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IKB:Was im Juli 2007 geschah

Viele Gerüchte, hohe Umsätze, starker Kursverfall: Es geht hoch her an der Börse im Juli 2007 - und keiner weiß etwas Genaues.

Sommer 2007, es ist Mitte Juli. Die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten schlägt hohe Wellen, die Börse ist alarmiert.

Aber die USA ist weit weg - was hat man in Deutschland schon mit den US-Immobilien zu tun. Die Kurse stehen hoch wie lange nicht mehr, und die Anleger gehen lediglich in Hab-acht-Stellung.

Doch die Aktien einer Bank rutschten zunächst langsam und dann immer schneller ab. Es sind die Papiere der IKB.

Die IKB ist die Bank des Mittelstands - solide, angesehen, tadellos langweilig. Doch plötzlich ist von Langweile keine Spur mehr da. Gerüchte kommen auf. Es heißt, dass sich die IKB womöglich auch in den USA engagiert habe.

Kein böses Wort

Mitte Juli steigen die Umsätze bei der IKB deutlich an. Offiziell bekannt ist nichts. Doch als sich der Kursrückgang beschleunigt, veröffentlicht die IKB am Freitag, den 20. Juli, eilig Quartalszahlen.

Kein böses Wort findet sich darin. "Mit dem ersten Geschäftsjahresquartal ist die IKB sehr gut in das Geschäftsjahr 2007/08 gestartet", heißt es. Angesichts der gut laufenden Geschäfte könne die Bank die Prognose für das Jahresergebnis bestätigen.

Die Entwicklung im europäischen Bankensektor sei zwar in den letzten Wochen von einer hohen Volatilität geprägt gewesen, doch die jüngste sehr umfassende Moody´s-Analyse des US-Immobilienmarktes habe im Hinblick auf IKB-Engagements in internationale Portfolioinvestments und auf die Beratungsmandate der IKB Credit Asset Management GmbH praktisch keine Auswirkung.

"Von den in diesem Zusammenhang von Moody´s auf die Watchlist gesetzten Tranchen ist die IKB lediglich mit einem einstelligen Millionen-Betrag betroffen", heißt es weiter.

Der Markt schenkt der Meldung indes kaum Beachtung. Schon in der drauffolgenden Handelswoche fällt der Kurs unaufhaltsam weiter.

Warum - ist immer noch unklar. Es heißt nur, dass eine heimische Bank wegen der Immobilienkrise in Schwierigkeiten kommen könne.

Am Freitag, den 27. Juli, will die Deutsche Bank offenbar Kreditlinien der IKB nicht mehr verlängern. Denn die hat ein Problem mit der Rhineland Funding Capital Group, die schon 2002 in den USA gegründet worden war.

Die IKB hat dieser Gesellschaft Liquidität zugesichert, sofern es mal eng werden sollte. Offiziell ist das Unternehmen keine IKB-Tochter, sondern eine Gesellschaft, die nur von der Düsseldorfer Bank gemanagt wurde.

Deutsche Bank warnt Aufsichtsbehörden

Das Rhineland Funding ist darauf angewiesen, dass Anleger ihr die Papiere abkaufen, mit denen sie eigene Kreditvergaben refinanziert. Doch angesichts der Kreditkrise wollen die Anleger nicht mehr kaufen - und die IKB muss einspringen.

An der Börse ist das zu dem Zeitpunkt nicht bekannt, doch einige Banken wissen das, weil sie die Geschäfte für Rhineland Funding abwickeln.

Noch am selben Tag weist offenbar die Deutsche Bank die Aufsichtsbehörden auf die prekäre Lage der IKB hin, die dann in einer am Wochenende orchestrierten Gemeinschaftsaktion vor allem durch den Einsatz der KfW-Bank vorläufig gerettet wurde. Die KfW ist der größte Einzelaktionär der IKB.

Erst am Montag, den 30. Juli, wird aber die Öffentlichkeit informiert - und damit auch die Finanzmärkte: "Die Krise des US-amerikanischen Hypothekenmarktes im Subprime-Bereich hat sich auf die IKB Deutsche Industriebank ausgewirkt", hieß es.

Die "heftigen Reaktionen der letzten Woche" hätten zu einer großen Verunsicherung institutioneller Investoren beigetragen. Die Refinanzierung des "Rhineland Funding" sei gefährdet und IKB "laufe Gefahr, aus ihren Liquiditätslinien für Rhineland Funding in Anspruch genommen zu werden".

Rhineland Funding und in geringerem Maße auch die IKB selbst seien in strukturierten Portfolioinvestments engagiert, zu denen auch US-amerikanische Immobilienkredite aus dem Subprime-Bereich gehörten.

Angesichts der bedrohlichen Lage habe die KfW "unmittelbar reagiert" und die notwendigen Maßnahmen getroffen, um die Bonität der IKB zu sichern.

Die noch wenige Tage zuvor bestätigte Ergebnisprognose könne nicht aufrechterhalten werden.

An dem Tag rutschte der Kurs der Aktie auf rund zwölf Euro. Binnen zweier Wochen hatte er sich mehr als halbiert und der Chef der Bankenaufsicht, Jochen Sanio, macht klar, dass in Deutschland "die schlimmste Finanzkrise seit 1931" drohe, wenn die IKB doch noch Pleite gehen würde.

© sueddeutsche.de/hgn/mel
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