Süddeutsche Zeitung

Internationaler Währungsstreit:IWF und G7 finden keine Lösung

Die Positionen im Währungskonflikt scheinen festgefahren, aber alle wissen: Verschärft sich der Disput, dürften die Folgen schlimm werden. Der IWF als Finanz-Krisenfeuerwehr soll helfen.

Angesichts der Angst vor einem "Währungskrieg" wird der Ruf nach einer besseren globalen Abstimmung immer lauter. Künftig soll der Internationale Währungsfonds (IWF) entsprechend eine größere Rolle bei der Bewältigung solcher Konflikte spielen.

Das oberste IWF-Lenkungsgremium beauftragte den Fonds am Samstag in Washington, seine Arbeit in diesem Bereich "zu vertiefen". Eine konkrete Empfehlung zur Entschärfung der aktuellen Auseinandersetzung um künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse gab der Finanz- und Währungsausschuss des Fonds (IMFC) auf seiner Jahrestagung allerdings nicht ab. Immerhin: "Wir sind alle zu dem Schluss gekommen, dass der IWF der Ort ist, um Dinge wie Wechselkurse zu behandeln", sagte der Vorsitzende des Gremiums, der ägyptische Finanzminister Youssef Boutros-Ghali.Man werde dieses Thema "auf multilaterale, systematische Weise angehen".

Im Ringen um eine Neuordnung der Machtverhältnisse beim IWF machte der Lenkungsausschuss derweil Bewegung aus: "Wir haben bedeutsame Fortschritte erzielt", sagte Boutros-Ghali. "Die verschiedenen Seiten nähern sich in Richtung eines gemeinsamen Pakets an." IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn sagte, die Gespräche seien noch nicht zu Ende. Er rechne aber in "Tagen oder Wochen" mit einer Einigung.

Die Reform muss bis zum Ende dieses Jahres unter Dach und Fach sein. Zuvor hatte sich US-Finanzminister Timothy Geither für eine deutlichere Rolle des IWF bei Währungskonflikten ausgesprochen. "Der IWF muss seine Überwachung der Wechselkurspolitik und des Aufbaus von Devisenreserven stärken." Auch der brasilianische Finanzminister Guido Mantega machte sich für eine engere internationale Zusammenarbeit stark, um Wechselkurskonflikte abzuwenden. Er erneuerte auch seine Warnung vor einem "nicht erklärten Währungskrieg". "Alle Länder werden für diesen Wechselkursdisput einen Preis zahlen", mahnte er am Freitag.

Er warf den Industrienationen vor, ihre Konjunkturprobleme durch expansive Geldpolitik auf dem Rücken anderer kurieren zu wollen. US-Finanzminister Geithner stellte sich mit seiner Forderung nach einer prominenteren Rolle des Weltwährungsfonds bei der Schlichtung von Wechselkurskonflikten hinter IWF-Direktor Strauss-Kahn. Er hatte seine Organisation als den "richtigen Ort" dafür bezeichnet. Zugleich schlug der Franzose eine "Stabilitätsinitiative" vor, um Währungsdispute zu entschärfen. So sollen die Risiken eines anhaltenden Abwertungswettlaufs verringert werden.

An die Adresse von Schwellenländern wie China gerichtet sagte Geithner, der Aufbau von Devisenreserven sei bis zu einem bestimmten Punkt "angemessen". "Ein Übermaß von Reserven weltweit führt aber zu ernsthaften Störungen des internationalen Währungs- und Finanzsystems."

Nach jüngsten IWF-Zahlen hat China rund 2,5 Billionen Dollar an Reserven aufgehäuft, so viel wie kein anderes Land und fast 30 Prozent des weltweiten Bestandes. Die USA werfen Peking vor, mit dem Ankauf großer Mengen Dollar den Yuan künstlich niedrig zu halten und sich dadurch unfaire Handelsvorteile zu verschaffen.

Der kanadische Finanzminister Jim Flaherty hatte zuvor angedeutet, dass er die Schuld für die festgefahrenen Positionen im Währungsstreit in beiden Lagern sehe. China sei einerseits seit seinem Bekenntnis zu einer Freigabe des Yuan gegenüber dem Dollar im Juni nur zu einer "minimalen, geringen Flexibilität" bereit gewesen. Die Zustimmung des US-Repräsentantenhauses zu Strafzöllen auf chinesische Importe als Antwort nannte der Finanzminister unterdessen eine "protektionistische Maßnahme" der USA.

Samstag war der zweite und letzte Tag der Jahreskonferenz von IWF und Weltbank in Washington. Im Mittelpunkt stand neben der Sorge vor einem Abwertungswettlauf der Währungen auch das Ringen um eine Reform des Weltwährungsfonds. Am Freitagabend (Ortszeit) hatten sich zudem die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben größten westlichen Industriestaaten (G7) zu einem Arbeitsessen getroffen. In zwei Wochen kommen dann die Ressort- und Zentralbankchefs der 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) in Südkorea zusammen.

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