bedeckt München

Immobilien-Studiengang:Kaderschmiede für Profis

Wer Grundstücks- und Wohnungswirtschaft studiert, muss sich keine Sorgen machen um seine berufliche Zukunft.

(SZ vom 5.4.2002) Seit Immobilien nicht mehr Selbstläufer mit garantiert fetter Rendite sind, ist auch der Anspruch an die Qualifikation der Berufsträger der Immobilienbranche gestiegen. "Die vielen Quereinsteiger in die Immobilienbranche haben oft nicht die notwendige Kompetenz - kein Wunder, dass das Image der Immobilienbranche verbesserungsbedürftig ist", urteilt Markus Beyersdorff, der zur Zeit an seiner Promotion über das Management von öffentlichen Immobilien schreibt.

Vernachlässigte, aber vermögensschwere Branche

Angesichts eines privaten Immobilienvermögens von 3,7 Billionen Euro in Deutschland ist für ihn der teils unprofessionelle Umgang mit soviel Werten nicht länger haltbar. "Großbritannien ist schon weiter. Die RICS (Royal Institution for Chartered Surveyors) sorgt dort dafür, dass Immobilien-Professionals eine Ausbildung nachweisen müssen", erklärt Beyersdorff.

Ausbildungsorte

Er gehört zu den neun Mitarbeitern am Stiftungslehrstuhl Grundstücks- und Wohnungswirtschaft der Universität Leipzig, dem einzigen Lehrstuhl dieses Profils an einer öffentlichen Hochschule.

Außer in Leipzig gibt es an der privaten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel eine vergleichbare Ausbildung mit dem Schwerpunkt Immobilienmanagement.

Junge Geschichte

Die Immobilienwirtschaft ist eine volkswirtschaftlich wichtige Branche, aber in der Forschung und Ausbildung wird sie erst seit etwa einem Jahrzehnt gewürdigt. Die Gründung des Leipziger Lehrstuhls, den Prof. Dr. Wolfgang Pelzl leitet, erfolgte 1994 mit maßgeblicher Unterstützung durch die Wüstenrot Stiftung Deutscher Eigenheimverein.

Sie verfolgte das Ziel, den Aufbau des Immobilienmarktes in Ostdeutschland wissenschaftlich zu begleiten und hier zugleich Fachkräfte zur Verfügung zu stellen.

Studieninhalte

Die Immobilien-Akademiker studieren in Leipzig an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre und können dann im Hauptstudium das Fach Immobilienmanagement wählen, idealerweise flankiert durch Controlling, Steuern, Investmentanalyse oder Banken/Versicherungen als weitere Spezialisierungen.

Gelehrt wird interdisziplinär unter der Überschrift "Ganzheitliche Betrachtung des Lebenszyklus einer Immobilie". Der Schwerpunkt des Studiums liegt in der wirtschaftlichen Betrachtung der Immobilie, ergänzt um die Bereiche Recht und Ökologisches Bauen.

Zum ökonomischen Curriculum gehören Immobilienmarketing und -bewertung, Controlling und Portfoliomanagement, Immobilienbesteuerung und -investment sowie das Management von Shopping Centern, öffentlichen Gebäuden und das Facility-Management.

Gute Jobchancen

Innerhalb eines Jahres verlassen den Lehrstuhl etwa 50 bis 60 Absolventen mit einem kaufmännischen Diplom in der Tasche, das sie zugleich als Immobilienspezialisten ausweist. "Unsere Diplomanden bekommen schnell gute Jobs", weiß Beyersdorff.

Qualifizierte Immobilienspezialisten sind Mangelware am Markt. Der Lehrstuhl pflegt Kontakte zu großen Immobiliendienstleistern, Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen. "Dort leisten unsere Absolventen ihren Beitrag zur Optimierung des Immobilienbestandes und -managements", verweist Beyersdorff auf ein offenkundiges Manko deutscher Unternehmen, ihre Gebäude so gut wie ihre Geschäfte zu managen.

Wachsende Bedeutung

"Unter dem Aspekt des Shareholder Value müssen heute auch Immobilien ihren Beitrag zum Unternehmenswert bringen", betont er. Dass die Bedeutung des Immobilienmanagements wächst, hängt auch mit den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusammen: Die steuerlichen Anreize für die Anlage in Immobilien sind deutlich geringer geworden, dafür lassen die Veränderungen des staatlichen Rentensystems die Immobilienanlage als Teil der Altersvorsorge an Bedeutung gewinnen.

Managen, nicht nur verwalten

Auch im öffentlichen Dienst setze sich die Erkenntnis durch, dass die Immobilie keine Akte ist, die nur verwaltet werden muss, sondern ein Wirtschaftsobjekt, erklärt Beyersdorff. Öffentliche Immobilien - oder: Public Real Estate Management - sind ein Forschungsthema am Lehrstuhl.

Aufgaben

Vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der Städte kommt dem effizienten Management von kommunalen Gebäuden wachsende Bedeutung zu. Oftmals fehle die Transparenz der Vermögenswerte und Mietverträge ebenso wie ein effizientes Kontrollsystem, sagt der junge Wissenschaftler.

Abriss oder Sanierung, Veräußerung nicht mehr benötigter Gebäude, Leasing beim Bau neuer Behörden - solche Entscheidungen müssen mit viel Sachkunde getroffen werden. Banken und Wirtschaftsunternehmen unterstützen die Forschungsarbeit am Lehrstuhl durch so genannte Drittmittel.

Die Themen kommen aus der Praxis, und die Ergebnisse werden wiederum der Praxis zur Verfügung gestellt. Die Lebensnähe der wissenschaftlichen Arbeit hat am Lehrstuhl Priorität. Deshalb verkörpert die auf CD gespeicherte Sammlung sämtlicher Diplomarbeiten geballtes Know-how für jeden, der mit Immobilien Geld verdienen will oder muss.

Lösungen aus der Forschung

Als erste Ausgründung des Lehrstuhls setzt die Beratungsgesellschaft RES Consult (Real Estate Solutions) Forschungsergebnisse in Praxislösungen um: Managementkonzepte, Investitionsrechnungen, Gutachten, Controlling-Tools oder Software für die Immobilienwirtschaft. Lehrstuhlmitarbeiter, Doktoranden und externe Immobilienfachberater sorgen in der RES persönlich dafür, dass der Ruf der Branche besser wird.