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Investmentbank-Verkauf:Sal. Oppenheim lässt Australier abblitzen

Das Angebot ist zu niedrig, der befürchtete Jobabbau zu hoch: Sal. Oppenheim sagt den Verkauf des Investmentbankings an die australische Macquarie-Bank ab.

Die angeschlagene Privatbank Sal. Oppenheim bleibt auf ihrer Investmentbanking-Sparte sitzen - zumindest vorerst. Nachdem der italienische Interessent Mediobanca bereits abgesprungen war, lehnten die Eigentümer des Instituts nun ein weiteres Angebot ab: das der australischen Investmentbank Macquarie.

Sal. Oppenheim, Foto: ddp

Die Privatbank Sal. Oppenheim muss ihre Investmentbanking-Sparte offenbar vorerst behalten.

(Foto: Foto: ddp)

Das Angebot sei zu niedrig, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person nach den Beratungen des Aktionärsausschusses. Die Kundenbeziehungen des bald zur Deutschen Bank gehörenden Geldhauses seien von den Australiern nicht angemessen bewertet worden. Den Kreisen zufolge liegt das Angebot klar unter der Eigenkapitalausstattung der Sparte von 200 bis 300 Millionen Euro. "Die Eigner von Sal. Oppenheim wollen die Investmentbank nicht verramschen", sagte ein weiterer Insider. Ein rascher Verkauf sei nun erst mal nicht in Sicht.

Neben dem zu geringen Preis spielten wohl auch die Stellenabbaupläne von Macquarie eine Rolle für die ablehnende Haltung der rund 40 Eigentümer. Die Australier wollten offenbar mehr als ein Drittel der 450 Investmentbanker-Jobs abbauen, hieß es aus Kreisen. Zudem wolle Macquarie das Kapitalmarktgeschäft in Deutschland stärker auf Großunternehmen ausrichten. Der Fokus von Sal. Oppenheim liege aber auf mittelständischen Kunden.

Schwarze Zahlen

Seit Monaten verhandelt Sal. Oppenheim über einen Verkauf des Investmentbankings - denn der neue Eigentümer, die Deutsche Bank, hat an dem Bereich kein Interesse, das Finanzhaus ist lediglich am Geschäft mit reichen Privatkunden interessiert.

Noch ist der Deal mit Macquarie nicht endgültig abgesagt, denn die beiden beteiligten Banken haben sich noch nicht offiziell geäußert. Es werde auch noch weiterverhandelt, hieß es aus Finanzkreisen. Die Chancen für eine Einigung seien aber äußerst gering, da die Differenzen zu groß seien.

In den nächsten Wochen soll den Kreisen zufolge nun mit den Führungskräften der Investmentbank und Vertretern der Deutschen Bank über die Zukunft des Geschäftsbereichs gesprochen werden. Es gebe zwar weitere Interessenten, aber bislang noch keine richtigen Gespräche. Daher werde die Investmentbank nun vorerst in Eigenregie weitergeführt.

Immerhin: Nach dem Verlustjahr 2008 schreibt die von Sal.-Oppenheim-Gesellschafter Dieter Pfundt geleitete Sparte in allen Bereichen wieder schwarze Zahlen. Einem Mitarbeiterbrief Pfundts zufolge erzielte die Investmentbank im Oktober mit einem Bruttoertrag von 26 Millionen Euro das beste Ergebnis seit zwei Jahren.

© sueddeutsche.de/Reuters/dpa/tob/pak

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