Interview: Frederick Kaufman:Was gegen die Preissprünge hilft

sueddeutsche.de: Ganz aktuell werden Weizen und Kakao deutlich teurer. Ist das vergleichbar mit den Ereignissen 2008?

Kaufman: Ich denke, es ist nicht vergleichbar. Schnell werden die bösen Spekulanten für alles verantwortlich gemacht. Aber es gibt sie zu Recht und ich glaube, dass sie dem Markt Liquidität zuführen. Was derzeit bei Kakao passiert, sieht eher nach dem klassischen Versuch aus, den Markt aufzukaufen. Dahinter steckt nichts als menschliche Gier. Mit anderen Worten: Jemand gibt Milliarden Dollar für Kakao aus, um den Preis in die Höhe zu treiben. Dafür gibt es aber die klassischen Verteidigungsinstrumente. 2008 stiegen zwar die Preise so, als würde jemand den Markt aufkaufen. Doch das war nicht der Fall, sondern die Struktur der Finanzprodukte hatte nur einen ähnlichen, wenngleich viel wuchtigeren Effekt.

sueddeutsche.de: Könnten sich die Ereignisse aus 2008 wiederholen?

Kaufman: Trotz der neuen US-Regularien und auch, wenn sich etablierte Wirtschaftsmagazine wie Bloomberg Business Week mittlerweile gegen die Rohstoff-Indexfonds wenden - die Märkte sind weiterhin gegen den Missbrauch verwundbar.

sueddeutsche.de: Was kann gegen die Preissprünge bei Nahrungsmitteln wie Weizen getan werden?

Kaufman: Regulierung hilft nicht. Hedgefonds-Manager können da nur lachen. Die lästern, dass in Fragen der Regulierung die Regierung fünf Jahre hinterherhinkt. Die einzig wirklich hilfreiche Lösung wäre eine reguläre Weizenreserve. Deren Bestände könnten notfalls auf den Markt geworfen werden, um Anleger zu beruhigen.

© sueddeutsche.de/jja
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB