bedeckt München
vgwortpixel

Insolvenzverwalter Irving Picard:Madoffs Schatten

Insolvenzverwalter Irving Picard versucht, möglichst viel Geld für die Opfer des Milliardenbetrügers Bernard Madoff einzutreiben. Er tut das höchst erfolgreich - wie verschiedene Großbanken derzeit merken.

Der Mann sieht müde aus, abgekämpft scheint er zu sein. Tiefe Falten umrahmen sein Gesicht. Dicke Tränensäcke schwellen unter seinen Augen hervor. Doch der Eindruck der Erschöpfung täuscht. Irving Picard strotzt vor Tatendrang.

Madoff Judge Hears Arguments In Dispute Over Victims' Claims

Der Insolvenzverwalter Irving Picard sieht müde aus, doch er strotzt vor Tatendrang.

(Foto: Bloomberg)

Der Insolvenzverwalter der Fonds des Jahrhundertbetrügers Bernard Madoff befindet sich auf einem Feldzug durch das Finanzsystem. Und er ist zum Äußersten entschlossen. Selbst Großkonzernen stellt er nach. Kaum ein Tag vergeht ohne eine neue, spektakuläre Klage. Zwei Milliarden Dollar fordert Picard von der Schweizer UBS, neun Milliarden von der britischen HSBC und 6,4 Milliarden von dem amerikanischen Finanzkonglomerat JP Morgan. Am Mittwoch startete Picard seine jüngste Offensive. Sieben weitere Banken nahm der Treuhändler ins Visier, darunter Citibank, Nomura und Merrill Lynch.

Der Grund für den Eifer ist die schwindende Zeit. Nur noch bis Samstag kann Picard Ansprüche geltend machen. Sonst ist der Fall verjährt. Und so hetzt Picard auch Freunden, Familienangehörigen und früheren Angestellten von Bernard Madoff hinterher. Niemand, der mit dem Betrüger Geschäfte machte, ist vor dem Geldeintreiber sicher. Kein Betrag ist ihm zu klein, fast jedes Mittel ist ihm recht. So wurden bei Versteigerungen zugunsten der Madoff-Opfer nicht nur die Armbanduhren des Betrügers verhökert, sondern auch seine Unterhosen. Es ist makaber, aber was bleibt Picard auch anderes übrig?

Kaum etwas hinterlassen

Madoff, der gefallene Starinvestor, der seinen Anlegern in jeder Marktlage stabile Renditen versprach, hat kaum etwas hinterlassen. Nur die Trümmer seiner Lebenslüge und tausende geprellte Anleger. Die Liste der Betrogenen ist 162 Seiten lang. Unternehmer, Rentner, Witwen, Stiftungen, Hedgefonds und Banken sind darunter. Doch gerade die Finanzfirmen spielten in der Affäre oft ein doppeltes Spiel.

Zwar legten sie selbst Geld bei Madoff an, andererseits aber profitierten sie von seinem Schneeballsystem, indem sie neue Anleger für seine Fonds anwarben und dafür Gebühren kassierten. Teils haben die Banken auch eigene Fonds aufgelegt, mit denen die Kassen des Betrügers gefüllt wurden. Picard wirft den Banken vor, dass sie Warnzeichen ignoriert hätten, um ihr Geschäft nicht zu gefährden. Darum zerrt er sie nun vor Gericht. Mehr als 100 Klagen sind schon anhängig. Picard kennt kein Pardon.

Die Fälle Madoff und Kerviel

Milliarden-Abzocker vor Gericht