Interview zum Unicef-Skandal:"Mehr Ehrlichkeit, weniger Schönrednerei"

Lesezeit: 3 min

Nach Ansicht von Philipp Hof, Geschäftsführer der Hilfsorganisation "Stiftungszentrum.de", haben Spender häufig falsche Erwartungen. Er fordert einen ehrlicheren Umgang mit dem heiklen Thema Verwaltungskosten.

Carsten Matthäus

Philipp Hof ist Geschäftsführer von Stiftungszentrum.de. Ziel der Organisation ist es, den Aufbau kleiner, gemeinnütziger Stiftungen zu fördern. Dabei wird die Verwaltung kleiner Stiftungen gebündelt, um die Kosten möglichst gering zu halten. Derzeit werden im Stiftungszentrum 615 Stiftungen betreut, die über ein Stiftungsvermögen von mehr als 50 Millionen Euro verfügen und bisher mehr als 21 Millionen Euro an Zinsen und Spenden für die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben eingesetzt haben.

Interview zum Unicef-Skandal: Stiftungsmanager Philipp Hof: "Der Anspruch der Spender ist sehr hoch."

Stiftungsmanager Philipp Hof: "Der Anspruch der Spender ist sehr hoch."

(Foto: Foto: oH)

sueddeutsche.de: Als die Unregelmäßigkeiten bei Unicef bekannt wurden, schwieg der Vorstand so lange, bis es ein handfester Skandal wurde. Warum haben Spendenorganisationen ein solches Problem mit Transparenz?

Philipp Hof: Die eigentliche Ursache liegt meines Erachtens in der Ansicht der Spender, dass Verwaltungskosten per se schlecht sind. Sie werden als nicht notwendig erachtet, geringe Kosten gelten als Qualitätsmerkmal. Deshalb tun sich Hilfsorganisationen schwer, über die wirklichen Kosten zu informieren. Auf der anderen Seite ist der Anspruch der Spender hoch: Sie wollen in Bild und Ton über die zu lindernde Not informiert werden, verlangen vorgedruckte Überweisungsträger, wollen schnell ihre Spendenquittung haben und hätten gerne noch einen persönlichen Ansprechpartner für weitergehende Fragen. Das ist ein verständlicher Anspruch, bei der durchschnittlichen Spendenhöhe von 30 Euro ist dies aber kaum mit weniger als 25 Prozent Verwaltungskosten zu schaffen.

sueddeutsche.de: Auf der Unicef-Internetseite ist von Spenden-Verwaltungskosten in Höhe von weniger als zehn Prozent die Rede.

Hof: Dies steht meines Erachtens nicht im Widerspruch, da bei den Prozentangaben alle Spenden einbezogen werden, auch Großspender. Wenn da von einer Großspende von - sagen wir - einer Million Euro etwa 30.000 Euro an Verwaltungskosten anfallen, dann sind das eben nur drei Prozent. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass für die Bearbeitung der Kleinspenden prozentual ein sehr viel größerer Teil für Verwaltungs- und Informationskosten abgezogen werden muss.

Zusätzlich wird das Bild noch in der Katastrophenhilfe verzerrt. Direkt nach einer solchen Katastrophe wird ohne jede Werbung viel gespendet, die Verwaltungskosten sind somit niedrig. In den Folgejahren, wo die Hilfe richtig angelaufen ist, die Erinnerung an die Katastrophe aber verblasst, muss um Spenden aktiv geworben werden. Die logische Folge: Die Verwaltungskosten steigen.

sueddeutsche.de: Warum redet niemand offen über dieses Problem?

Hof: Für die Verantwortlichen großer Organisationen, die auf das Wohlwollen der breiten Masse angewiesen sind, ist das Thema heikel. So hat es sich im Nonprofit-Sektor eingebürgert, dass zum Thema Verwaltungskosten - wenn überhaupt - nur sehr undeutlich kommuniziert wird. Die Empörung über den Unicef-Vorstand hat ja auch gezeigt, wie gering das Verständnis in der Öffentlichkeit ist. Dass 20 Prozent Verwaltungskosten ein Ausweis von Qualität sein können, würden nur wenige wahrhaben wollen.

Lesen Sie im zweiten Teil, was einzelne Spender tun können, um mehr Klarheit über die Verwendung ihrer Spende zu erlangen.

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