Immobilienunternehmer Jagdfeld Gebrochene Versprechen

Heiligendamm oder das Adlon in Berlin: Unter den Objekten des Immobilienunternehmers Anno August Jagdfeld befinden sich klangvolle Namen. Gleichwohl fühlen sich viele Anleger getäuscht.

Von Varinia Bernau

Chinesischer Rosenschnaps vertreibt die Sorgen. Ebenso wie Hummer und edle Schokolade. Darauf konnte sich der Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld verlassen, wenn ihm im Hotel Adlon wieder einmal Ärger von einigen der 5000 Anleger drohte. 223 Millionen Euro hatte er bei ihnen einst eingesammelt, doch die versprochenen Ausschüttungen aus dem Fonds um das Berliner Luxushotel ist er seit Jahren schuldig geblieben.

Das Reich von Anno August Jagdfeld ist groß. Zu seinen Objekten zählt auch das Grand Hotel im Ostseebad Heiligendamm.

(Foto: ddp)

Und wann immer sich Anleger auf Gesellschafterversammlungen darüber empörten, lud er sie in das von Sternekoch Tim Raue betreute Restaurant an der Rückseite des Hotels ein. Nun hat der Edelkoch den Prachtbau am Brandenburger Tor verlassen - und dies ausgerechnet zu einer Zeit, in der Jagdfeld seine Leckereien gut gebrauchen könnte. Denn im Adlon begehren immer mehr Anleger auf.

Einer ihrer Anführer ist der Anwalt Otto Fritsch: 146 Anleger hat er in einer Schutzgemeinschaft um sich geschart. Und bald könnten es noch mehr sein, denn er hat kürzlich einen ersten Rechtsstreit gegen Jagdfelds Immobilienfonds Fundus gewonnen. Dieser muss nun die Adressen aller Anleger herausrücken, so entschied das Landgericht Aachen. Andernfalls droht ihm ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro - oder Beugehaft. "Das wird er nicht riskieren", gibt sich Fritsch gewiss.

Ziel ist die Absetzung Jagdfelds

Spätestens im September wolle er weitere Anleger anschreiben. Dann könnte er die magische Marke erreichen, die nötig ist, um die Anleger zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen. Und der Anwalt weiß auch schon, welcher Punkt dann auf der Tagesordnung stehen soll: Absetzung von Anno August Jagdfeld.

Bei Fundus sieht man die Angelegenheit gelassener: Man werde das Urteil sehr wohl anfechten, sagt Sprecher Christian Plöger. Er hat seine eigene Erklärung dafür, warum Anwälte wie Fritsch Anleger verschiedener Fundus-Fonds zum Aufstand treiben. Da werde "versucht, an die persönlichen Daten der Anleger zu gelangen, um offensiv Mandanten zu akquirieren und dann mit gleichlautenden Anschreiben und Schriftsätzen hohe Einnahmen zu erzielen."

Geschäftshaus in Leipzig, Einkaufszentrum in Hamburg - oder das Grand Hotel im Ostseebad Heiligendamm, in dem vor drei Jahren die Mächtigen der Welt zum G-8-Gipfel zusammenkamen. Das Reich des Anno August Jagdfeld ist groß. Doch die meisten Immobilien darin zeichnen sich durch die Vielzahl nicht gehaltener Versprechen aus, die der charismatische Verkäufer den Anlegern einst gab.

Weit unter Prognose

Viele kleinere Objekte sind längst pleite - oder Fundus hat sie an andere Investoren verkauft, ohne dass die Anleger noch viel von ihrem Geld gesehen hätten. Weit weniger Glanz als das Adlon in Berlin hat auch das graue Gebäude nahe des Münchner Hauptbahnhofs. Aber die Geschichte, die sich hinter der Fassade des Hotels "Deutscher Kaiser" in den vergangenen 17 Jahren abgespielt hat, ist eine ganz ähnliche wie die des Adlons.

Claus Solch, inzwischen 75 Jahre alt, hat sie in einem Ordner dokumentiert: Protokolle von Anlegerversammlungen sind darin, Bilanzen und Briefe. Auf manche Dokumente hat er "Null Ausschüttung, Betrüger!" geschrieben. Es ist ein Protest, von dem niemand mehr etwas sieht, sobald Solcher den Aktenordner zuklappt.

Anfang der neunziger Jahre hat er 35.000 Euro in dem Fundus-Fonds mit der Nummer 12 angelegt, eine Vorsorge fürs Alter sollte das sein. Sechs Prozent Zinsen hatte ihm sein Bankberater dafür versprochen. Seit acht Jahren aber blieben die Ausschüttungen weit unter der Prognose, zuletzt gab es nur noch zwei Prozent.

Nun hat Solcher eine Einladung zur Gesellschafterversammlung am Mittwoch erhalten: Dort soll über den Verkauf des Hotels abgestimmt werden. Zwei Angebote gibt es, ein sicheres für 31 Millionen Euro, ein unsicheres für 34,5 Millionen Euro. Dabei hatten die Anleger 2007 beschlossen, dass das Hotel mindestens für 38 Millionen Euro verkauft werden soll.

Ein Gefühl der Ohnmacht

Unverschämt findet das Solcher, zumal den Anlegern noch drei Prozent Maklergebühr in Rechnung gestellt werden. Marktüblich sei dies - und der Verkauf des Hotels angesichts der angespannten Lage auf dem Immobilienmarkt eine gute Lösung für die Anleger, heißt es bei Fundus.

Claus Solcher ist sauer, dass ihm wieder einmal weniger als das Versprochene bleibt. Und er ärgert sich, dass er das schon so lange geduldet hat. Die Versammlung am Mittwoch wird die erste sein, zu der er geht. Bislang sei ihm dies zu aufwendig und zu teuer gewesen, weil viele Sitzungen im Rheinland stattfanden, wie er sagt. Ein Fehler? Sicherlich. Andererseits: Was hätte er schon machen können? "Meine Stimme ist doch nur ein Vögelchen im riesigen Wald."

Es ist dies eine Ahnung, auf die Jagdfeld immer wieder gesetzt hat: Die meisten Anleger haben, als sie ihre Anteile erwarben, ihr Stimmrecht an eine von dem Immobilienverwalter dominierte Treuhandgesellschaft abgetreten. Gut 97 Prozent sind es bei dem Münchner Hotel, 88 Prozent beim Adlon.

Anwalt Fritsch hat bei vielen Anlegern ein Gefühl der Ohnmacht ausgemacht. "Wenigen ist bewusst, dass sie mit dem Kauf der Anteile auch ein Stück weit Unternehmer geworden sind, die in einer Krise aktiv werden, nach Lösungen suchen und dafür Mehrheiten schaffen müssen. Die meisten erwarten nur einmal im Jahr einen Scheck." Deshalb, sagt Fritsch, sei es so wichtig, dass die Anleger sich untereinander austauschen. Und deshalb habe sich Jagdfeld geweigert, die Adressen derer offenzulegen, die sich von ihm vertreten lassen.

Die Geschichte des Münchner Hotels "Deutscher Kaiser" wird in diesen Tagen vielleicht ein Ende finden, die des Adlons wohl eine neue Wendung. Ohne Rosenschnaps, Hummer und Schokolade.