen - seinen künftigen Boss überzeugte er bei einem ziemlich teuren Essen.

Jannis Brühl

T-Bone Steak für 21,50 Dollar, Hühnerleber für 12,50 Dollar: Man muss eigentlich kein Hedgefonds-Manager sein, um sich ein Essen im Restaurant Piccolo's leisten zu können. Ted Weschler legte trotzdem 2.626.411 Dollar dafür hin, exakt 100 Dollar mehr als er im Jahr zuvor gezahlt hatte. Dafür durfte er am 26. Juli in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska zum zweiten Mal mit dem legendären Investor Warren Buffett speisen. Den jährlichen "Power Lunch" hatte er sich ersteigert, das Geld floss an eine wohltätige Organisation. Doch es ging nicht nur darum, armen Kindern zu helfen oder sich ein paar Investment-Tipps abzuholen. Es ging um die Zukunft von Buffetts 100-Milliarden-Dollar Imperium Berkshire Hathaway.

Jetzt stellt sich heraus, dass der "Power Lunch" ein Bewerbungsgespräch war. Der 50-jährige Weschler wird von Anfang 2012 an einen Teil des Berkshire-Hathaway-Portfolios managen. Damit wird er neben Manager Todd Combs zum Kronprinzen des 81-Jährigen Buffett. "Wenn er einmal nicht mehr Konzernchef ist, werden Todd und Ted - wahrscheinlich verstärkt durch einen weiteren Manager - die Verantwortung für das komplette Anlageportfolio von Berkshire übernehmen", teilte das Unternehmen mit.

Weschler leitete bisher erfolgreich seinen eigenen Hedgefonds Peninsula. Vor allem aber ist er Fan des "Orakels von Omaha". Der Spitzname spielt auf Buffetts Gespür für lukrative Investments von Silber bis Coca-Cola an, das ihn über die Jahrzehnte zum zweitreichsten Mann der USA gemacht hat. Bei einer Klausur des Verwaltungsrats der Bank WSFS verteilte Weschler einmal Kopien von Buffetts berühmten Jahresbriefen. Das Angebot des Gurus beim Steakessen dürfte für ihn der Erfüllung eines Lebenstraums gleichkommen.

Momentan überblickt Buffett selbst das Berkshire-Aktien-Portfolio genau wie die etwa 80 Tochterfirmen, darunter Maschinenbauer, eine Versicherung und eine Fluggesellschaft. Bei seinem Ausscheiden würden zwei Jobs auf einmal frei: der klassische Chief Executive Officer (CEO) - also Vorstandsvorsitzende - und der Chief Investment Officer (CIO). Der ist bei Berkshire Hathaway besonders wichtig, denn er ist fürs "stock picking" zuständig: Er sucht die Aktien aus, die gekauft werden sollen, muss also über einen Riecher verfügen, der es mit dem von Buffett aufnehmen kann.

Keine Lust auf Wall-Street-Hedonismus

Vor einem Jahr war eigentlich schon entschieden, welches Duo auf Buffett folgen würde. Doch die Pläne für die Nachfolge fielen in sich zusammen: Li Lu, Favorit für den Posten des CIO, wollte nicht. Und David Sokol, der immer als Buffetts unumstrittener Kronprinz gegolten hatte, stolperte über einen Insider-Deal. Er trat im März zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er Buffett geraten hatte, den Chemieproduzenten Lubrizol zu kaufen - und sich vorher ordentlich mit Aktien ebenjenes Unternehmens eingedeckt hatte.

Dagegen wirken die neuen Kronprinzen durch und durch solide. Schon als Buffett 2010 den bis dahin obskuren Hedgefonds-Gründer Combs als Investment-Manager präsentierte, war klar: Der Alte will, dass seine Philosophie nach seinem Tod im Unternehmen weiterlebt. Weschler und Combs bauen beide auf langfristige Investments in wenige Werte, wildes Kaufen und Verkaufen für schnellen Profit liegt ihnen fern. Auch privat halten beide wenig vom Hedonismus anderer Wall-Street-Manager, mögen es lieber zurückgezogen. US-Medien stehen bei Welscher vor dem gleichen Problem wie damals bei Combs: Es gibt keine Bilder von ihnen. Wie Buffett hält sich auch Weschler fern vom wilden New York. Peninsula leitet er von einem Mini-Büro über einem Buchladen im beschaulichen Charlottesville in Virginia.

Buffet schwört auf akribische Analyse bei der Suche nach unterbewerteten Unternehmen: "Ich lese Geschäftsberichte wie andere Leute den Playboy." Er dürfte seine Freude an Weschler haben. Über den wird kolportiert, dass er sich Urlaub nimmt, nur um in Ruhe die Daten von Unternehmen durchzugehen. Gute Vorbereitung und Durchhaltewillen zeichnen ihn aus - in seiner Freizeit läuft er Marathons, zum Beispiel die in Boston und New York.

Nach dem Sokol-Debakel im Frühjahr hat Buffett in Sachen Erbfolge nun wieder für einigermaßen geordnete Verhältnisse gesorgt. Dem Wall Street Journal sagte er nach Weschlers Berufung: "Wir haben den perfekten Nachfolgeplan."

© sueddeutsche.de/luk/bgr
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