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Internationaler Währungsfonds braucht mehr Geld:Hilfeschrei der Finanzsanitäter

1,3 Billionen Dollar - auf diese Summe möchte IWF-Chefin Lagarde den Internationalen Währungsfonds ausdehnen. Denn angesichts der Vielzahl finanzieller Krisenherde, bei denen er helfen soll, braucht der Fonds mehr Geld. Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber hat damit ein Problem - und zettelt eine Grundsatzdiskussion an.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will mehr Geld: Zwei Modelle seien im Gespräch, mit denen die Finanzmittel des Fonds von derzeit rund 940 Milliarden Dollar auf 1,3 Billionen Dollar oder mehr steigen könnten, das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

IMF Managing Director Lagarde is reflected in a glass of water during a Development Committee news conference at the IMF-World Bank Annual Meetings in Washington

Christine Lagarde will die Macht des Internationalen Währungsfonds ausweiten.

(Foto: REUTERS)

Mit den zusätzlichen Mitteln könne der Fonds mehr Länder vor den Ansteckungsgefahren von Wirtschaftskrisen schützen, begründet die Direktorin des IWF, Christine Lagarde, ihre Forderung. Allerdings stünden die Verhandlungen über die Kapitalaufstockung erst am Anfang. Auf der Jahrestagung in Washington sei ein Prüfauftrag erteilt worden.

Zum einen könnte der Fonds so das Volumen der Kredite, die ihm einzelne Länder während der Finanzkrise zeitweise gewährten, erhöhen. Diese sogenannten bilateralen Kreditlinien ermöglichen dem IWF, möglichst schnell an zusätzliche Liquidität zu gelangen.

Eine "Weltzentralbank"?

Ein anderes Modell sieht vor, die sogenannten neuen Kreditvereinbarungen auf dem heutigen Niveau zu belassen. Der Fonds könnte also weiterhin bei rund 39 Industrie- und Entwicklungsländern Kredite in Höhe von etwa 573 Millionen Dollar als eiserne Reserve abrufen. Im vergangenen Herbst hatte der Fonds sich noch zu einer Verkleinerung durchgerungen.

Nicht nur die heutige IWF-Chefin Lagarde setzt sich für einen starken Fonds ein, auch der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn verstand den Fonds als Schutzschirm über möglichst viele Länder. Doch diese Linie, die den IWF als "Weltzentralbank" versteht, schmeckt nicht jedem: "Der IWF ist keine Zentralbank und kein Kreditgeber der letzten Instanz", warnte Ex-EZB-Chef Axel Weber. Der Internationale Währungsfonds solle mit kurzfristigen Liquiditätsmaßnahmen keine Konkurrenz der Zentralbanken werden.

Auch Jürgen Stark, Anfang des Monats zurückgetretener EZB-Chefvolkswirt, warnte in einem FAZ-Interview im Frühjahr 2010 vor einem "moral hazard". Dieser Effekt trete ein, wenn der IWF sich neben den regionalen Sicherheitsnetzen finanziell gegen alle Eventualitäten am Finanzmarkt wappne: "Es führt dazu, dass die Marktteilnehmer nicht die Lektion aus der Krise lernen und ihr Verhalten nicht ändern", sagte er. Diese "Versicherungsfunktion" des Währungsfonds müsse noch einmal überdacht werden.

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft dann mit Krediten. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal.

© sueddeutsche.de/dpa/kahe/hgn

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