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Immobilienkrise: Einigung mit SEC:JP Morgan blecht für faulen Deal

Die US-Börsenaufsicht SEC knöpft sich die Wall Street vor: JP Morgan soll Anleger in der Immobilienkrise falsch über ein Finanzprodukt informiert haben. Die Großbank zahlt deswegen 153 Millionen Dollar. Dabei hatte sie an dem schmutzigen Deal kaum etwas verdient.

Amerikanische Behörden ziehen die Wall Street wegen der Immobilienkrise zur Rechenschaft. Unter dem Druck der Börsenaufsicht SEC erklärte sich die Großbank JP Morgan Chase bereit, wegen der Irreführung von Anlegern 153 Millionen Dollar zu zahlen. Auf diese Summe einigten sich beide Parteien in New York, berichten das Wall Street Journal und der Guardian übereinstimmend.

Die SEC wirft der Investmentbank vor, Anleger falsch informiert zu haben. 2007 bot sie ein komplexes Finanzprodukt namens "Squared CDO" an, das aus durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere bestand. JP Morgan informierte seine Kunden aber nicht darüber, dass der Hedgefonds Magnetar das Produkt mitentworfen hatte. Gerade der hatte aber auf den fallenden Wert der Hypotheken spekuliert - und verdiente mit, als die Immobilienblase platzte und Anleger fast alles verloren. JP Morgan selbst machte laut SEC durch den Deal einen Gewinn von 19 Millionen Dollar - ein kleines Geschäftsfeld für das Institut, das 2010 Gewinn von 17 Milliarden Dollar auswies.

In einem ähnlichen Verfahren hatte die SEC im vergangenen Jahr die Bank Goldman Sachs, neben JP Morgan die mächtigste Bank an der Wall Street, zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Auch damals ging es darum, dass die Banker ihren Kunden nicht verraten hatten, dass ein Hedgefonds am Finanzprodukt Abacus mitgearbeitet hatte, an dem der Fonds später durch Wetten selbst verdiente.

Dass die SEC sich auch mit den größten Banken der Welt anlegt, werten Kommentatoren als Zeichen, dass sich auch andere Finanzunternehmen auf Forderungen der SEC einstellen müssen.

Auch JP Morgan selbst könnte weiterer Ärger ins Haus stehen: Am Dienstag hatte eine andere US-Finanzaufsichtsbehörde die Bank wegen geplatzter Hypotheken auf Schadensersatz in Höhe von insgesamt 840 Millionen Dollar verklagt. Die Klage der National Credit Union Administration NCUA richtet sich außerdem gegen die Bank of Scotland.

Die Geldinstitute hatten Versicherungen für Hypotheken an Genossenschaftsbanken verkauft und dabei nach Auffassung der NCUA das tatsächliche Ausfallrisiko verschwiegen. Fünf der Genossenschaftsbanken hätten wegen der Kreditausfälle in der Immobilienkrise Insolvenz anmelden müssen. Die Behörde musste die Geldhäuser daraufhin übernehmen und liquidieren. "Jene, die die Probleme verursacht haben, sollten für die Verluste zahlen", sagte NCUA-Vorsitzende Deborah Matz.

Linktipp: Der Autor Matt Taibbi hat im US-Magazin Rolling Stone zwei lesenswerte Texte darüber geschrieben, warum die Wall-Street-Verantwortlichen nicht gerichtlich verfolgt werden: "Why Isn't Wall Street in Jail?" und "The People vs. Goldman Sachs".

© sueddeutsche.de/dapd/jab/bbr

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