Süddeutsche Zeitung

Interview von Meinhard von Gerkan:BER-Architekt: "Ich wage keine Prognose"

Meinhard von Gerkan hat Bahnhöfe und Flughäfen gebaut, das Bild Berlins geprägt. Er entwickelte auch das Konzept für den BER. Warum wurde das Projekt zum Desaster?

Ein gemieteter Raum in einer Hamburger Villa, eine Pseudo-Sekretärin in der Abstellkammer und zwei Jungs, die gerade erst ihren Diplom-Abschluss in der Tasche hatten: Mehr brauchte es nicht, um in den Fünfzigerjahren den Zuschlag für den Entwurf des Flughafens Berlin-Tegel zu bekommen.

Meinhard von Gerkan war damals einer der beiden Jungs. Bis heute prägt der Architekt mit seinen Großbauten das Bild der Republik, vor allem das der Hauptstadt. Und damit gleichzeitig auch die Skandale und Skandälchen, die um die meisten dieser Bauten regelrecht herumwuchern.

Legendär ist etwa die Auseinandersetzung mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der auf Gerkans Konstruktion des neuen Berliner Hauptbahnhofs einfach in Eigenregie ein schnödes Flachdach anbringen ließ. Von Gerkan protestierte, aber das nützte nichts. "Er bürstete mich ab: Ich habe kein Schmuckstück bestellt, sondern einen Bahnhof!", erzählt Gerkan. "Ich weiß nicht, was seine Motive waren, wahrscheinlich war es psychologisch. Der Bahnhof kam ja von seinem Vorgänger Heinz Dürr. Vielleicht dachte er: Wenn ich nicht der Vater des Kindes bin, hacke ich ihm die Arme ab."

"Unprofessionelle Vorbereitung"

Zum Desaster geriet der neue Berliner Flughafen BER, der 2012 eröffnen sollte, aber wegen Mängeln der Entrauchungsanlage immer noch nicht in Betrieb ist. Wann wird es so weit sein? "Ich wage keine Prognose", sagt Gerkan. Als Generalplaner war Gerkans Firma gmp, das größte deutsche Architekturbüro, für die Subunternehmer verantwortlich. Die Flughafengesellschaft habe aber unter anderem den Fehler gemacht, die Entrauchungsanlage an Bosch und Siemens zu vergeben. "Die behinderten sich gegenseitig", sagt Gerkan.

Das führe dazu, dass immer mehr Staatsbauten für die Bürger Ärgernis würden. Zum einen gäben Politiker die Kosten im Vorfeld niedriger an, um die Zustimmung zu bekommen. "Das Zweite ist die unprofessionelle Vorbereitung. Bei der Elbphilharmonie wurde der Auftrag an Hochtief aufgrund einer Freihandskizze vergeben. Da wissen Sie noch gar nichts!"

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